Blutende Finger, lästernde Partyplanerinnen, in Ohnmacht fallende Herren und vieles mehr gab es beim Theater des Musikvereins „Alpenblick„ Willaringen in der Gemeindehalle am zweiten Weihnachtsfeiertag zu sehen. Außerdem jede Menge anderer kurioser, burschikoser, morbider, aber immer kurzweiliger Szenen, garniert mit Dialogen, für die es zwar keinen Literaturpreis geben würde, die jedoch den Nagel auf den Kopf trafen. 

Mehr als zwei Monate lang hatte das zehnköpfige Ensemble für die beiden Auftritte am Donnerstag – die Hauptprobe am Nachmittag sowie die Abendvorstellung – geprobt. Der Lohn waren sehr gut besuchte Vorstellungen und viel Applaus.

Unter der Regie von Wilfried Werner zeigten die Laiendarsteller große Spielfreude. Dabei schlug die Theatergruppe mit dem Stück „Typisch: Männer und Frauen“ von Andreas Kroll einen völlig neuen Weg ein. Anstatt eines „normalen“ Zwei- oder Dreiakters brachte sie eine lose Folge unterschiedlich langer Sketche auf die Bühne.

Die Umbauzeiten dazwischen füllten Peter und Cordula Zimmermann als Bühnenmoderatoren mit witzigen Anekdoten aus dem Leben einer Ehe.

Moderatoren: Peter und Cordula Zimmermann moderierten das Willaringer Theater mit viel Witz.
Moderatoren: Peter und Cordula Zimmermann moderierten das Willaringer Theater mit viel Witz. | Bild: Peter Schütz

Diese und andere Formen der partnerschaftlichen Beziehung standen im Fokus der Aufführung. Klar, dass es dabei alles andere als zimperlich zuging. Entsprechend direkt war manchmal die Wortwahl. Selbst dann, wenn die Lage ernst war, blieb es heiter.

Natürlich spielte das Stück mit Klischees. Frauen können aus einer Mücke einen Elefanten machen. Männer werden immer gleich laut, wenn sie nicht weiterwissen. Frauen sehen in jeder Ecke Spinnweben. Männer eher nicht.

Alles so rosa hier? Andreas Keller und Michaela Zimmermann überzeugten im Sketch „Das Geburtstagsgeschenk“.
Alles so rosa hier? Andreas Keller und Michaela Zimmermann überzeugten im Sketch „Das Geburtstagsgeschenk“. | Bild: Peter Schütz

Aber es gab auch Situationen, die diese Klischees ins Gegenteil umkehrten. Männer sind taff? Von wegen.

Gleich im Auftakt zeigten Holger Albiez und Michael Walter die weiche Seite des nur scheinbar starken Geschlechts. Ein paar Tropfen Blut genügten, um sie aus der Fassung zu bringen. Auch in den anderen Sketchen blieben die Männer ihren Ruf als Helden des Alltags schuldig.

Die Frauen hingegen – o lala! Sie hatten es faustdick hinter den Ohren.

Kein Bettgeflüster: Martina und Holger Albiez haben sich was zu sagen.
Kein Bettgeflüster: Martina und Holger Albiez haben sich was zu sagen. | Bild: Peter Schütz

Martina Albiez schickte ihren Gatten von einem Albtraum in den nächsten und holte am Ende noch die Bratpfanne unterm Bett hervor.

Jetzt wird‘s gefährlich: Martina Albiez holt die Bratpfanne hervor.
Jetzt wird‘s gefährlich: Martina Albiez holt die Bratpfanne hervor. | Bild: Peter Schütz

Tanja Schmidt und Heidi Sutter überließen bei der Planung einer Geburtstagsfeier nichts dem Zufall. Sutters Demonstration einer den Zaun des Nachbarn abfackelnden „Grußes aus Darmstadt„ löste schallendes Gelächter aus.

Auch die anderen Darsteller boten bestes Kino. Selbst dann, wenn sie wie Konrad Waßmer nicht mehr zu sagen hatten als „Was git‘s Neus?“ Andererseits blieben elementar wichtige Fragen unbeantwortet. Kriegen Männer mit Glatze Schuppen? Wachsen Haare auch aus den Ohren? Und was ist mit penetrantem Fußgeruch?

Kuriose Szenen: „Kriegen Männer mit Glatze Schuppen?“ Solche und andere Fragen stellte Martina Lütte.
Kuriose Szenen: „Kriegen Männer mit Glatze Schuppen?“ Solche und andere Fragen stellte Martina Lütte. | Bild: Peter Schütz

Alles schon mal gesehen oder gehört? Kein Wunder. Theater ist manchmal wie daheim. Und so hat sich am Donnerstag vielleicht der eine oder die andere ein Stück weit selber erkannt.