Schopfheim (mj) Es war zwar jeder, der Interesse hatte, zur Geburtstagsfeier eingeladen, doch Ströme von Gästen blieben bei dem strömenden Regen am Samstagvormittag am Stand der Bürgerinitiative (BI) „Attraktive, verkehrsfreie Innenstadt“ auf dem Marktplatz aus. „Wir mussten gegen so vieles Widerstand leisten, da kriegen wir das mit dem Wetter auch noch hin“, schmunzelte Grünen-Stadtrat Jürgen Fremd.

Damit die Feier zum zehnten BI-Geburtstag gelingt, stand zudem Wernfried Hübschmann als Moderator hilfreich zur Seite. Spätestens bei den Klängen von Singer/Songwriter Ben Meech wurden viele Passanten auf dem Marktplatz hellhörig. Als die Reden zur Eröffnung der Feier begannen, säumten doch etliche Passanten – den Regenschirm fest umklammert – den Stand der BI.

Uwe Gerber zählte zu den Gründungsmitgliedern der BI im Jahr 2009. Seitens der Verwaltung sei seinerzeit das Versprechen gegeben worden, sich gezielt um die Verkehrsberuhigung der Innenstadt nach Fertigstellung der Nord- und Südumfahrung zu kümmern, erklärte Gerber. Doch es ging nur schleppend voran.

Kernstücke seien für die BI von Anfang an der autofreie Marktplatz als Mittelpunkt der Stadt, die Belebung der Altstadt und die Einrichtung von Parkdecks in erreichbarer Innenstadtnähe gewesen. Zu den Ideen der BI zählten, die Hebelstraße zum Einbahnverkehr umzugestalten und die Scheffelstraße zur Fußgängerzone zu erklären, die jetzt fertig ist und bestens angenommen werde. Uwe Gerber lobte die konstruktive und offene Kooperation mit Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher. „Wir hoffen, dass sich auch der Gemeinderat für die Umgestaltung der Schopfheimer Innenstadt offen zeigt“, sagte Gerber am Samstag.

„Impulse sind wichtig, denn es geht nur gemeinsam“, erwiderte Bürgermeister Harscher. Die Ideen der BI seien schlüssig, doch gehe es ihm nicht nur um die Innenstadt, sondern um die ganzheitliche Betrachtung der Stadtentwicklung. Um die werde es in der Klausurtagung im Frühjahr 2020 gehen, wobei die Verkehrsberuhigung ganz oben auf der Tagesordnung stehe. Binnen der nächsten zehn Jahre solle sich einiges tun. Gemeinsam müsse man schauen, was machbar sei. Das Rathaus spiele dabei eine nicht unerhebliche Rolle, denn es herrsche Platzmangel, es sei zum Teil veraltet, zumindest nicht barrierefrei. Der Gemeinderat habe sich in Nagold ein Beispiel zeigen lassen, wie eine verkehrsberuhigte Innenstadt aussehen könne. Zumindest solle erreicht werden, dass Autos abgeschreckt werden, durch die Innenstadt zu fahren. Der Gewerbeverein sei motiviert, in vielen Bereichen mitzuziehen, so Harscher. Aktuell gelte es aber darum, die laufenden Großprojekte zu bewältigen.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey unterstützt das Anliegen der BI. Für Frey ist das aktive Einbringen von Bürgerinnen und Bürgern für die Belange der Stadt „gelebte Demokratie“. Wenn Bürger eigene Anliegen und Wünsche formulierten, sei das bereichernd und wertvoll für die Kommune, denn damit identifizierten sich die Menschen mit ihr. Vereinzelt kam es zu kleineren Diskussionen am überdachte BI-Stand. So regte eine Passantin an, Unterschriften für die verkehrsfreie Innenstadt wie auch speziell den Marktplatz zu sammeln, um zu zeigen, dass viele Menschen hinter der Idee stehen. Die Parkplatzfrage wurde immer wieder angesprochen. „Es müssen immer alle Seiten gehört werden“, sagte ein Besucher.