Die Schließung des Bergvital-Hotels in Todtnauberg gibt Rätsel auf: Laut Amtsgericht Waldshut-Tiengen hat bis Dienstag niemand einen Antrag auf Insolvenz für das 27-Betten-Hotel gestellt, das früher als Hotel Mangler bekannt geworden ist. Wie berichtet haben die Hotelbetreiber seit einigen Tagen das Haus geschlossen, laut einem Aushang am Eingang „wegen Insolvenz“. Rechtlich gesehen stimmt diese Aussage also nicht. Geschäftsführer Maxim Olofinskiy ist nicht erreichbar.

Aufschlussreich sind die Bewertungen auf Internetportalen wie Holidaycheck und Tripadvisor: Dort ist im Zeitraum von Juni 2019 bis Februar 2020 festzustellen, dass die Bewerter – wahrscheinlich alles Hotelgäste – vermehrt Kritik äußerten an Service, Ausstattung und Personal. Im November 2019 äußerte ein Nutzer auf Tripadvisor, dass er mitbekommen habe, dass die Angestellten keine Gehälter mehr ausgezahlt bekommen haben. Ein weiterer wurde fürs Essen in ein anderes Hotel geschickt, weil der Koch nicht da sei. Ortsvorsteherin Franziska Brünner bestätigt auf Anfrage, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten schon vor der Schließung bekannt gewesen seien. Sie hofft, dass der Betrieb des Hotels bald wieder aufgenommen wird.

Hotelier Alfred Boch vom „Engel“ sagt, dass ein geschlossenes Vier-Sterne-Hotel ein schlechtes Bild in Todtnauberg abgebe. „Wenn es zu ist, ist das schlecht für den Ort.“ Boch hatte sich vergangenes Jahr für den Bau des Ferienresorts am Radschert stark gemacht, auch um den „Tourismus nach vorne zu bringen“, wie er sagt. Die Pläne wurden beim Bürgerentscheid am 26. Mai 2019 gestoppt. Die Befürworter des Millionenprojekts hatten sich eine Belebung und Modernisierung des Fremdenverkehrs in Todtnau erhofft – das Aus für das Bergvital könnte ein Beleg dafür sein, dass dies notwendig ist.

Der Geschäftsführer der Bergvital Hotel GmbH, Maxim Olofinskiy, ist derweil nicht erreichbar. Die Internetseite des Hotels erweckt den Eindruck, dass der Betrieb des ersten Wellness-Hotels in Todtnauberg unvermindert weitergeht. Doch Anrufe unter der angegeben Telefonnummer werden seit Tagen nicht angenommen, der Mann mit einer Adresse in Moskau ist in Todtnauberg ein Unbekannter. Maxim Olofinskiy hat laut Handelsregister noch eine Firma in Bad Krozingen. „Führen eines Reisebürogewerbes, insbesondere die Reisevermittlung und Reiseveranstaltung“ ist unter anderem als Firmenzweck im Handelsregister eingetragen. Im Handelsregister eingetragen ist die Anschrift in Bad Krozingen seit 28. Juni 2019. Ein Briefkasten aus Stahl hängt am Haus. „Olofinskiy“ ist darauf zu lesen. Bei einem Kontaktversuch dieser Zeitung scheint das Haus verlassen zu sein. Auf das Klingeln keine Reaktion.

In Todtnauberg hofft man, dass das Bergvital nun bald verkauft wird und nach einer Modernisierung wieder an den Start geht. Das setzt voraus, dass die mutmaßlich russischen Eigentümer die Immobilie zum Verkauf anbieten. Davon ist bislang aber nichts bekannt.

Ein Beobachter meint, dass sich die branchenfremden Betreiber das Hotelgeschäft womöglich zu leicht vorgestellt haben. Sie hatten das Mangler vor drei Jahren vom damaligen Insolvenzverwalter übernommen. Bei einem Neustart könne es hilfreich sein, die Bettenzahl zu erhöhen, um das Haus wirtschaftlich zu betreiben.