Wegen sexueller Nötigung und sexueller Belästigung in Schopfheim musste sich ein 45-jähriger Mann verantworten. Das Schöffengericht Bad Säckingen unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektorin Margarete Basler verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der Angeklagte war durch seinen Pflichtverteidiger Thomas Stump gut beraten: Er legte gleich zu Beginn der Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab, wodurch den beiden Opfern eine Aussage vor Gericht erspart blieb, was sich wiederum erheblich strafmildernd für den Angeklagten auswirkte.

Vom Gericht nachteilig ausgelegt wurde ihm jedoch der Umstand, dass die beiden Geschädigten in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu ihm standen, das er ausgenutzt und missbraucht habe. Beide Frauen waren zum Zeitpunkt der Taten 17 Jahre alt und jobbten als Aushilfskräfte im Betrieb des Angeklagten und dessen Ehefrau. Der sexuellen Belästigung machte er sich im November letzten Jahres schuldig, als er sich der Aushilfskraft in sexueller Absicht näherte, indem er ihr erst Komplimente machte und dann in den Ausschnitt fasste. Die junge Frau entzog sich und verließ umgehend die Geschäftsräume. Massiver ging er im Fall einer weiteren Angestellten vor, der sich einige Monate zuvor abspielte. Auch hier war der Angeklagte nach Geschäftsschluss allein mit der jungen Frau. Sie habe am Tisch gestanden und die Tageseinnahmen gezählt, als er sich von hinten näherte, ihre Schultern massierte und ihr dann über dem BH an die Brust griff. Da er sie dabei mit der Gewalt seines Körpers gegen die Tischkante drückte, war der Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt. Da nach Einschätzung des Gerichts die Gewaltanwendung und der Übergriff nicht sehr massiv waren, wurde von einem minderschweren Fall ausgegangen.

Christof Spingler, der Nebenklageanwalt des Opfers, war jedoch davon überzeugt, dass es vor allem dem mutigen Verhalten der jungen Frau zu verdanken sei, dass es nicht zu weiteren Übergriffen gekommen sei. Auch dem Geständnis des Angeklagten sprach Spingler keine hohe Anerkennung zu, weil es viel zu spät gekommen sei, wodurch die Geschädigten unnötig lange belastet gewesen seien.

Aus dem Protokoll über das Gespräch mit der Gerichtshilfe war zu entnehmen, dass die Opfer durch die Vorfälle immer noch psychisch stark belastet seien und eine Therapie in Erwägung zögen. Im Fall der sexuellen Nötigung war der Vertrauensbruch besonders schwerwiegend, weil der 45-Jährige das Mädchen schon von Kindesbeinen an gut kannte. Ihr muss der Angeklagte 1200 Euro Schmerzensgeld bezahlen.

Laut Gerichtshilfebericht müssen sich beide Frauen schon seit Längerem in der Nähe ihres Chefs nicht mehr wohlgefühlt haben. Wiederholt seien sie mit Po-Tätscheln und sexuellen Anspielungen konfrontiert gewesen. Eine habe sich deswegen schon an seine Ehefrau gewandt und gesagt, dass sie kündigen wolle. Aber die habe sie überredet zu bleiben mit dem Versprechen, Abhilfe zu schaffen, was dann allerdings nicht eingehalten worden sei. Nach den Übergriffen haben beide Frauen sofort gekündigt.

Der Angeklagte gab sich reuevoll und entschuldigte sich für sein Verhalten. Richterin Basler gab ihm den guten Rat, seine Finger wegzulassen, wo sie nicht erwünscht seien; die Bewährungsstrafe sei ein Schuss vor den Bug.