Seit 125 Jahren lädt der Aussichtsturm auf der Hohen Möhr bei Raitbach Wanderer zur Rast ein, bietet auf gut 1000 Meter Höhe eine atemberaubende Aussicht. Zum Jubiläum blicken wir auf die Geschichte und verschiedene Aspekte des Wahrzeichens. Heute: die Möhrenwache des Schwarzwaldvereins.

Wanderer, die den Aufstieg zur Hohen Möhr gemeistert haben, werden jeden Sonntag von der Möhrenwache am Aussichtsturm begrüßt. Seit den 50er Jahren organisiert der Schwarzwaldverein die Turmwache. Die freiwilligen Helfer empfangen nicht nur die Wandergäste, sie bieten auch Wander- und Postkarten an und geben Insidertipps für eine gelungene Tour. Dafür ist im Turmsockel eine kleine Wachstube eingerichtet, die auch als Lagerraum genutzt wird. Vom benachbarten SWR-Sendemast darf der Verein Strom für die Heizung und Beleuchtung beziehen.

Für den Schwarzwaldverein ist die Möhrenwache nicht zuletzt aus finanzieller Sicht wichtig, denn die Wanderfreunde bestreiten den Unterhalt ihres Turmes auch aus Eintrittsgeldern. Einen Euro kostet der Aufstieg zur Aussichtsplattform für Erwachsene, 50 Cent für Kinder. Allein in den letzten 20 Jahren hat der Verein über 200 000 Euro in den Turm investiert. Etwa die Hälfte der Summe wurde vom Naturpark Südschwarzwald erstattet. Trotzdem muss der Verein bei jeder der vielen Sanierungsarbeiten die vollen Kosten erst mal vorstrecken. Zwar kann der Eintrittspreis auch unter der Woche in das kleine eingemauerte Kässchen im Eingangsbereich gelegt werden – was laut Schwarzwaldverein auch meistens sehr gut klappt – aber die Möhrenwache hebt natürlich noch einmal die Zahlungsmoral der Gäste.

Zwischen den Weltkriegen hat es sogar einmal einen hauptberuflichen Wächter gegeben, der jeden Tag von Zell aus auf die Hohe Möhr ging, um die Eintrittsgelder einzusammeln. Das ist heutzutage natürlich nicht mehr wirtschaftlich. Die rund 40 Personen, die die Möhrenwache in Zweierteams verrichten, sind alles Ehrenamtliche unter der Leitung von Turmwart Ewald Sutter. Die Meisten gehören den Ortsgruppen Schopfheim, Zell und Hausen an. Aber der Verein freut sich auch immer über Nicht-Mitglieder, die gerne Wache an der Möhr halten möchten.

Seit 1964 hat der Verein das Gelände um den Turm von der Gemeinde Raitbach für 99 Jahre gepachtet. Hier jede Woche einmal nach dem Rechten zu sehen, ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe für die Möhrenwächter. In den letzten Jahren hat es zwar erfreulicherweise keine Fälle von Vandalismus gegeben. Trotzdem muss die Betriebssicherheit des Möhrenturms mit seinen 141 Stufen regelmäßig überprüft und der Holzverbrauch an der Feuerstelle – das Holz stellt der Verein gratis zur Verfügung – im Auge behalten werden. Für die Möhrenwächter selbst ist der Dienst vor allem ein schönes Erlebnis in der Natur.

„Die Wache ist immer toller Nachmittag in einer tollen Umgebung. Man trifft hier oben viele Gleichgesinnte“, sagt Willi Schrank vom Schwarzwaldverein. Keine Wache würde vergehen, ohne dass sich nicht viele interessante Gespräche über das Wandern ergeben würden, so Schrank. Die Hohe Möhr liegt auf der östlichen Variante des Westwanderweges. Der Wanderpfad beginnt in Pforzheim und endet in Basel. Die charakteristischen roten Rauten am Wegesrand markieren die insgesamt 288 Kilometer lange Wegstrecke. Auf der Etappe zwischen dem Weissenbachsattel bei Herrenschwand und Hasel ist der Turm die einzige Anlaufstelle für Wanderer.

Gerade viele ausländische Wandergäste freuen sich, wenn sie hier auf fachkundige Einheimische treffen, die ihnen Wandertipps und Geschichten rund um die Region bieten können. Für den Schwarzwaldverein gibt es also genug Gründe, auch in Zukunft auf der Hohen Möhr Wache zu halten.