In der neuen Ausgabe des Amtsblätter der Gemeinden Rickenbach und Herrischried liegt ein Einlageblatt bei, das nach Ansicht der beiden Bürgermeister Dietmar Zäpernick und Christian Dröse nicht hätte verteilt werden dürfen. Das Flugblatt, das unter anderem einen Hinweis auf die Querdenken-Initiative enthält, stellt den Umgang mit dem Grundgesetz während der Corona-Pandemie in Frage, zweifelt die Sinnhaftigkeit von Maskenpflicht und Impfung an. Als Urheber des Blattes fungiert Bodo Schiffmann, bekannter Corona-Skeptiker, HNO-Arzt und Leiter einer Schwindelambulanz in Sinsheim.

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„Ich und unser ganzes Rathaus distanzieren uns von dem Flugblatt„, teilte Rickenbachs Bürgermeister Zäpernick gestern dieser Zeitung mit. „Wir sind ziemlich entsetzt“, so Zäpernick, „das wurde mit uns nicht abgesprochen“. Ebenso Herrischrieds Bürgermeister Christian Dröse: „Ich teile die Ansicht von Bürgermeister Zäpernick. Ich distanziere mich von dem Flugblatt.“

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Wieso das Blatt den Weg in die Rundschau gefunden hat, konnten beide gestern nicht erklären. Klar ist: Herausgeber der Mitteilungsblätter sind die jeweiligen Gemeinden. Sie sind verantwortlich für den amtlichen Teil, einschließlich der Sitzungsberichte der Gemeindeorgane und anderer Veröffentlichungen der Gemeindeverwaltung.

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Für den übrigen Inhalt, einschließlich des Anzeigenteils, ist Kohlbrenner-Druck in Willaringen verantwortlich. Herausgeber des Mitteilungsblattes der Gemeinde Herrischried ist laut Impressum „der Verlag“, also ebenfalls Kohlbrenner-Druck. Geschäftsführerin Yvonne Kohlbrenner sagte gestern auf Anfrage dieser Zeitung: „Die Verantwortung trage ich, nicht die Gemeinden.“ Sie habe den entsprechenden Druckauftrag erhalten, nicht auf den Inhalt geachtet und das Blatt den Amtsblättern beigelegt. „Dumm gelaufen“, so Yvonne Kohlbrenners Kommentar.

Bürgermeister kündigt Gegendarstellung an

Die Rickenbacher Rundschau ist Mitte dieser Woche erschienen. „In der nächsten Rundschau kommt eine Gegendarstellung“, stellte Bürgermeister Zäpernick in Aussicht. Denn: „Das geht gar nicht, das ist unser Organ.“

Es ist nicht das erste Mal, dass den Bürgermeistern Inhalte im Amtsblatt bitter aufstoßen. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich im Februar 2016 ereignet, als in den Amtsblättern Rickenbach und Herrischried – damals von Huber-Druck Rickenbach produziert – ein „Brief zu den Landtagswahlen“ publiziert worden war. Der Beitrag vom „Arbeitskreis Schule und Bildung Baden-Württemberg„ hatte die Schulpolitik der damals amtierenden Landesregierung und insbesondere die Gemeinschaftsschule frontal angegriffen. Die Bürgermeister Dietmar Zäpernick und Christof Berger hatten sich damals davon distanziert.

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