Der Rotmilan fährt in Sachen Windkraft in zweierlei Hinsicht die Krallen aus: Zum einen wenden sich die Gersbacher Windkraftgegner mit einer Petition an den Landtag. Zum anderen knöpfen sich die Naturschutzverbände BUND und Nabu das Thema Artenschutz vor.

Beigefügt haben die Windkraftgegner ihrer Petition allerdings den Beschluss des Verwaltungsgerichts Freiburg vom 13. März (vorläufiger Baustopp für ein Windrad des Windparks Glaserkopf), weil dies ebenfalls zeige, dass die Entscheidungen des Landratsamts Lörrach „nicht über Zweifel erhaben sind“. Rückenwind könnten die Gersbacher Windkraftgegner aber auch von Nabu (Naturschutzbund Deutschland) und BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) bekommen. Zusammen knöpfen sich die beiden Naturschutzverbände derzeit auf Landesebene die artenschutzrechtlichen Gutachten vor, auf deren Basis im November und Dezember 2016 weit über 100 Windenergieanlagen in Baden-Württemberg genehmigt wurden – in diesen Zeitraum fällt auch die Genehmigung für den Windpark Glaserkopf. „Wir haben in der Vergangenheit wiederholt unzureichende Gutachten ausgemacht und kritisiert. Jetzt wollen wir feststellen, ob das nur bedauerliche Ausreißer sind oder ob es da einen grundlegenden Fehler im System gibt“, erklärten die beiden Vorsitzenden Johannes Enssle (Nabu) und Brigitte Dahlbender (BUND) zum Aktionsstart.

BUND und NABU haben bei 15 Landratsämtern Einsicht in die Artenschutzgutachten beantragt, darunter auch beim Landratsamt Lörrach. Zwar geht es Nabu und BUND nicht ausschließlich um den Rotmilan. Wie groß dessen Bedeutung aber für den Artenschutz beim Thema Windkraft ist, zeigt unter anderem ein aktueller Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart. Das Gericht verhängte erst vor wenigen Tagen einen Betriebsstopp für ein bereits laufendes Windrad im Windpark Braunsbach (Kreis Schwäbisch-Hall), weil sich unweit davon ein Rotmilan-Brutwald befindet. Geklagt hatten Nabu und der Landesnaturschutzverband (LNV).


Hintergrund

  • Warum ist der Rotmilan besonders schützenswert? Laut LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) trägt Baden Württemberg eine besonders hohe Verantwortung für den Rotmilan, da 17 Prozent des deutschen beziehungsweise zehn Prozent des Weltbestandes im Land brüten.
  • Was ist ein Dichtezentrum? Laut LUBW muss gerade in Gebieten mit hoher Siedlungsdichte (Dichtezentren) der Schutz der Art gewährleistet sein, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass hier so viele Tiere durch Rotoren getötet werden, dass sich das auf den Gesamtbestand auswirkt. In diesen Dichtezentren sind Ausnahmen von dem im Bundesnaturschutzgesetz festgeschriebenen Tötungsverbot besonders geschützter Arten nicht zulässig. Daher dürfen hier keine Windkraftanlagen innerhalb eines Radius von 1000 Metern um die Fortpflanzungsstätte sowie in den regelmäßig frequentierten Jagdgebieten und Flugkorridoren gebaut werden.
  • Wie ist die Definition? Ein Dichtezentrum liegt vor, wenn im Radius von 3,3 Kilometern um eine geplante Windkraftanlage mindestens vier Revierpaare des Rotmilan vorkommen.