Mit Ideen ist es manchmal wie mit Grippeviren: Einer hat sie und ein anderer übernimmt sie. Immerhin: Sind die Ideen kreativer Art, sollte von ihnen keine der Gesundheit abträgliche Ansteckungsgefahr ausgehen. Vielmehr können sie, wohlwollend kopiert und verbreitet, der Gesellschaft gute Dienste erweisen.

So, wie das Mitfahrbänkle in Rickenbach es vormacht. Ihm ist dasjenige in Harpolingen vorausgegangen. Dort hat man schon vor längerem das Potenzial des allgemein verfügbaren Mitfahrbänkles erkannt. Denn wer auf ihm sitzt, signalisiert allfällig heranrollenden Automobilisten den Wunsch, mitgenommen zu werden.

Rickenbach hat nun auf Drängen von Gemeinderätin Margrit Eckert-Schneider nachgezogen, obwohl einige Bedenken im Spiel waren. Nun steht es also da, das Mitfahrbänkle an der Hauptstraße beim Gewerbegebiet, beziehungsweise stehen die Mitfahrbänkle da, denn auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich auch eines.

Sie machen sich gut, die gelben Sitzgelegenheiten auf den grünen Gestellen, richtig schick. Stehen sogar auf Betonfundamenten, sodass sie nicht einsinken. Solides Handwerk also, nach bester Hotzenwälder Art. Und damit niemand sich fragen muss, was es damit auf sich hat, ist sogar ein Schild mit dem Hinweis „Mitfahrbänkle Rickenbach“ inklusive einer den Daumen hochhaltenden Hand angebracht.

Aber: Sitzt da jemand drauf? Im Winter, oder im Frühling, der bislang größtenteils ein Winter war? Friert sich freiwillig den Allerwertesten ab? Lässt sich von Schneeflocken und Graupel bedecken? Falls ja: Hat er oder sie eine Maske dabei? Ist nämlich fürs Mitfahren vorgeschrieben, wegen dem Virus. Andererseits: Hält da jemand an? Ist so freundlich und bremst den Wagen, wo es doch alle immer mords-eilig haben?

Schön wäre es, und sympathisch dazu. Sogar nicht mobile Impfwillige können das Mitfahrbänkle benutzen. Denn eigentlich spielt es keine Rolle, ob sie vor dem Impfzentrum in Tiengen in der Schlange stehen oder in Rickenbach an der Hauptstraße warten. Kommt schlussendlich auf dasselbe hinaus. Nur ist in Rickenbach die Aussicht schöner.

saeckingen.redaktion@suedkurier.de