Eine Situation wie diese gab er noch nie. Wir alle spüren täglich die Auswirkungen, die die Corona-Krise im Job, beim Einkaufen und in der Freizeitgestaltung auf uns ausübt. Aber wie geht es den Anderen? Sind Arbeitsplätze im Hotzenwald in Gefahr? Wie sehr sind die Arbeitgeber betroffen? Wie lange können sie diese Durststrecke durchhalten? Wir fragten bei einigen Geschäfsinhabern nach.

Gasthaus „Jägerstüble“

Das „Jägerstüble“ am Hornberg vermeldete vor Schließung bis zu 75 Prozent Umsatzrückgang, besonders gravierend seien dabei die Sonntage gewesen. Dietmar Maier, Inhaber des „Jägerstüble“, erzählt, dass es sogar zu Auseinandersetzungen mit Gästen kam. Durch die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände in Lokal und Biergarten verfügte er zuletzt über nur 40 Sitzplätze.

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In normalen Zeiten könne er insgesamt 70 Gäste bewirten. Die Gäste, die das Lokal betraten, wurden am Eingang durch ein Schreiben aufgefordert die bereitgestellte Desinfektionslösung für die Hände zu verwenden und zu warten, bis das Personal einen Tisch zuweist. Einige Gäste empfanden diese Regelung wohl einschränkend und ignorierten sie bewusst. Als er sie um Einhaltung der Regeln ersuchte, kam es im Verlauf der Gespräche zu aggressivem Verhalten seitens der Gaststättenbesucher, so Maier. Die Nerven lägen blank bei einigen, das erschwerte den Umgang mit der Situation zusätzlich.

Metzgerei Hauber

Fritz Hauber möchte eigentlich nicht über das Thema Corona sprechen. Die Sorge um seine Metzgerei in Herrischried treibt ihn um. Finanziell, so Hauber, laufe es bisher nicht schlechter als sonst, da könne er sich nicht beklagen. Er sei sich aber auch bewusst, dass sich das jederzeit ändern könne. Abzuwarten ist hier sicherlich, wie sich die Ausgangsbeschränkungen auswirken. Als Gefahr sieht er für sein Unternehmen hauptsächlich eine Erkrankung von Mitarbeitern und drohende Quarantäne. Aus diesem Grund hat er Plexiglasscheiben angebracht, die den Verkaufsraum vom Thekenbereich und der Kasse trennen. Dies soll Ansteckung verhindern.

Mit Plexisglasscheiben möchte die Metzgerei Hauber die Ansteckungsgefahr reduzieren.
Mit Plexisglasscheiben möchte die Metzgerei Hauber die Ansteckungsgefahr reduzieren. | Bild: Peter Koch

Seiner Sorge, dass sich einzelne Kunden durch die baulichen Veränderungen gestört fühlen könnten, begegnet er mit Aufklärung und persönlicher Ansprache. Die ersten Kunden, die nach der Installation der Abtrennung einkaufen kamen, zeigten aber durchweg Verständnis. Als stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung Waldshut möchte er nun seinen Kollegen von seiner einfachen und guten Lösung berichten und seine Erfahrungen damit teilen.

Cut & Shave

Friseurmeister Florens Günnewig (23), Inhaber des „Cut & Shave“ in Rickenbach, ist seit dem 1. Januar 2020 selbstständiger Unternehmer. Zu diesem Zeitpunkt übernahm er den Friseur-Salon Tröndle. Nun, knapp drei Monaten in Selbstständigkeit, trifft ihn, wie viele andere diese Krise. „Bis letzte Woche Mittwoch lief das Geschäft annähernd normal, seit Donnerstag war es dann wie abgeschnitten“, so Günnewig.

Florens Günnewig, Inhaber des Friseurgeschäfts Cut & Shave in Rickenbach.
Florens Günnewig, Inhaber des Friseurgeschäfts Cut & Shave in Rickenbach. | Bild: Peter Koch

Die Kunden waren offensichtlich unsicher, ob überhaupt noch geöffnet sei oder sie sagten Termine aus Angst ab. Er habe zwar eine Einnahmeausfallversicherung abgeschlossen, aber dort sei ihm schon mitgeteilt worden, dass die Corona-Krise kein Versicherungsfall wäre. So kurz nach Eröffnung und mit den finanziellen Verpflichtungen könne er eine Komplettschließung ein oder auch zwei Monate überstehen, dann würde es sehr schwierig, räumt er ein.

