In der Vorweihnachtszeit bitten viele Hilfsorganisationen und Stiftungen verstärkt bei Bürgern um Spenden, über deren Verwendung aber nicht immer genau informiert wird. Die seit einem Jahr im afrikanischen Tansania engagierte Josef-Vogt-Stiftung Rickenbach befolgt hier indes klare, auf Transparenz setzende Grundsätze. Über eine Internetseite informiert sie über aktuelle Hilfsprojekte und ihr Begründer Josef Vogt aus Bergalingen kümmert sich mit Helfern vor Ort in Afrika selbst darum, ob die Hilfsziele auch tatsächlich erreicht werden.

Wie notwendig dies ist, zeigte sich bei einem der jüngsten Hilfsprojekte, mit dem der Bau einer Wasserleitung für das 1300 Bewohner zählende Dorf Kibanda in der Region von Tanga verwirklicht werden sollte. Josef Vogt reiste mit seinem Bruder Rolf und mit seinem Schwager Manfred Tröndle im Oktober für zehn Tage nach Tansania, um das schon im Februar vorbereitete Projekt in der Abschlussphase zu begleiten.

Ein Begrüßungsfest mit Musik wurde gefeiert.
Ein Begrüßungsfest mit Musik wurde gefeiert. | Bild: Josef-Vogt-Stiftung

Dabei stellte sich heraus, dass die für die Bauten von Deutschland nach Tansania verschifften Materialen wie eine Dieselpumpe noch gar nicht vom Containerschiff für einen Weitertransport nach Kibanda entladen worden waren. Zu wenige Entladeterminals im Hafen von Daressalam wurde als Grund dafür genannt. Zudem hatten die Dorfbewohner noch nicht den 1,5 Kilometer langen Graben für die Verlegung der Wasserleitung ausgehoben, was dann aber sogleich unter Anleitung der deutschen Helfer erfolgte.

Unvorhergesehene Schwierigkeiten

Womit alle Projektbeteiligten auch nicht gerechnet hatten, war ein monatelanger starker Niederschlag. Er setzte die Tiefbrunnen, aus denen Wasser über die neue Verbundleitung zu zwei in Kibanda installierten Zisternen gepumpt werden soll, völlig unter Wasser. Während des Aufenthalts konnte also das Versorgungsprojekt nicht wie geplant vorangebracht werden, was die Helfer veranlasste, für den kommenden Januar noch einmal eine Reise in das Dorf zu planen, um die Bauten sicher zu Ende zu bringen.

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Nach dem Stiftungsgrundsatz, dass alle eingegangenen Spenden eins zu eins auch bei den Hilfsbedürftigen in Afrika ankommen, werden Josef Vogt und seine Begleiter vom Hotzenwald auch die neu anfallenden Kosten für die Anreise und den mehrtägigen Aufenthalt aus eigener Tasche begleichen. Mit dem Wissen über die enormen Unterschiede beim Einkommen von Menschen in Deutschland und Tansania, fällt den Helfern der Verzicht auf Aufwandsentschädigungen aber nicht schwer. Auch die vor Ort gemachte Erfahrung, wie wertvoll die Beschaffung von Wasser für einen Ort mit rückständiger Infrastruktur ist und wie groß dort die Dankbarkeit für Hilfen ausfällt, motivierten zum Engagement.

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Seit 2012 unterstützt der frühere Pfarrgemeinderat und heutige Seniorchef des Rickenbacher Recycling-Unternehmens Vogt-Plastic mehrere Hilfsprojekte in Tansania, die von dem in Görwihl lebenden Ehepaar Claes und Angelika Dahlin zuvor angestoßen wurden. Sie bezogen sich auf den Ort Hale, in dem der christliche Pfarrer Thomas Msagati viel zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Landbewohner beiträgt.

Dies führte im Lauf der Jahre zu einer immer größer werdenden Unterstützung aus der Hotzenwaldbevölkerung und ihrer Pfarreien. „Das ist sehr schön, dass wir bei den vielen Aufgaben nicht allein dastehen“, lobt Vogt auch die inzwischen aufgebaute Partnerschaft zwischen den Pfarreien in Hale und dem Hotzenwald. Weil aber schon viel über diese Partnerschaft in Hale bewegt wurde, suchte Vogt bei der Gründung seiner Stiftung nach neuen Herausforderungen.

Durch Zufall neues Projekt

Eher durch Zufall geriet dabei der Bau einer Wasserleitung für das nicht weit von Hale entfernte Dorf Kibanda ins Visier. Als er erfuhr, wie in dieser Gemeinde viele, für die Ernährung wichtige Früchte wegen mangelnder Konservierungsmöglichkeiten verfaulen, fragte er vor Ort nach den Gründen des Missstandes. Dabei wurde er unter anderem auch auf die schlechte Wasserversorgung des abgelegenen Dorfes aufmerksam gemacht, was eine Voraussetzung für eine Verbesserung der Lage war. Die verfügbaren Tiefbrunnen waren anderthalb Kilometer von den Wohnstätten entfernt und das kostbare Wasser muss bis jetzt meist von Frauen mit Kübeln auf den Köpfen transportiert werden.

Auch Ordensschwester beteiligt sich

Schnell kam in der Gesprächsrunde dann auch der Wunsch nach Abhilfe zur Sprache. Diese nahm mit der gemeinsamen Planung einer Wasserverbindung und dem Bau von zwei jeweils 40 Kubikmeter Wasser speichernden Zisternen im Dorf eine konkrete Gestalt an. Die Stiftung übernahm die Organisation und Finanzierung des Materials und die Bevölkerung übernahm die Arbeitseinsätze. Unterstützung für das Projekt kam dann von der seit 30 Jahren in Tansania wirkenden deutschen Ordensschwester Karin, die den Bau von Wasserspeichern an vielen Orten voranbrachte und die auch in Kibanda das Zisternenprojekt von Anfang an begleitet.

Zuschuss vom Bund

Nachdem die Untersuchung der eigenen Tiefbrunnen gute Werte erbrachte, wurde auch das vom Bund geförderte Versorgungsprojekt angepackt. Vom Deutschen Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit gab es über die Kleinprojekteförderung einen Zuschuss. Derzeit finanziert die von Josef Vogt betreute Stiftung auch die Schulkosten und die Internatsunterbringung von drei Jugendlichen, die in den Bereichen Elektrotechnik, Haushaltswirtschaft und Mechanik die Fachschulen im 100 Kilometer weit entfernten Tanga besuchen. Vogt betrachtet alle Hilfen als ein Geben und Nehmen. Denn auch das Kennenlernen der Lebensweisen in anderen Kulturen kann für die Helfer fruchtbar sein.

In Erinnerung bleiben den Helfern zudem die beeindruckenden Formen, mit denen in Afrika Dankbarkeit über Güterlieferungen und Freude über Helferbesuche ausgedrückt werden. In der Region von Hale und Kibanda erlebten sie auch, wie christliche und muslimische Geistliche ortsübergreifend für gemeinnützige Projekte gut zusammenarbeiten.