Wir im Hotzenwald sind uns freie Fahrt gewohnt. Keine Ampeln, ausgenommen in Rickenbach in der Hennematt und auf Höhe der Schule, aber die werden nur bei Bedarf aktiviert. Sonst gilt auf dem Wald: Nichts hält den Verkehr auf, er rollt vorwärts, stetig und eifrig dem Ziel, wo auch immer es liegt, entgegen. Normalerweise. Aber jetzt ist nicht normalerweise, sondern ausnahmsweise. Weil der Verkehr nicht mehr normal rollt, sondern ständig ausgebremst wird. Da eine Ampel, dort eine Ampel, zwischen Egg und Rotzingen, dem Rheintal und dem Schwarzwald stehen die Dinger wie eine Plage, mal nur eine Woche, mal gefühlt eine halbe Ewigkeit lang.

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Es gibt kaum einen Ort, in dem nicht irgendwann eine Ampel steht. So geht das seit einem Jahr. Gut, meistens kommen die Ampeln wieder weg, aber nur, um woanders aufgestellt zu werden. Ampelverschiebebahnhof heißt das. Besonders faszinierend ist der Umstand, dass die Ampeln in der Regel auf Rot stehen. Vielleicht ist es nur Einbildung, aber es geht auch anderen so: Beim Heranfahren ist rot. Knallrot. Durchfahrt verboten. Diejenigen auf der gegenüberliegenden Seite haben hingegen grün. Freie Fahrt also. Aber befindet man oder frau sich auf der Rückfahrt an derselben Stelle, wo vorhin grün war, ist garantiert rot. Während die anderen dort, wo vorhin rot war, grün haben. Es ist fast immer rot. Als ob der Ampelgott etwas gegen einen hat.

So wird die Ampel zum Freund

Kann es noch ein bisschen mehr sein? Es kann. Letzte Woche war in Rüßwihl an mindestens einem Abend zwei Mal rot. Gleichzeitig. Auf beiden Seiten. Da wartet man dann. Und wartet. Und fragt sich, ob das eine Falle ist. Ob der Narrenrat sich mit der Kamera versteckt hat. Vielleicht ist es nur eine Prüfung in Geduld. Om. Gut fürs Energiefeld. Fördert die transzendente Erfahrung. Nächster Schritt: Yoga im Auto. Zeit wäre ja. Und schon wird die Ampel zum Freund. Will man sie umarmen. Andererseits: Steht eine Ampel auf beiden Seiten der Baustelle auf Rot, kann es sich um ein technisches Problem handeln. Falsche Einstellung, keine Abstimmung.

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Aber bis man mal draufkommt, sind wieder ein paar Haare mehr grau geworden. Egal: Om. Und schon ist der Ärger verflogen. Auch, weil wir wissen, warum es so viele Ampeln gibt. Wegen dem Breitband. Damit wir im Turbo durchs Internet düsen können. Das bringt uns vorwärts, nur jetzt halt nicht so besonders. Von daher kann keiner meckern. Wir wollen den Rest des Lebens nicht im Schneckentempo verbringen. Deshalb müssen die Ampeln auszuhalten sein. Das ist der Preis, den wir für die Datenautobahn zahlen. Was, es ist schon wieder rot? Om.