Was in Rickenbach für den Naturschutz unternommen wurde und noch unternommen werden soll, stellte am Donnerstag im interkommunalen Beirat Naturschutz- und Landschaftspfleger Ralf Engel vor. Der Vorsitzende des Schwarzwaldvereins Vorderer Hotzenwald berichtete, wie sein Verein vorgeht, "um die Natur wieder nach Rickenbach zurückzuholen". Unter den aufmerksamen Zuhörern waren auch Rickenbachs Bürgermeister Dietmar Zäpernick, Schwarzaldvereinspräsident und Altbürgermeister Georg Keller sowie der Bad Säckinger Umweltbeauftragte Ralf Däubler.

Ralf Engel, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Rickenbach am Busbahnhof Rickenbach, wo naturnahe Flächen angelegt wurden um die Artenvielfalt zu fördern.
Ralf Engel, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Rickenbach am Busbahnhof Rickenbach, wo naturnahe Flächen angelegt wurden um die Artenvielfalt zu fördern. | Bild: Katharina Reeb

Doch zunächst gab es Unmut über Vorgaben des Naturschutzes. Clemens Speicher Vorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), kritisierte, dass die Vorschriften für die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, also die europäischen Schutzgebiete, nicht flexibel genug seien. Auch Manfred Geretzky vom Amt für Umweltschutz in Waldshut bemängelte, dass im Flächennutzugnsplan als Baufläche gekennzeichnete Gebiete für die FFH kartiert worden seien. Darunter leide die Wirtschaft und es erfolge ein Verlust an Bruttofläche. Däubler antwortete, dass für FFH-Fragen demnächst eine Extrasitzung des interkommunalen Beirats anberaumt sei. Däubler erklärte auch, dass besonders erhaltenswerte Bäume besser geschützt werden müssten. Im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Bad Säckingen seien 20 Prozent der geschützten Bäume verschwunden. In Nacht-und-Nebel-Aktionen seien Bäume, die als besonders gekennzeichnet wurden, gefällt worden. Nun wären in Rickenbach nur noch zwei dieser besonderen Bäume vorhanden. In Abstimmung mit der Gemeinde und dem Schwarzwaldverein soll eine Naturdenkmalverordnung erfolgen.

Anschließend stellte Engel die Aktivitäten des Schwarzwaldvereins vor. Er erklärte, dass an zwei Projekttagen im Jahr unterschiedliche Vorhaben umgesetzt würden. So halfen im Frühjahr zum Beispiel 19 Mitglieder sowie Freiwillige Helfer dabei, sechs verschiedene Projekte in die Tat umzusetzen. Dies seien Bürgerbeteiligungsprojekte und Initiativen die Spaß machen, so Engel. Das Ziel solcher Vorhaben sei es, den Artenrückgang bis 2020 zu stoppen. Dies fordert die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Leider gelinge ein solches Vorhaben in Deutschland nicht wirklich, bedauert Engel. "Es muss vor Ort geschehen", weiß er. "Wir fördern Natur überall im Siedlungsraum." Das Schöne an Rickenbach sei ja, dass man 300 Meter gehe und schon in einem Europa-Naturschutzgebiet stehe, freuen sich Däubler und Engel und verweisen damit auf die FFH-Gebiete.

Engel freue sich, dass Rickenbach eine von zehn Gemeinden in Baden-Württemberg ist, die vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine Förderung erhalten. Für 15 000 Euro, die die Gemeinde in Naturschutz investiert, erhält sie die selbe Summe vom Nabu noch einmal. Anhand von gelungenen Beispielen vor Ort könne gezeigt werden, dass Biodiversität eigentlich nicht so schwer sei, man müsse es nur wollen, betont Engel.

Arbeit sieht Engel bei der oftmals zu sauber gepflegten Natur. Er betont: "Das muss wieder ein bisschen wilder aussehen, sonst klappt das nicht. Wie in Nationalparks." Als Beispiel führt Däubler an, dass beim Mähen von Straßenrändern bestimmte Flächen mit Wildblumen ausgespart werden sollten.

Naturschutzaktionen des Schwarzwaldvereins

Einige Beispiele von Naturschutzaktivitäten des Schwarzwaldvereins:

  • Haselmausschutzprojekt: Der Verein möchte Flächen als Biotop kartieren, wo die zu schützende Haselmaus vorkommt.
  • Anbringen von Informationsschildern, Verteilen von Nistkästen und Bruthöhlen, Pflanzen von Wildsträuchern.
  • Der "Hummeltummelplatz" auf der Hennematt, wo zahlreiche Wildblumen wachsen dient als wichtige Nahrungsquelle für Kleintiere und Insekten.
  • Die Feldhecke an der Oberen Heue wurde verkehrstauglich gemacht.
  • Auch das naturnahe Öffentliche Grün ist ein wichtiges Thema in dem Verein. Dazu hilft dieser Bürgern ihre Wiesen mit einheimischen wilden Blume in den ursprünglichen natürlichen Wiesenzustand zurückzuversetzen. In Planung ist auch ein Rathaus-Beet.
  • Weitere Projekte sind die Seelenorte und Wohlfühlorte, wie zum Beispiel der Alpenpanorama Sitzplatz in Bergalingen oder. Dort könne man einfach mal sitzen und sich wohlfühlen, so Engel. Solche würden von den Bürgern gut angenommen werden.