Fliesentechnik Vogt

„Ich habe noch Arbeit bis in den Sommer. Uns trifft die Krise bisher nicht so wie andere Gewerke“, fasst Matthias Vogt, Inhaber des Handwerkbetriebes Vogt Fliesentechnik in Altenschwand, die Lage seines Betriebes zusammen. Er habe seine Ausstellungsräume schließen müssen, erzählt er, aber die Arbeit auf den Baustellen gehe weiter. Sicherheitsmaßnahmen trifft auch er, so arbeite immer nur einer seiner Mitarbeiter in einem Raum oder an einer Baustelle, im Büro wechselten sich die Damen der Buchhaltung tageweise ab.

Matthias Vogt, Inhaber des Fliesenlegerbetriebs Vogt in Rickenbach.
Matthias Vogt, Inhaber des Fliesenlegerbetriebs Vogt in Rickenbach. | Bild: Peter Koch

Den Kontakt zum Kunden pflege nur er, dabei folge er aber den Richtlinien der Handwerkskammer, die empfiehlt den persönlichen Kontakt mit dem Kunden abzusprechen. Viele Dinge könne man auch aus der Ferne regeln, damit halte er die Begegnungen mit Personen außerhalb der Firma so gering wie möglich. Seit knapp einer Woche merke er, dass Auftrags-Anfragen von Privatpersonen zurück gingen, kleinere Arbeiten in Küche und Bad gingen die Häuslebesitzer wohl gerade nicht so gern an. Problematisch sei dies aber noch nicht. Seine Arbeitsplätze seien bisher jedenfalls sicher, glaubt er.

Naturkost Mutter

Der Bio-Markt in Görwihl konnte seinen Umsatz in den letzten ein bis zwei Wochen sogar steigern. Bis zu 50 Prozent Mehrumsatz kam da zusammen, so Roland Mutter, Inhaber des Geschäftes, Betreiber der Naturheilpraxis Mutter und Gemeinderatsmitglied für die Grünen in Görwihl. Mutter ist sich sicher, dass das aber vorgezogene Einkäufe sind. Er erwartet, dass die Lebensmitteleinzelhändler, die nun so viel mehr zu tun haben, die Krise mit Verzögerung zu spüren bekommen. Irgendwann sei halt alles eingelagert und müsse verbraucht werden.

Heike und Roland Mutter, Inhaber des Geschäfts Naturkost Mutter in Görwihl: Sie konnten ihren Umsatz in den vergangenen Wochen noch steigern.
Heike und Roland Mutter, Inhaber des Geschäfts Naturkost Mutter in Görwihl: Sie konnten ihren Umsatz in den vergangenen Wochen noch steigern. | Bild: Peter Koch

Bisher waren er, seine Frau und die sieben Angestellten stark eingespannt, seit Anfang dieser Woche sei es aber merklich ruhiger geworden. Die erweiterten Ausgangsbeschränkungen seien spürbar. Im Geschäft fällt dem Besucher auf, dass die Bedienung mit Mundschutz arbeitet, die gemütliche Kaffeeecke ist abgebaut, dafür wurde die Obst- und Gemüseecke erweitert. Mutter erklärt, dass sie gerade im Bereich der offenen Lebensmittel bestrebt seien zu bedienen, damit nicht jeder selber hineingreifen müsse.

Reifen Zumkeller

Die Werkstatt ist offen, aber auch der Reifenhandel in Hogschür spürt die Corona-Krise. Inhaber Marco Zumkeller fehlen die Schweizer Kunden, die annähernd die Hälfte des Umsatzes generieren, aber auch die Kunden aus der Region würden sich zurückhalten, so Zumkeller, wer nicht unbedingt müsse, der tausche seine Reifen noch nicht. So sind seine Mitarbeiter aktuell auch nicht ausgelastet. „Ich versuche für die nächste Zeit, Vorbereitungsarbeiten zu machen“, beschreibt er die Situation, so würden schon neue Reifen auf eingelagerte Felgen vormontiert.

Marco Zumkeller, Inhaber des Reifengeschäfts in Hogschür.
Marco Zumkeller, Inhaber des Reifengeschäfts in Hogschür. | Bild: Peter Koch

Wie das Geschäft sich aber tatsächlich entwickelt ist noch nicht abzusehen. Die Saison für die Sommerreifen beginnt gerade erst und die Aufträge, die momentan fehlen, könnten später durchaus geballt anfallen. Falls es dabei dann zu Wartezeiten kommt, ist die Firma Zumkeller aber gut vorbereitet, schließlich wurde der Wartebereich für die Kunden für diese Saison neugestaltet und vergrößert.