Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Diese Erkenntnis lässt sich ohne weiteres auf das Rickenbacher Rathaus umsetzen. Das ist nach der Renovierung ja ganz schön geworden, mit einer edlen Fassade und einem von Daniel Huber geschaffenen Gelände, vor dem aber ein Insektenhotel steht, so dass die Sicht auf die kunstvollen Ortswappen teilweise verbaut ist. In Zeiten wie diesen darf man natürlich wegen so was nicht meckern, sonst fliegen einem die Äpfel um die Ohren. Aber wundern darf man sich schon, erst recht, wenn es am Fuß des Insektenhotels herzlich wenig gibt, was dessen Bewohner einnehmen können. Die haben sicher auch gerne Fastfood direkt vor der Haustüre, aber so, mangels Blühten, müssen sie ausfliegen. Nur wohin? Die Bäume, die vorher auf dem Parkplatz standen, sind weg. Neue wird es wohl kaum geben, schon alleine wegen dem Laub, das spätestens im Herbst als Sicherheitsrisiko eingestuft wird.

Der nächste Strauch ist entweder im Hirschgarten oder auf der gegenüberliegenden Straßenseite, deren Überquerung für Insekten jedoch genauso gefährlich ist wie für unsereins. Der nächste Hummeltummelplatz ist 400 Meter entfernt und ist für Tiefflieger ebenfalls nur unter Lebensgefahr zu erreichen. Da macht es doch Sinn, das etwa zwei Quadratmeter große Plätzchen beim Rathaus aufzumöbeln, so, wie es Gemeinderätin Martina Lütte diese Woche gefordert hat. Herbstanemone rein, vielleicht Septemberkraut, das sieht dann gleich netter aus. Gerne auch etwas Niedliches wie das Berg-Sandglöckchen. Wer´s opulent mag, zieht Königskerzen vor, die dann aber, wenn sie verblüht sind, nicht ausgebuddelt werden dürfen, weil die Insekten in ihnen überwintern möchten, was wiederum dessen Nutzen in Frage stellt. Worauf die Anhänger des Metallgeländers sich in ihrer Ansicht bestätigt fühlen könnten, dass es das Insektenhotel gar nicht braucht. Alles gar nicht so einfach also. Da summen und surren die Gedanken irgendwann ziemlich wild durcheinander. Wie im echten Insektenhotel, nur dass dieses quasi im eigenen Kopf steht.

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