Einen lockeren Neujahrsempfang mit unfreiwilliger Showeinlage bescherte Bürgermeister Dietmar Zäpernick seiner Gemeinde am Dienstagabend. Dazu gab es ausgewählte junge Rickenbacher Musiktalente, die unter der Regie von Klaus Siebold für Musikgenuss der besonderen Art sorgten. Nachdenklich und sehr weit gefasst fiel indessen der Jahresrückblick des Ratschefs aus.

Gut besucht und damit geschätzt war der Neujahrempfang der Gemeinde Rickenbach in der Willaringer Gemeindehalle. Gut 150 Gäste schüttelten sich reihum die Hände und genossen lockere Gespräche zum Neuen Jahr. Besonders wertvoll machten vier junge Musiker den Abend, die unter der Regie des ehemaligen Leiters der Jugendmusikschule Bad Säckingen, Klaus Siebold, mehr als nur Talent zeigten. Zu temporeichen Höchstleistungen spornte Siebold Joachim Wehrle auf seiner Klarinette an.

Lukas Eckert entlockte in einem jazzigen Solostück mit der Begleitung von Siebold seiner Tuba selten gehörte Tonvariabilität und Melanie Wehrle begeisterte mit gefühlvollen Klarinettenklängen. Als kaum noch eine Steigerung an Talent möglich schien, betrat Tabea Käser die Bühne und sang zwei gefühlsbetonte Lieder von Adele. Das, laut Siebold, Bürgermeister Dietmar Zäpernicks guter Amtsführung gewidmete Lied „Someone like you“, trieb dem glatt die Tränen in die Augen. Auch Tabeas „Hello“ an das neue Jahr überzeugte mit ihrer rauchig variablem Stimmfeld die Zuschauer. Hier gab es eine unfreiwillige Wiederholung, nachdem der Klavierhocker von Klaus Siebold am Keyboard unter dem Gewicht von derart viel Gefühl zusammenbrach.

Locker und flockig sprintete Bürgermeister Zäpernick auf die Bühne, Siebold rappelte sich lachend auf, Ralf Eckert, verantwortlich für Ton und Sound, reichte einen neuen Stuhl und Tabea startete stimmgewaltig neu. Wie schnell die Zeit vergeht, spulte Zäpernick in seinem Jahresrückblich ab. Bebauungspläne, Naturdenkmale, Bienenweiden, die Schule, die auch dieses Jahr beschäftigen werde, die Feuerwehr und ihr Bedarf, sowie das Emotionsthema Windkraft brausten durch die Halle. Auch Wasser war Thema. Bei den Diskussionen rund um die Ersatzwasserversorgung anlässlich des geplanten Pumpspeicherwerks Atdorf II, wünscht sich der Ratschef „mehr Sachlichkeit und weniger Emotionalität“. Für ihn ist das Vorhaben „hochspannend“ und berge viele Vorteile für die Gemeinde und „ja, es hat auch schon einige gebracht“, sagte er.

Auch er sehe Gefahren für die Natur, aber wie beim Thema Windkraft bedürfe es einer sorgfältigen Abwägung. Für eine lebenswerte Zukunft seien „geringe Opfer nötig“. Für das Modellprojekt „Ärztehaus“ will er die Voraussetzungen schaffen.

Einbrüche, Kunstrasen, Straßensanierungen und das gute Miteinander mit den vor Ort untergebrachten Flüchtlingen, streifte er. Dann kam der große Schwenk in die Weltgeschichte und beinahe schon staatsmännische Gedanken. Zäpernicks Fazit: „Das Leben in Deutschland war selten sicherer als heute. Und dennoch leben wir in ständiger Verunsicherung und Angst. Ich finde, es lohnt sich, darüber nachzudenken“. Und weiter: Dass das beste immer zum Schluss komme und das nicht nur geografisch, zeige Rickenbach.