Vor dem Amtsgericht Bad Säckingen hat ein Unfall, der sich am 14. August 2020 im Hotzenwald zutrug, sein strafrechtliches Ende gefunden. Zwölf Monate Haft auf Bewährung erhielt der heute 26-jährige Fahrer des verunglückten Autos, dessen 24-jähriger Beifahrer noch an der Unfallstelle seinen schwersten Verletzungen erlegen war.

Die Vorgeschichte

Ausgang der tragischen Ereignisse war ein Pokalspiel des FC Bergalingen, bei dem die jungen Männer, die sich schon seit ihrer Grundschulzeit kannten, dabei waren. Als sich der Angeklagte C. gegen 1 Uhr entschloss, nach Hause zu fahren, hatte er einige Bier über den Abend getrunken. Vor Gericht gab er an, dass er sich gut gefühlt habe und nicht den Eindruck hatte, das Auto nicht mehr sicher lenken zu können. Beim Verlassen des Geländes traf er auf seinen Bekannten S. der mit zwei jungen Frauen am Straßenrand stand und offensichtlich auf eine Fahrgelegenheit wartete.

Die Entscheidung

Nach kurzer Unterhaltung stieg S. auf der Beifahrerseite ein, um sich vom Angeklagten nach Hause fahren zu lassen. Dabei muss er gewusst haben, dass der Fahrer zumindest einige Bier konsumiert hatte, da sie einige davon gemeinsam getrunken hatten.

Die Zeugin

Eine Zeugin, die mit S. auf der Straße gewartet hatte, gab an, dass C. nicht im Geringsten alkoholisiert gewirkt hatte, sie wäre selbst mitgefahren, hätte sich ihre Schwester nicht schon auf dem Weg befunden, um sie abzuholen. Weiterhin bestätigte die Zeugin, dass S. schon beim Einsteigen in das Auto davon sprach, dass er sein Handy gerne mit dem Auto des Angeklagten verbinden wollte.

Die Aussage des Angeklagten

Der Angeklagte gab an, dass sie dann gemeinsam losgefahren seien. Während der Fahrt sei die Verbindung des Handys immer wieder ein Problem gewesen und er sei davon einige Male abgelenkt worden, so auch kurz vor der entscheidenden Kurve auf der K 6538 zwischen Hütten und Glashütten.

Alkohol

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die fatalen Fehleinschätzungen des Angeklagten bezüglich Entfernung und Geschwindigkeit seines Fahrzeuges, zu und in der Kurve auf seine Alkoholisierung zurückzuführen sei. Dies führte dazu, dass das Auto von der Straße abkam und mit der Beifahrerseite gegen einen Baum stieß.

Die Unfallfolgen

Die Tür der Beifahrerseite war durch den Aufprall massiv verzogen und ließ sich nicht öffnen. So hatten die eintreffenden Rettungsdienste größte Schwierigkeiten an den im Auto eingeklemmten S. zu gelangen. Die Steilheit des Unfallorts erschwerte dies zudem. S. starb an der Unfallstelle im Auto. Erst nach der Bergung des Autos durch den Abschleppdienst konnte die Feuerwehr den Leichnam von S. aus dem Fahrzeug schneiden.

Auswertung

Eine Blutprobe beim Unfallfahrer ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,12 Promille. Somit war der C. zum Unfallzeitpunkt rechtlich absolut fahruntüchtig. Die Auswertung des Airbag-Steuergeräts im Unfallfahrzeug zeigte, dass das Auto fünf Sekunden vor dem Unfall 102 Kilometer pro Stunde gefahren war, zwei Sekunden vor dem Unfall (circa 35 bis 40 Meter vor dem Einschlag) hatte er demnach noch eine Restgeschwindigkeit von 86 Kilometern pro Stunde.

Das Urteil

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung. Der vorsitzende Richter erkannte jedoch besondere Umstände, die eine Bewährung ermöglichten. Richter Meents erkannte einen jungen Mann, der fatale Fehler gemacht hatte, die ein Leben beendet hatten und Leid über eine Reihe von Menschen brachten, einschließlich seines eigenen. Er billigte dem Angeklagten zu, dass er alle Schuld selbstverständlich auf sich genommen und keinerlei Versuche unternommen hatte dem Verstorbenen eine Mitschuld anzulasten, was ihm sicherlich leicht möglich gewesen wäre, so Meents. Zudem würdigte er in seinem Urteil die Tatsache, dass C. nicht in Selbstmitleid versunken vor Gericht erschien, sondern ehrlich und umfassend zur Aufklärung beitrug und seine Strafe in echter Reue erwartete.

Die Auflage

Als Bewährungsauflage hat der Angeklagte je 3000 Euro an das DRK und die Björn-Steiger-Stiftung zu zahlen. Seine Fahrerlaubnis wurde eingezogen, der Erwerb eines neuen Führerscheins bleibt ihm 18 Monate verweigert.