Die 900 Plätze in der Stadthalle waren voll, als sich am Dienstagabend die vier Kandidaten ums Bürgermeisteramt Roland Matzker, Dirk Harscher, Thomas Gsell und Josef Haberstroh vorstellten. Bürgermeister Christof Nitz freute sich über das große Interesse. In der Fragerunde fühlten die Zuhörer den Bewerbern auf den Zahn.

  • Die Kandidaten: Jeder Kandidat setzte in seiner Rede persönliche Akzente. So baut Roland Matzker (58) auf eine Politik des „Gehörtwerdens“. Ihm sei es wichtig, dass alle Vorgänge, alle Sitzungen so transparent und öffentlich wie möglich gestaltet werden. Dirk Harscher (48) kandidiert „bewusst parteilos, neutral und somit objektiv und komplett unabhängig“, wie er sagte. Er strebe eine sachorientierte Politik für die Stadt und die Teilorte an. Thomas Gsell (57) machte deutlich, wie sehr ihm die Stadt samt Ortsteilen am Herzen liegt. „Hier ist meine Heimat, hier bin ich geerdet. Die Stadt mit ihren Ortsteilen in den Strukturen und den Besonderheiten gut zu kennen und mit den Menschen hier verbunden zu sein, das ist schon die halbe Miete für eine sachbezogene und erfolgreiche Arbeit“, erklärte Gsell. Josef Haberstroh (54) – als amtierender Bürgermeister von Breitnau der einzige „Auswärtige“ in der Runde – betrachtet die Markgrafenstadt als attraktiven Standort, der viel zu bieten habe. In dieser Stadt wolle er gern mitsamt seiner Familie leben. Der Erfolg eines Bürgermeisters sei immer ein Erfolg der Gemeinschaft, erklärte Josef Haberstroh.
  • Die Diskussion: Die Kandidaten hatten viele Themen, die die Zuhörer gezielt ansprachen, bereits gestreift. Dazu zählten der Ärztemangel und die Zukunft des Schopfheimer Krankenhauses, wenn bis 2025 das Zentralklinikum gebaut worden ist. Alle vier Kandidaten waren sich einig, dass rasch etwas getan werden muss, um dem Ärztemangel zu begegnen. Alle vier sprachen sich ohne Wenn und Aber auch für den Erhalt des Schwimmbads aus. Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle von Fragen aus dem Zuhörerkreis: „Wie wollen Sie erreichen, dass im Schopfheimer Gemeinderat alle an einem Strang ziehen?“, wollte Manfred Walter wissen. Als Fachmann für Teamentwicklung sei das genau sein Thema, meinte Roland Matzker.

Ein Stück weit bemängele er das Fraktionsdenken und manche Themen könnten etwas lockerer und dennoch zielstrebig angegangen werden. In Breitnau habe man das gemeinsam hingekriegt, erklärte Josef Haberstroh. Es gehe nicht um Parteien, sondern um sachorientierte Politik, so Dirk Harscher. Alle an einen Tisch zu holen, sei sinnvoll. „Es ziehen alle an einem Strang, nur an unterschiedlichen Enden“, konnte Thomas Gsell als erfahrener Stadtrat sagen. Viele hätten eine eigene Vorstellung, wie Politik aussehen müsse.

Es werde viel von Bürgerbeteiligung gesprochen. Wie die denn ganz konkret aussehe, wollte Ernes Barnet wissen. Bürgerbeteiligung müsse vor dem Beginn von Prozessen stehen, ist Roland Matzker überzeugt. Bürgerbeteiligung bedeute Bürgerinformation und müsse vor Entscheidungen stattfinden, sagte Dirk Harscher. Thomas Gsell baut auf Bürgersprechstunden. In die Sitzungen kämen immer wieder Bürger, die Probleme und Ärgernisse vorbringen. So etwas könne in einer Sprechstunde vorab geklärt werden. Bei wichtigen Themen ganz früh die Bürger einladen und sie informieren, lautet die Devise von Josef Haberstroh.

„Woran liegt es, dass kaum Jugendliche da sind und was tun Sie für die Jugend?“, wollte ein junger Mann wissen. Dirk Harscher freute sich auf zwei Veranstaltungen mit jungen Leuten, die noch ausstanden. Denn er müsse zunächst einmal wissen, was junge Leute bewegt. Thomas Gsell sieht ein generelles Problem darin, bei 16-Jährigen das Interesse für Politik zu wecken. Ein Jugendparlament sieht Josef Haberstroh als gutes Instrumentarium, Jugendliche für Politik zu interessieren. Zudem sollten Bürgermeister und Gemeinderat präsenter an Schulen sein. Erwachsene sollten nach Auffassung von Roland Matzker in Einrichtungen wie das Jugendparlament, das Irrlicht und das Jugendzentrum gehen, um die Bedürfnisse der Jugend kennenzulernen.

„An welchen drei Dingen kann man Sie in acht Jahren messen, wenn Sie Bürgermeister geworden sind?“, fragte Klaus Strütt. Ein abgeschlossener Campus-Neubau an der Ebert-Schule, Bürgerbeteiligungsprozesse hinbekommen samt Bürgerhaushalt und ein eigener Stadtanzeiger, sagte Roland Matzker. Für Dirk Harscher sind es Schulcampus, Familienpolitik, wozu auch Ärzteversorgung, Kitas und Grundschulen gehören, und finanziell besonnenes Wirtschaften. Die laufenden Projekte erfolgreich ans Ziel führen (Campus, Uehlin-Areal, Schwimmbad, verkehrsberuhigte Innenstadt), für bezahlbaren Wohnraum sorgen und die Qualität für Senioren in der Stadt steigern, wären Thomas Gsell wichtig. Die medizinische Versorgung, mehr Seniorenpflegeplätze und die Rathaus-Kommunikation nannte Josef Haberstroh als Ziele.

Bezahlbarer Wohnraum liegt den Bürgern am Herzen. Wie würden es die Kandidaten managen? Roland Matzker fordert von Architekten, Planern und Stadtentwicklern innovative Wohn- und Baukonzepte. „Kein Wohnraum, keine Mitarbeiter in Betrieben“, sagt Dirk Harscher. Er sieht dringenden Handlungsbedarf, den sozialen Wohnungsbau zu forcieren – auch in den Ortsteilen. Künftig sollte es Pflicht sein, auf einen Teil der Flächen, die im Eigentum der Stadt sind, soziale Wohnungen zu bauen, sagte Gsell. Die Stadt müsse aktive Grundstückspolitik betreiben, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, meinte auch Josef Haberstroh.