Probleme mit Bienenstichen hat er nicht. „Höchstens mit denen vom Bäcker. Die gehen auf die Hüfte“, scherzt Michael Grigo, Hobby-Imker aus Rüttehof bei Rickenbach. Beruflich eher im Bereich der Informationstechnik angesiedelt, ist das Imkern für ihn ein schöner Ausgleich, der auch Ruhe in den oft stressigen Arbeitsalltag bringt.

Schon als Jugendlicher war er fasziniert von Bienen, seit er damals einem Bekannten über die Schulter schauen konnte. „Allein der Geruch von dem Wachs war für mich wie eine Droge. Aber meine Schwester hatte eine schwere Allergie gegen die Stiche und so hatte sich das Thema schnell erledigt“, erinnert sich Grigo. Danach waren dann andere Dinge wichtig: Familie, Kinder, Job. Aus dem Kopf ging ihm das Thema aber nie.

Ein faszinierendes Hobby

Vor fünf Jahren dann besuchte er den Tag der offenen Tür des Imkervereins Binzgen/Hauenstein. Er absolvierte einen dort angebotenen Grundkurs, der das Arbeitsjahr eines Imkers abbildete. Ein Lehrbienenstand wurde vom Verein zur Verfügung gestellt.

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„Nach dem Kurs habe ich ein Volk gekauft und den Bienenkasten in den Garten gestellt. Die Familie bekam etwas Panik, als er nur wenige Meter neben dem Klettergerüst platziert wurde, aber ich habe friedliche Bienen; die lassen uns sogar in Ruhe draußen frühstücken.“

Fragt man den 47-Jährigen, was ihn so fasziniert an der Imkerei, kommt er aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Dieser komplett durchorganisierte Mikrokosmos sei einzigartig. Bücher über Bienen habe er verschlungen, viele Dokumentationen geschaut, sich ständig informiert, so sehr begeistern ihn die kleinen Pollensammler.

Vieles muss bedacht werden

Aber was macht man eigentlich so als Imker? Die Arbeiten beginnen im Frühjahr mit schlichtem Beobachten des Bienenvolkes. Die komplette Beute, so nennt sich die Behausung, muss einmal pro Woche durchgesehen werden. Das dauert gut zwei bis drei Stunden.

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Die Beute besteht aus übereinander gestellte Zargen, in denen die Holzrahmen mit den Waben hängen. Diese lassen sich herausziehen. Im Grunde wird kontrolliert, ob ein Volk zu groß wird. Passiert das, kann es sein, dass die Hälfte der Bienen samt Königin ausschwärmt. Das möchte der Imker verhindern und so früh wie möglich durch rechtzeitiges Teilen, bzw. „Ableger machen“, ein neues Volk entstehen lassen.

Eine neue Königin entsteht

Dazu nimmt der Imker einen Rahmen aus der Zarge, auf dem Larven und Eier bereits vorhanden sind, und hängt sie in einer neuen, unbenutzten Kasten, gibt etwas Futter in Form von Honig und Pollen dazu. „Die Bienen hocken dann da drin und wundern sich, wo die Königin ist und werden nervös“, erklärt Grigo. „Nun soll eine neue Königin entstehen. Dazu wird eine Larve angefüttert und eine spezielle ‚Wohnung‘ für sie gebaut, die sogenannte Weiselzelle.“ Auch nach Weiselzellen wird beim Durchschauen des Bienenstocks gesucht, denn sollte eine gefunden werden, steht ein Ausschwärmen kurz bevor.

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„Dieses Schauspiel ist absolut sehenswert, wenn auch nicht wünschenswert für einen Imker,“ so Grigo, „Man stelle sich 15.000 bis 20.000 Bienen wie ein Wirbelsturm vor, der auch einen ordentlichen Lärm macht. In der Mitte meist die Königin, die beschützt wird, bis eine neue Behausung gefunden ist.“

Täglich bis zu 2000 Eier

Der Freizeitimker verliert sich begeistert in Details und weiß so viel zu erzählen über seine Bienen, dass man sich fast nicht satthören kann. So erzählt er auch, dass die Königin bei ihrem Hochzeitsflug von mehrerer Drohnen begattet wird und danach für drei bis vier Jahre täglich 2000 Eier legt.

Die Drohnen haben übrigens keinen Stachel, sind größer als normale Bienen und sterben gleich nach der Befruchtung der Königin.

50 bis 80 Kilo Honig

Neben der Kontrolle der Beuten und dem Anlegen neuer Bienenvölker, wird natürlich auch das Material gepflegt und der Honig geerntet, geschleudert, abgeschäumt und abgefüllt. „Man nimmt nur etwa die Hälfte des von den Bienen erwirtschafteten Honigs ab“, klärt Grigo auf, „den Rest brauchen die Bienen selber als ‚Flugbenzin‘ und Futter.“

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Der Rüttehofer hat zur Zeit zwei Wirtschaftsvölker, die etwa 50 bis 80 Kilo Honig abwerfen. An das Verkaufen denkt er bis jetzt noch nicht. Das Meiste wird in der Familie oder unter Bekannten verteilt oder ist als „des Imkers Flasche Wein“ immer ein gern gesehenes Gastgeschenk. „Sollte es mehr Ertrag werden, würde mir die Herstellung von Met (Honigwein) sehr gefallen“, sagt Grigo.

Umgang mit Bienenstichen

Zum Schluss gibt Michael Grigo noch einen Gratis-Tipp im Umgang mit den Insekten mit auf den Weg: „Wird man trotz friedvoller Bienen mal gestochen, sollte man den Stachel sofort entfernen, denn der abgerissene Stechapparat lebt noch und pumpt weiterhin Gift in die Wunde. Am besten flach mit dem Fingernagel abstreifen und nicht packen, da man so das restliche Gift noch reindrücken könnte.“ Dann doch lieber den Bienenstich vom Bäcker.