Naturschutz und die Pflege der Natur ist in Zeiten, wo das Coronavirus die Menschen dazu verpflichtet, Abstand voneinander zu nehmen und nicht in Gruppe aufzutreten, schwierig geworden, aber es ist nicht unmöglich, nur etwas anders und es erfordert eine gute Strategie und eine ausgeklügelte Koordination, um die Helfer richtig einzuteilen. Das Netzwerk Naturschutz Rickenbach, das aktiv ist unter dem Dach des Schwarzwaldvereins und um Ralf Engel, ein Idealist, leidenschaftlicher Naturgärtner und Naturschützer, überlässt auch in den schweren Zeiten der Corona-Krise mit den verordneten Kontaktsperren die Natur und schon gar nicht die zahlreich vom Verein lancierten Projekte sich selber.

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„Wir machen trotzdem weiter, in zweier Gruppen, Stück für Stück“, betont Ralf Engel. Denn die bisher realisierten Projekte sollen auf jeden Fall weiter gedeihen und Ralf Engel hat noch etliche Pläne, die er im Rahmen von öffentlichem Grün umsetzen möchte. „Gemeinsam können wir es schaffen“, ist sich Engel sicher. Für einige der Projekte haben sich bereits auch schon Pflege-Paten gefunden.

Schilder wie dieses sind in Rickenbach an vielen Stellen zu sehen. Sie zeigen die Stellen an, wo ein Lebensraum für biologische Vielfalt geschaffen wurde.
Schilder wie dieses sind in Rickenbach an vielen Stellen zu sehen. Sie zeigen die Stellen an, wo ein Lebensraum für biologische Vielfalt geschaffen wurde. | Bild: Charlotte Fröse

Statt größeren gemeinsamen Pflege- und Pflanzaktionen auf den öffentlichen Flächen rund um Rickenbach, ziehen derzeit die Naturschützer nun in ganz kleinen Gruppen und mit einem ordentlichen Abstand zueinander oder im Familienverbund los, um die Unordnung, die sich über den Winter eingestellt hat, die aber für die Natur wichtig ist, aufzuräumen. Mehr Freude macht die Pflege der Natur zwar in größeren Gruppen und auf das allseits beliebte Vesper und das gemütliche Beisammensein nach getaner Arbeit muss leider auch verzichtet werden, wie Engel betont, aber die Freude daran, wenn die Saat aufgeht, Blüten sprießen und die Mühe Früchte trägt, ist bei allen engagieren ehrenamtlichen Helfern immer sehr groß. Freuen dürfen sich aber auch alle anderen an den Ergebnissen der Aktionen.

Es braucht Geduld bis ein Projekt realisiert ist und bis sich dann die Ergebnisse zeigen. Im Bild die Frühblüherwiese unter den Linden vor dem Friedhof, die im Herbst angelegt wurde.
Es braucht Geduld bis ein Projekt realisiert ist und bis sich dann die Ergebnisse zeigen. Im Bild die Frühblüherwiese unter den Linden vor dem Friedhof, die im Herbst angelegt wurde. | Bild: Charlotte Fröse

So zum Beispiel an der gerade jetzt nach und nach erblühenden Frühblüherwiese unter den Linden vor dem Friedhof. Hier haben im späten Herbst letzten Jahres viele fleißige Hände an die 3500 verschiedene Blumenzwiebeln von naturnahen Arten wie beispielsweise Elfenkrokusse, fester Lerchensporn, weiße und gelbe Buschwindröschen, Blausterne oder der frühblühende Winterling in die Erde gebracht. Zudem wurden einige Arten wie die Wild-Narzisse, Schachbrettblumen oder der hohle Lerchensporn eingesät. Engel betont: „Das ist ein Langzeitprojekt und es wird Jahre dauern, bis es sich in seiner ganzen Pracht zeigt.“ Aber es werde von Jahr zu Jahr schöner.

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Geduld ist auch bei einem andern Projekt gefragt, das Ralf Engel nach rund zwei Jahren der Vorbereitung kürzlich auf den Weg gebracht hat. Dabei geht es um einen Schau-Wassergraben, in dem das kleine Helmkraut gedeihen soll. Für seine Idee und eine Patenschaft konnte Ralf Engel den Rickenbacher Golfplatz gewinnen. „Zudem wäre es auch ein Natur & Golf Gold-Projekt und so gesehen würde eine Win-Win-Situation für beide, Naturschutz und Golfplatz, entstehen“, berichtet Engel. Das kleine Helmkraut hat in Baden-Württemberg einige ihrer letzten Rückzugsgebiete.

In der Natur kommt das kleine Helmkraut noch auf Nasswiesen vereinzelt im Südschwarzwald vor. Unter der fachlicher Aufsicht und Mithilfe von Altbürgermeister Georg Keller und Ralf Engel wurde ein rund 20 Meter langes Stück eines früheren Entwässerungsgrabens aufbereitet. Darin wurden das kleine Helmkraut, rund 160 kleine Pflänzchen, eingesetzt.

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„Wir alle sind gespannt, wie dieses Ansiedlungsprojekt sich entwickeln wird“, erzählt Ralf Engel. Er erklärt zur Aktion: „Natürlich wäre es besser, wenn die Arten auch so in der freien Landschaft überleben könnten, tun sie aber nicht, da der Mensch schon viel zu intensiv in das Ökosystem eingegriffen hat! Deshalb muss man erhalten, was noch zu erhalten ist.“

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Dieses Projekt ist das erste Ex-Situ-Kultur-Projekt in Rickenbach zur Erhaltung einheimischer Wildpflanzen mit einheimischem Saatgut. Die Anzucht hat die Wildstaudengärtnerei Hof-Berggarten übernommen. Der Golfplatz hat den Graben zur Verfügung gestellt. Der Schwarzwaldverein hat gepflegt, die Pflanzen gespendet und gepflanzt. Betreut wird das Projekt vom Artenschutz des Regierungspräsidiums. Die Ideen rund um die Natur gehen Ralf Engel nicht aus. Da ist noch die echte Bergwiese, die im Gewerbegebiet Schaffeld angelegt werden soll und auch im naturnahen Garten von Ralf Engel gibt es jetzt einiges zu tun. Der eigene Garten bringt aber nicht nur Arbeit, er kann auch ein Ort der Ruhe und des des Entdeckens sein, wie Engel betont. Sein Tipp für alle diejenigen, die in der momentanen Corona-Krise daheim bleiben: „Einfach mal in den Garten sitzen und beobachten, wie die Natur das macht.“

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