Eingefädelt werden soll in der nächsten Gemeinderatssitzung eine Bebauung der Alten Weberei in Fahrnau im Bereich Hammerschmiedgasse/Hauptstraße. Für das Areal wurden seit zehn Jahren immer wieder Entwürfe erarbeitet, das Grundstück wechselte mehrfach den Besitzer. Doch jetzt scheint der Weg frei zu sein für ein Konzept, das 125 Wohnungen in verdichtetem Geschosswohnungsbau sowie gewerbliche Nutzung vorsieht.

Die brachliegende Fläche – ein Bild aus 2020. Bild: Erich Meyer
Die brachliegende Fläche – ein Bild aus 2020. Bild: Erich Meyer | Bild: Erich Meyer

Schwerstarbeit wurde hier auf dem Areal über Jahrhunderte geleistet. Die Ursprünge reichen zurück bis zu einer Mühle in den 1680er Jahren, die später zur Hammerschiede wurde. 1852 gründete Rudolf Singeisen links der Wiese eine mechanische Weberei. Um 1902 herum waren mehr als 220 Personen hier beschäftigt, im Zuge einer Erweiterung 1902/03 wurde eigens die damalige Webergasse (heute Hans-Vetter-Straße und Hammerschiedgasse) verlegt. Mittlerweile ist die Alte Weberei Geschichte – vor mehr als zwei Jahren wurden die damals schon länger leer stehenden Hallen abgerissen

Als Schwerstarbeit erwies es sich allerdings auch, das Areal neu zu bebauen. Als problematisch stellte sich dabei die Nähe zum Gewerbegebiet „Grienmatt“ wegen des Themas Lärmschutz heraus. 2016 stimmten die Baubehörden einer Wohnbebauung zwar zu, aber nur unter der Voraussetzung, dass gutachterlich nachgewiesen wird, dass die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden und zugleich die Gewerbenutzung nicht beeinträchtigt wird. Auf dieser Grundlage wurden zwar für mehrere Projektideen Lärmgutachten erstellt, die diese Machbarkeit bestätigten – doch keines dieser Bauvorhaben wurde umgesetzt. 2018 dann hat die Firma Altera aus Rheinfelden die Grundstücke erworben und sich zudem die Option auf eine angrenzende Fläche gesichert. Sie plant verdichteten Geschosswohnungsbau. Das Plangebiet hat eine Größe von rund 0,95 Hektar – einschließlich des Rad- und Fußweges sowie des Gewerbekanals in diesem Bereich – beides in städtischem Besitz – und einem Teilbereich der Hauptstraße.

Wie nun der Vorlage für die nächste Gemeinderatssitzung am 10. Mai zu entnehmen ist, wurden in der Klausurtagung im vergangenen Oktober mehrere Entwürfe erörtert. Der Gemeinderat stimmte einer Variante mit einer niedrigeren Bebauung als Grundlage für weitere Planungen zu. Zudem wurde darum gebeten, den Entwurf gestalterisch zu konkretisieren und die „Kubaturen zu verfeinern, um die Baumassen zu gliedern“.

Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, hat der Bauträger jetzt eine neue Planung vorgelegt, die dies berücksichtige. Vorgesehen ist eine Blockrandbebauung, die zum Gewerbegebiet hin entlang des Kanals vier Vollgeschosse und ein Attikageschoss aufweist. Damit könne Lärmschutz gewährleistet werden, ohne dass Entwicklungsmöglichkeiten der bestehenden Gewerbebetriebe eingeschränkt würden. An der Hauptstraße seien gestaffelte Gebäude mit drei und vier Vollgeschossen und teilweiser Attika geplant. Ein Gebäude an der Hans-Vetter-Straße ist mit drei Vollgeschossen und einem Attikageschoss vorgesehen. Insgesamt könnten rund 125 Wohnungen entstehen, davon 30 Wohnungen, die die Anforderungen des geförderten Wohnbaus erfüllen. Entlang der Hauptstraße seien zudem im Erdgeschoss auch gewerbliche Nutzungen (Büros, Praxen, Cafe, Bäckerei) denkbar.

Thema Parkplätze: Geplant ist eine Tiefgarage. Weitere oberirdische Stellplätze sind an der Hauptstraße sowie an der Hans-Vetter-Straße vorgesehen. Der Anlieferverkehr sowie die Müllentsorgung soll im Einbahnverkehr entlang des Gewerbekanals erfolgen. Die Straße dort soll als Wohnweg ausgebaut werden. Angestrebt werde „eine hohe Aufenthaltsqualität“. Vorgesehen sei deshalb, den Wohnweg für den Pkw-Verkehr zu sperren. Der Weg soll nur Ver-, Entsorgungs- und Rettungsfahrzeugen sowie Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stehen. Auch soll der Gewerbekanal in diesem Abschnitt renaturiert werden. Der Kanal und der Uferschutzstreifen könnten dabei als Naherholungsfläche angelegt werden.

Bereits im Februar hatte der Bauanträger beantragt, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wird. Dabei werden der Bebauungsplan und der Bauantrag parallel entwickelt. Die Stadtverwaltung empfiehlt dem Gemeinderat, dem Vorgehen zuzustimmen. Das Vorhaben trage dazu bei, „dem erhöhten Siedlungsdruck und der hohen Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt Schopfheim entgegen zu wirken“.

Einerseits soll ein Bebauungsplan aufgestellt, andererseits der rechtskräftige Bebauungsplan „Auf der Bremt“ abgeändert werden. Zudem bräuchte es eine „Berichtigung“ des Flächennutzungsplans. Das Verfahren könne im beschleunigten Verfahren gemäß Paragraf 13a des Baugesetzbuches erfolgen. Zwar ist bei so einem Vorgehen kein Umweltbericht erforderlich, dennoch würden Umweltbelange abgewogen und der Artenschutz geprüft. Mit beiden Untersuchungen sei bereits ein Büro beauftragt.