Dokumentation als großes Hindernis

Gastgeber Bernhard Schleicher, auch er bewirbt sich um ein Mandat im Waldshuter Kreistag, stellte gleich zu Beginn des Gesprächs klar, wo der Schuh drückt: „Durch die ständig steigende Bürokratie verlieren immer mehr Landwirte die Lust am Beruf.“ Mittlerweile sei die Berufsbezeichnung „Staatlicher Dokumentierer mit Erfahrung in Ackerbau und Viehhaltung“ zutreffender, sagte Schleicher.

Hohe Belastung durch ständige Kontrollen

Ein Beispiel: Der Bau eines Stalls sei wegen bürokratischer Hürden und überteuerter Baukosten für kleinere Betriebe nicht mehr stemmbar, da meist eine Vergrößerung der Tierbestände notwendig ist, aber kein Land mehr zur Verfügung steht – für Schleicher „eine Sackgasse“. Zusätzlich kommt „die hohe Belastung der ständigen Kontrollen und Nachweisführung hinzu“. Ständig wachsende FFH- und Wasserschutzgebiete würden Neubauten in Frage stellen.

Den Flächenfraß bezeichnete er als „Problem im Hintergrund“. Konkret: Landwirtschaftliche Flächen werden, beispielsweise durch Ausgleichsflächen, entzogen, aber Produktion und Tierbestand bleiben – was zum Problem führt: wohin mit Gülle und Mist? „Auf weniger Fläche mehr?“, fragte Schleicher. Die Folge sei, dass Gülle und Mist „sinnlos in der Gegend herumgefahren werden“, wodurch die Ökologie auf der Strecke bleibt.

Düngeverordnung als "Bürokratiemonster"

Apropos: Mit der Düngereform sei ein „absolutes Bürokratiemonster geboren worden“, fand Schleicher. „Hätte man uns gefragt, wäre die Antwort einfach ausgefallen: ein Hektar gleich eine Kuh – die meisten Probleme wären alleine verschwunden“, erklärte er.

Christoff Hoffmann sagte dazu: „Mir tun die Landwirte leid ob der Bürokratie – die nicht weniger, sondern mehr wird.“ Es gebe „viele theoretische Vorstellungen, weil man kein Vertrauen in die Leute vor Ort hat“, bemerkte er. Gemeinderat und Bürgermeister würden „das besser hinkriegen, als wenn’s von oben herab bestimmt wird“. Und: „Die Landwirtschaft wird von mehreren Seiten in die Klemme kommen“, meinte Hoffmann.

Holzimporte trotz riesiger Bestände

Ähnliche Probleme sieht der Landwirt im Forst. Dort findet, so Bernhard Schleicher, „eine Kapitalvernichtung wie noch nie zuvor statt“. Zurückzuführen sei dies auf die Borkenkäferplage. „Es werden riesige Mengen Holz geschlagen und trotzdem wird Holz aus Osteuropa importiert“, berichtete er.

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