Schopfheim – Es war dicke Luft am Mittwochabend im Kleinen Saal der Stadthalle. Und dafür waren nicht die Kandidaten verantwortlich, die sich der Wahl zum Behindertenbeirat stellten, der in den nächsten drei Jahren – stellvertretend für Menschen mit Behinderung, die in Schopfheim leben – eine beratende Funktion gegenüber der Verwaltung ausüben wird. Es waren Wähler, die gekommen waren, um dem neuen Vorstand den Rücken zu stärken und zum Ausdruck brachten, dass sie mit den bisherigen Ergebnissen des Behindertenbeirats nicht zufrieden sind.

So gut wie nichts sei erreicht worden, motzten einige der über 50 Wahlberechtigten, die wie einige der Kandidaten Verständnis dafür zeigten, dass keines der aktuellen Vorstandsmitglieder um die Herren Friedrich Albes, Erhard Schöpflin und Walter Weniger bereit war, erneut zur Wahl anzutreten. Zu tief, so Joachim Sprakties, sitze der Frust.

Sprakties ist einer der neu gewählten Ratsmitglieder. Angriffslustig versicherte er, „den Mund aufzumachen, auch wenn es dem einen oder anderen seiner Ansprechpartner im Gemeinderat oder in der Verwaltung nicht passen sollte“. Er werde unermüdlich versuchen, sich Gehör zu verschaffen und denke nicht daran, das Argument, es sei kein Geld da, gelten zu lassen. Schließlich gebe die Stadt Schopfheim in anderen Bereichen in Hülle und Fülle aus.

Und das machte er dann auch gleich deutlich an den Beispielen der Fußballvereine in Fahrnau („240 000 Euro für ein Vereinsheim, das dem FV gehört“) und 600 000 Euro für den SVS, dessen Clubhaus zumindest im Besitz der Stadt sei und bleibe. Sprakties wies auf die Skateranlage in Gündenhausen hin und bedauerte, dass im gleichen Atemzug Ausgaben in Höhe von 70 000 Euro abgelehnt wurden für Duschen in der Langenauer Sporthalle, in der 150 Kinder duschen wollen und nicht können, weil für sie im Haushalt der Stadt bisher kein Geld zur Verfügung gestellt worden sei.

Auch um das Thema Barrierefreiheit in Schopfheim macht sich der Behindertenbeirat verdient. Nun wurden neue Mitglieder gewählt. <em>Bild: André Hönig</em>
Auch um das Thema Barrierefreiheit in Schopfheim macht sich der Behindertenbeirat verdient. Nun wurden neue Mitglieder gewählt. | Bild: Hönig André

Schade fand Joachim Sprakties, dass der Behindertenbeirat auch künftig lediglich „beratende Funktionen“ ausübe. Aber wie alle anderen des neu gewählten Gremiums, also wie Bernd Bauknecht, Oliver Kröning, Kornelia Materer und Hans-Jörg Tichelmann, der zwar nicht behindert ist, aber als SKM-Geschäftsführer (Katholischer Verein für soziale Dienste im Landkreis Lörrach) viele Behinderte durchs Leben begleitet, werde er „auf den Tisch klopfen, und zwar so, dass man das hört“.

Er bedaure, dass nicht wenigstens einer in jeder Gemeindefraktion zur Gruppe Behinderter zähle. Denn das würde doch die eine oder andere Entscheidung am Ratstisch erleichtern. Er versicherte seinen Wählern, die ihn am Ende wohl auch deshalb mit den meisten Stimmen (41) bedachten: „Ich mach’s Maul auf.“

Das hat sich auch Hans-Jörg Tichelmann vorgenommen, der glaubt, dass „steter Tropfen den Stein höhlt“, oder Bernd Bauknecht, der sich zur Wahl stellte, weil „bisher nicht viel ging und weil er Zeit habe, das zu ändern“. Oliver Kröning will seinen vier Kindern „soziales Engagement vorleben“ und „zu vielen offenen Fragen mahnend den Zeigefinger heben“ und Kornelia Materer hat vor, dies alles zu unterstützen, indem sie ebenfalls sicht- und hörbar „auf den Tisch klopft“. Elena Gehweiler, die als Vertreterin der Stadt den Wahlabend in der Schopfheimer Stadthalle organisiert hatte, kommentierte das, was da im Kleinen Saal zu hören war, überraschend deutlich: „Vielleicht ist es ganz gut, mal etwas lauter zu werden.“ Denn es gibt, wie das Joachim Sprakties und Hans-Jörg Tichelmann verdeutlichten, jede Menge Aufgaben zu bewältigen. „Ein langer Weg liegt vor uns. Und wir wissen nicht, ob wir den zusammen mit dem neuen Bürgermeister gehen dürfen“, sagte Tichelmann und ein Zuhörer ergänzte: „Ich gehe davon aus, dass das mit Dirk Harscher schon aus familiären Gründen wesentlich besser klappt.“

Wahlen: Die 50 Wahlberechtigten (vor drei Jahren waren es gerade mal 14) Joachim Sprakties 41, Hans-Jörg Tichelmann 35, Oliver Kröning 34, Bernd Bauknecht erhielten ebenfalls 34 und Kornelia Materer erhielt 27 Stimmen. Alle fünf Kandidaten sind damit im neuen Behindertenbeirat vertreten. Der wird in den nächsten Tagen einen Vorsitzenden bestimmen und im Januar 2019 seine Arbeit aufnehmen.