Im Auftrag der Stadt, gemeinsam mit der Villa Schöpflin und dem Schopfheimer Polizeirevier, haben sich am 5. Juni zwei unter 18-jährige Mädchen für Testkäufe hochprozentiger alkoholischer Getränke auf den Weg gemacht. Es wurden neun Verkaufsstellen in der Innenstadt aufgesucht, „leider mit einem erschreckenden Resultat“, sagte Cornelia Claßen vom Schopfheimer Ordnungsamt in einem Pressegespräch. Es seien neun Verstöße geahndet worden, wobei es in manchen Geschäften zwei Einkäufe gegeben hat.

Da dieselben Verkaufsstellen – von einer Ausnahme abgesehen – wie in den Vorjahren aufgesucht wurden, müsse leider festgestellt werden, dass die Testkäufe nichts gefruchtet haben, bilanzierte Cornelia Claßen. Schlimmer: In fünf Fällen habe die Verkaufsperson nicht fahrlässig, sondern sogar vorsätzlich gehandelt, da der hochprozentige Alkohol trotz Vorlage des Personalausweises verkauft worden sei, sagte Christoph Dümmig, Leiter des Schopfheimer Polizeireviers. „Im Jahr 2018 sollte es leicht sein, anhand des Ausweises zu erkennen, ob jemand 18 Jahre alt ist oder nicht“, so Dümmig.

Ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz sei in vielerlei Hinsicht kein Kavaliersdelikt, machte Dümmig klar. Der Verkäufer trage ein hohes Maß an Verantwortung. Der Jugendliche selbst habe vermutlich keine Einschätzung, was er sich mit exzessivem regelmäßigem Alkoholgenuss antue. Das habe Auswirkungen auf die Schulbildung oder den Ausbildungsplatz. „Ein Leben kann damit verpfuscht werden.“ Für Christoph Dümmig bedeutet die Tatsache, dass in denselben Geschäften erneut Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz aufgefallen seien, dass beim Personal trotz der Testkäufe kein Bewusstsein für das Problem entstanden sei.

Einmalige Verstöße werden mit einem Bußgeld von 150 Euro geahndet, vorsätzliche Verstöße kosteten bereits 300 Euro, erklärte Dümmig. Unter Jugendlichen spreche sich schnell herum, bei wem und in welchen Läden man ohne größere Schwierigkeiten an Hochprozentiges komme. Die Polizei versuche, bei jeder Großveranstaltung dem Jugendschutz Rechnung zu tragen und einen entsprechenden Kontrolldruck aufzubauen. Außerdem werde versucht, dem Weg des Alkohols zu folgen, wenn er minderjährigen Jugendlichen abgenommen werde. Erfahrungsgemäß geben die Jugendlichen freimütig Auskunft, wo sie ihre harten Sachen herhaben.

Das Ergebnis der jüngsten Testkäufe sei ein eindeutiges Signal weiterzumachen, erklärte der Schopfheimer Polizeirevierleiter. Und was das Personal betrifft, das erneut aufgefallen sei: Wer sich den Ausweis zeigen lässt und dennoch nicht reagiert, müsste dringend zu einer Schulung. Es zeige sich immer wieder, dass Alkohol in der Gesellschaft unreflektiert akzeptiert werde. Schulungen bietet die Villa Schöpflin in Lörrach professionell und kostenlos an. Auch wenn der Verkäufer oder die Verkäuferin das Bußgeld aus eigener Tasche zahlen muss, würde sich Gesundheitspädagogin Franziska Zehner von der Villa Schöpflin wünschen, dass der Filialleiter eines betroffenen Geschäftes hinter dem Jugendschutz steht und sein Team zur Schulung anmeldet. „Wir gehen auch in die Geschäfte“, erklärte Zehner.

Neben den von Christoph Dümmig bereits genannten Gefahren ergänzte Franziska Zehner, dass es nach übermäßigem Alkoholkonsum gerade im Sommer zum Ertrinken in Gewässern, Stürzen oder dem Erstickungstod kommen könne. Die beiden Testkäuferinnen seien 16 und 17 Jahre alt gewesen. Sie werden geschult, müssen auf Verlangen ihr Alter angeben und den Personalausweis vorlegen. Mitarbeiter der Villa Schöpflin, dem Zentrum für Suchtprävention, gehen auch ins Krankenhaus und befassen sich mit Jugendlichen, die dort volltrunken oder mit einer Alkoholvergiftung landeten. Auch sie werden in die Villa Schöpflin eingeladen und über die Auswirkungen von Alkohol informiert. Befragungen zeigten, dass ein Viertel der Jugendlichen den Alkohol selbst eingekauft haben.

„Den beiden Mädels konnte man ansehen, dass sie zu jung für Wodka, Whisky und Co. sind“, sagte Cornelia Claßen. Auch die Stadt sei am konsequenten Jugendschutz interessiert. Vor großen Ereignissen überlasse sie den Veranstaltern Infomaterial zum Thema Alkohol von der Villa Schöpflin.

Info: Wer an einer Schulung teilnehmen möchte oder Infomaterial zum Thema Jugendschutz/Alkohol braucht, kann sich an Franziska Zehner wenden unter der Telefonnummer 07621/914 90 96 oder per E-Mail (franziska.zehner@villa-schoepflin.de).