Dicke Luft hat es im Rickenbacher Gemeinderat gegeben: Weil dieser unzureichende Antworten auf Fragen bezüglich zweier Arbeitsvergaben beim An- und Umbau der Grundschule erhielt, kam es in der jüngsten Sitzung zu Unmutserklärungen. Zwar seien der Baufortschritt und die finanzielle Situation zufriedenstellend, erklärte Jürgen Spiecker vom mit Planung und Bauleitung beauftragten Architekturbüro Spiecker-Sautter-Lauer aus Freiburg. Aber: Bei Anfragen aus dem Gemeinderat bezüglich einer Fensterfront und einer küchentechnischen Anlage blieb er Antworten schuldig.

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Das brachte Gemeinderat Werner Schlachter auf die Palme. „Wir entscheiden immer über Angebote, aber wir wissen nicht, was wir entscheiden“, schimpfte er, „wir müssen nehmen, was wir kriegen.“ Schlachter bezog sich auf den Vergabevorschlag für Fenster am bestehenden Schulhaus sowie Außentüren und Sonnenschutz zu insgesamt 626 633 Euro an den wirtschaftlichsten Bieter. Diesen Vorschlag hatten zuvor Martina Lütte und Walter Waßmer mit dem Hinweis, dass die Fenster an der südöstlichen Außenfassade des Altbaus erst vor sechs Jahren eingebaut wurden, in den Fokus gerückt. Waßmer sagte: „Die Fenster sind 2013 für 105 000 Euro eingebaut worden, es ist Wahnsinn, sie wieder zu ersetzen.“

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Darauf antwortete Jürgen Spiecker: „Die Fenster passen nicht mehr, sie sind zu groß, weil die Öffnungen kleiner werden.“ Sein Kollege, in dessen Zuständigkeit laut Spiecker diese Maßnahme falle, war jedoch nicht anwesend, weshalb die Begründung des Architekten vage ausfiel. Er gehe aber davon aus, so Spiecker, dass die Gründe für den Fensteraustausch „sicher stichhaltig sind und dass das Ganze von uns geprüft worden ist“. Womit Martina Lütte nicht zufrieden war: „105 000 Euro ist für eine Gemeinde wie uns viel Geld, da ist mir die Außenfassade so was von schnurz.“

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Widerspruch kam von ihrem Ratsnachbarn Andreas Vogt: „Wir bauen eine Schule für acht Millionen Euro, da ist mir die Außenfassade überhaupt nicht schnurz. Wir können jetzt nicht die Außengestaltung ad absurdum führen.“ Auch Bürgermeister Dietmar Zäpernick reagierte ungehalten. „Jetzt, wo wir bei der Ausschreibung sind, sind wir bei der Diskussion, aber wir sind unter Zeitdruck. Was erwarten Sie?“, fragte er. Sein Vorschlag: den Auftrag zu vergeben, vorbehaltlich einer fachlichen Prüfung. Dem folgte der Gemeinderat mehrheitlich.

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Eine ähnliche Situation gab es beim Vergabevorschlag für die Schulküche zum Preis von rund 142 000 Euro. Martina Lütte wollte wissen, was in der Küche drin ist, worauf Jürgen Spiecker wieder passen musste. Die Ausschreibung habe ein externes Büro gemacht, erklärte er, „aber das sitzt hier nicht am Tisch“. Lüttes Reaktion: „Wenn wir eine Frage haben, können Sie nichts dazu sagen. Ich bin enttäuscht.“ Zumal, so Lütte, in der Küche gar nicht gekocht wird, sondern lediglich die Mahlzeiten erwärmt werden. Rat Manfred Eckert sagte dazu: „142.000 Euro für eine Küche, die nicht kochen muss, verstehe ich nicht.“ Unverständnis äußerte er auch über die Kostenüberschreitung von 30 Prozent, „aber offenbar gab es keinen Wettbewerb“. Bürgermeister Zäpernick stellte in Aussicht, dem Gemeinderat zeitnah eine Liste der einzubauenden Geräte vorzulegen. Auch die Frage nach den 16.000 Euro hohen Wartungskosten für die Küche soll geklärt werden.

Der Sachstand auf der Grundschul-Baustelle

Wie ist die Situation auf der Baustelle an der Grundschule Rickenbach? Dort wird derzeit der Rohbau für den Anbau erstellt. „Wir sind im Zeitplan“, berichtete Architekt Jürgen Spiecker, „solange das Wetter hält, gucken wir, den Rohbau fertig zu kriegen.“ Ideal wäre, im Winter den Innenbereich machen zu können. Das Projekt sei auf gutem Weg, so Spiecker. Beim ersten Bauabschnitt (Anbau) liege man zwar 100 000 Euro über den errechneten Kosten, beim Umbau (Bauabschnitt 2, Sanierung des Altbaus) um 100 000 Euro darunter. „Wir haben fast eine Null“, sagte er. Bislang seien 4,6 von 6,6 Millionen Euro reine Baukosten vergeben worden. Mit dem Ausschreibungspaket 3 (Ausstattung et cetera) seien noch 23 Prozent zu vergeben. Spiecker: „Sie haben eine relative Kostensicherheit.“ Dazu erklärte Rechnungsamtsleiterin Hildegard Bayer: „Haushaltsrechtlich ist alles abgedeckt, wir können die Aufträge vergeben.“ Vom Ausgleichsstock fließen 600.000 Euro, weitere Zuschussanträge sind gestellt. Eine Kreditaufnahme kommendes Jahr sei jedoch, auch mit Blick auf den Breitbandausbau, „unausweichlich“, so Bayer.