Der für seine auf dem Kopf gemalten Bilder bekannte deutsche Maler Georg Baselitz hat das Gemälde „Sixtinische Madonna„ einmal als „mein meist gehasstes Bild“ bezeichnet. Es sei ihm trotz des komplexen Aufbaus zu süßlich, so Baselitz, dem das Bild „einfach nichts sagt“. Ganz anders Jürgen Peduzzi: Der Rickenbacher Steinmetzmeister (67) – er darf sich auch Steinbildhauermeister nennen – ist von dem Gemälde fasziniert. So sehr, dass er die beiden Hauptprotagonisten in Stein verewigt hat. „Mich hat das Gemälde immer fasziniert, weil die Madonna auf den Wolken kommt und das Jesuskind mitbringt, wissend, welches Schicksal sie beide erwartet“, erklärt Peduzzi seine Motivation. Der sich weitgehend an die Vorlage gehalten hat.

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Der Auftritt der Madonna entspricht demjenigen auf dem Gemälde, ebenso die Lage des Christkindes in den Armen seiner Mutter. Den Unterschied macht die Größe: Das von Raffael gemalte Bild „Sixtinische Madonna„ ist 2,5 Meter hoch, wobei die Madonna selbst keine zwei Meter in der Höhe misst. Jürgen Peduzzis dreidimensionale Nachbildung ist hingegen ab Boden über drei Meter hoch. Entstanden ist sie auf dem Betriebsgelände der Peduzzi Steinmetz GmbH im Gewerbegebiet Schaffeld direkt an der Hauptstraße – von wo aus Passanten Fotos von der Entstehung des Werkes gemacht hatten. Was Jürgen Peduzzi recht ist, denn dadurch ist der Beweis erbracht, dass er seine „Sixtinische Madonna„ eigenhändig aus einem 16 Tonnen schweren Sandsteinblock geschlagen hat. Nur für die Vorarbeiten habe er Maschinen eingesetzt. „Der Rest war Feinarbeit von Hand mit Hammer und Meissel.“ Ein Viertel Jahr lang war er damit beschäftigt. „Jetzt wird die Figur noch vier Tonnen haben“, schätzt er.

Peduzzi ist eigentlich im Ruhestand, wobei es sich mehr um einen Unruhestand handelt. „Ich habe noch so viel vor“, sagt er, „und jetzt habe ich die Zeit, die ich vorher nicht hatte“. Zu seinen Vorhaben gehörte schon lange die Nachbildung des in Dresden ausgestellten Gemäldes. Peduzzi hat dabei auf die beiden Heiligen an der Seite und die Engel zu Füßen der Madonna verzichtet. Er hat sich also voll auf die Erscheinung der schwebenden Maria mit dem Jesuskind konzentriert. Kommerzielle Absichten verfolge er keine. Und falls doch ein Interessent nachfragen sollte. Ergebnis offen, so Peduzzi. Bis dahin blickt die „Sixtinische Madonna„ über das Treiben zu ihren Füßen hinweg – in Richtung Golfplatz und Altenschwand.

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