Es gab fürchterliche Brände auf dem Hotzenwald. Selten schlug, jedenfalls in neuerer Zeit, der berüchtigte „Hotzenblitz“ zu. Meist reichte eine kleine Unachtsamkeit, um die Katastrophe auszulösen. Die alten Hotzenhäuser waren in ihrer genialen Konstruktion aus Wohn- und Wirtschaftstrakt besonders gefährdet. Zundertrockenes Holz bot den Flammen reichlich Fraß. Wenn es einmal brannte, gab es keine Rettung mehr.

Diese Erfahrung machte das junge Ehepaar Ulrich und Aloysia Schmidt gemeinsam mit der verwitweten Kaufmannsfrau Maria Schmidt, geborene Gugelberger. Sie wohnten und arbeiteten im Kaufhaus Gugelberger, einem der stattlichsten Anwesen auf dem Hotzenwald. Erbaut hatte es Georg Gugelberger im Jahr 1871.

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Der junge Kaufmann begann seine Karriere 1852 mit einem kleinen Laden im Gasthaus „Adler“. Er war so tüchtig, dass er 20 Jahre später ein ungewöhnlich großes Kaufhaus bauen konnte.

Die Verkaufsfläche betrug 200 Quadratmeter! Mehr hatten die Geschäfte im Tal auch nicht zu bieten. Ulrich Schmidt, Urenkel des Firmengründers, erinnert sich: „Die Südseite war 60 Meter lang, die Westseite 20 Meter breit. Am Dorfbach erstreckte sich der Anbau einer Garage von etwa 15 Meter Länge und 12 Meter Breite. Das alles wurde ein Fraß der Flammen“.

Die Feuerwehr beim Einsatz: Das Gebäude war nicht mehr zu retten und musste für den Neubau komplett abgebrochen werden.
Die Feuerwehr beim Einsatz: Das Gebäude war nicht mehr zu retten und musste für den Neubau komplett abgebrochen werden. | Bild: Archiv Reinhard Valenta

Es geschah am Samstagmorgen, dem 13. Februar 1954 gegen fünf Uhr. „Uli“ Schmidt, wie ihn die Rickenbacher nennen, sieht die Bilder noch vor sich, als habe er den Brand erst gestern erlebt: „Plötzlich wachte ich auf. Die Tochter einer Flüchtlingsfamilie stürzte polternd in heller Panik die Treppen vom Obergeschoss herunter. Es brennt, es brennt, schrie sie.“

Ulrich Schmidt und Aloysia Bär ein Jahr vor ihrer Hochzeit im Oktober 1953: Wenige Monate später standen sie buchstäblich vor dem Nichts.
Ulrich Schmidt und Aloysia Bär ein Jahr vor ihrer Hochzeit im Oktober 1953: Wenige Monate später standen sie buchstäblich vor dem Nichts. | Bild: Archiv Reinhard Valenta

Ulis junge Ehefrau Aloysia reagierte blitzschnell, nahm das alte Signalhorn von der Wand und rannte laut hupend auf die Straße. Dieses Signal schreckte alle aus dem Schlaf. Die Hupe stammte noch von Uli Schmidts Vater Philipp, der in den 1930er Jahren Feuerwehrkommandant von Rickenbach gewesen war.

Die Gesellen der benachbarten Metzgerei Hartecker waren sofort zur Stelle. Auch die Rickenbacher Wehr ließ nicht lange auf sich warten. Sämtliche Wehren des Kirchspiels folgten rasch – aber gegen das Flammenmeer waren sie machtlos. Auch die herbeigeeilte Säckinger Feuerwehr, die eine Drehleiter besaß, wurde des Feuers nicht mehr Herr. Im alten Ökonomieteil mit den eingelagerten „Wellen“ (Holzbündel) für die „Chunscht“ kam es zu regelrechten Explosionen durch das knochentrockene Material.

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Inzwischen hatten sich die Bewohner Rickenbachs an der Brandstelle versammelt. Sie wollten helfen oder Trost spenden. Es war auch „ihr“ Kaufhaus, das da brannte. Hier hatten sie sich mit allem versorgt, was zum Leben nötig war. Wer besaß damals schon ein Auto, um mal eben ins Tal zum Shoppen zu fahren?

Aus dem Haus wurde gerettet, was noch zu retten war und bei Nachbarn eingelagert. Pfarrer Waidele bot sofort das Jugendheim als Ersatz-Verkaufsstelle an. Das Vikar-Zimmer im Pfarrhaus diente den Obdachlosen als Notunterkunft. Vom stattlichen Kaufhaus Gugelberger war, wie sich am Morgen zeigte, nur eine wüste Brandruine übrig geblieben.

Kaminasche führte zum Brand

Die polizeiliche Ermittlung der Brandursache war für die Seniorchefin Maria Schmidt ein schwerer Schlag. Ein Hausangestellte hatte die Asche des Küchenherds – wie seit 1871 üblich – in einen Holzkasten beim Ökonomieteil gefüllt. Darin war auch der Ruß von der Kaminreinigung. Das Gemisch hatte sich entzündet und das Haus in Brand gesetzt.

Maria Schmidt erhielt eine Strafe in Höhe von 500 DM wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht und das Hausmädchen musste 50 DM zahlen. Uli Schmidts Mutter war verzweifelt, aber es half nichts. Für den Juniorchef war das Urteil eine schwere Hypothek. Die Versicherungen zahlten nicht annähernd den Wert des alten Kaufhauses. „Aber Uli ließ sich nicht entmutigen und nahm den Neubau beherzt in die Hand. Zu diesem Entschluss trug die riesige Solidarität der Rickenbacher bei“, erinnert sich Aloysia Schmidt.

Uli Schmidt brachte, auch wenn er sich verschulden musste, sofort den Neubau auf den Weg. Bereits im Juni 1955 wurde das neue Kaufhaus Gugelberger eröffnet.

Das neue Kaufhaus Gugelberger im Juni 1955: Vorne Buchhalter Karl Häusler, dahinter in weißer Verkaufsschürze Aloysia Schmidt und im Eingang Uli Schmidt.
Das neue Kaufhaus Gugelberger im Juni 1955: Vorne Buchhalter Karl Häusler, dahinter in weißer Verkaufsschürze Aloysia Schmidt und im Eingang Uli Schmidt. | Bild: Archiv Reinhard Valenta

Äußerlich war es im Vergleich zum alten Anwesen geschrumpft, dafür war es im Inneren auf modernstem Niveau eingerichtet. Helle, großzügige Räume mit Frischetheke – das war der Neubeginn, an dessen Ende die heutigen Schmidt‘s Märkte zwischen Titisee-Neustadt und Bad Säckingen, Bonndorf und Wehr stehen. Ein Brand, eine Katastrophe, ein Phönix aus der Asche!

Blick in den modern eingerichteten neuen Laden: Helle Beleuchtung, moderne Regale, hübsche Vitrinen – ein völlig neues Einkaufserlebnis für Rickenbach und Umgebung.
Blick in den modern eingerichteten neuen Laden: Helle Beleuchtung, moderne Regale, hübsche Vitrinen – ein völlig neues Einkaufserlebnis für Rickenbach und Umgebung. | Bild: Archiv Reinhard Valenta

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