Menschenleere Straßen und weit und breit kein Auto in Sicht: Französische Städte erinnern in diesen Tagen an Geisterstädte. Aufgrund der Ausgangssperre als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus findet das Leben vorwiegend in den eigenen vier Wänden statt. Auch in Plombières-les-Bains, der französischen Partnerstadt von Rickenbach. Über den Alltag in Plombières-les-Bains berichtet Pierre Duval, Vorsitzender des Vereins L’Epinette des Vosges.

Corona lässt viele Autos unbenutzt herumstehen.
Corona lässt viele Autos unbenutzt herumstehen. | Bild: Pierre Duval

„Die Ausgangssperre gilt seit dem 17. März. Seitdem bin ich nur zwei Mal draußen gewesen. Die Polizei über wacht die Einhaltung, und in ganz Frankreich wurden bereits über 900.000 Zuwiderhandlungen geahndet. 135 Euro beim ersten Mal, 200 Euro beim zweiten Mal und ab dem vierten Mal Gefängnis. Aber in Plombières werden die Beschränkungen wohl ganz gut eingehalten“, sagt Duval.

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Plombières gehört zwar zur übergeordneten Region Grand Est (Elsass. Champagne, Ardennen, Lothringen), einem der beiden Risikogebiete Frankreichs in Bezug auf Corona, aber die Partnerstadt hat Glück im Unglück, auch wenn es einige Todesopfer gab: „Es gab einige Fälle von Corona, aber nur wenige schwere, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Situation in unserem Altenheim ist nicht alarmierend“, berichtet Duval, ergänzt aber: „Dass Besuche nicht gestattet sind, ist psychisch für die Senioren und deren Angehörige eine große Belastung. Kinder schreiben aber Briefe und malen Bilder, das erleichtert die Situation ein bisschen. Die Mitarbeiter im Rathaus kontaktieren außerdem regelmäßig alle Bürger über 70 Jahre in Plombières, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.“

Viel mehr als vor die eigenen Haustür treten, geht nicht.
Viel mehr als vor die eigenen Haustür treten, geht nicht. | Bild: Pierre Duval

Die wirtschaftliche Situation sei sehr angespannt, so Duval weiter. Nur einige wenige Geschäft seien noch geöffnet und genaue Abstandsregeln einzuhalten. Der Bäcker liefere in Plombières und Umgebung aus, auch der Lebensmittelhändler. Zwei Restaurants hätten einen Abholservice. Das Thermalbad sei geschlossen und solle vor dem 15. Juli nicht wieder geöffnet werden. Auch das Casino, Hotels und Pensionen seien geschlossen.

Die Corona-Situation in Frankreich

Auch die Vereine haben es schwer. „Die Theatergruppe hat alle Vorstellung bis Juli abgesagt, auch geprobt wurde nicht mehr. Erst seit zwei Wochen finden via Internet wieder Proben statt“, erklärt Duval.

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Im Verein L’Epinette des Vosges steht das Vereinsleben ebenfalls fast still: „Die Kurse finden nicht mehr statt, die Aufführungen und Konzerte, die auswärtigen Festivals sind abgesagt. Wir haben via Internet aber trotzdem ein neues Musikstück, eine Mazurka eingeübt, die uns immer an Corona erinnern wird, und die wir beim Hördöpfelfäscht im September in Rickenbach gerne spielen werden“, hofft Duval. Die ursprünglich für Juni geplante Feier zum 40-Jährigen Bestehen der Städtpartnerschaft in Plombières ist seines Wissens erst einmal auf ein noch unbekanntes Datum verschoben.

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Duval weiß besonders zu schätzen, dass in seinem Verein bisher niemand gestorben ist. Aber er ergänzt: „Der Chor hat ein Mitglied durch Corona verloren, und die Mitglieder hat tief bewegt, das sie nicht an der Beerdigung teilnehmen konnten.“

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Kommunalpolitisch hat die Corona-Pandemie in Plombières ebenfalls einiges durcheinander gebracht. Bei den Kommunalwahlen im März wurde Lydie Barbaux zwar als Nachfolgerin von Bürgermeister Albert Henry gewählt, aber aufgrund von Corona noch nicht in das Amt eingeführt. Albert Henry bleibt daher bis zur Amtseinführung von Lydie Barbaux weiter Bürgermeister.

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