Der Gemeinderat Rickenbach hat am Dienstag die Einrichtung einer Schulsozialarbeiterstelle bei zwei Enthaltungen mehrheitlich beschlossen, den Zeitanteil aber offen gelassen. Vorausgegangen war ein Antrag auf Unterstützung bei der Einrichtung einer solchen Stelle von der Grundschule Rickenbach und der Gemeinschaftsschule Hotzenwald in Herrischried.

Darin heißt es, dass im Hotzenwald wegen der langen Anfahrtswege Unterstützungsangebote des Landkreises, des Landes oder privater Träger bei Erziehungsfragen und -problemen wenig genutzt werden, „was aber nicht bedeutet, dass der Bedarf nicht da ist“, so die Rektoren Marianne Husemann (Her­rischried) und Bernd Mugrauer (Rickenbach). Ein Schulsozialarbeiter könnte hier eine Lücke schließen, halten sie fest.

Präventive Lösungen vor Ort

Durch dieses Angebot könnte eine Brücke gebaut werden, um sich an die Stellen wenden zu können, die tatsächlich helfen könnten. „Einfachere Fragestellungen könnten vor Ort gelöst werden“, so Husemann und Mugrauer in dem dieser Zeitung vorliegenden Schreiben, „zudem wäre ein Sozialarbeiter in der Lage, mit allen Beteiligten präventiv zu arbeiten“.

Die Notwendigkeit einer Schulsozialarbeiterstelle stellte die Mehrheit des Rickenbacher Gemeinderats nicht grundsätzlich infrage. „Die Einrichtung dieser Stelle ist sinnvoll“, bemerkte Stefanie Schneider, „denn die Verhältnisse in der Stadt sind auf dem Land angekommen“.

28 000 Euro Kosten für Gemeinden

Was zu Diskussionen führte, waren die Kosten. Laut Verwaltung würde eine Vollzeitstelle je nach Alter und Berufserfahrung eines Sozialarbeiters rund 60 000 Euro kosten. Abzüglich möglicher Zuschüsse durch Land und Landkreis müssten die Gemeinden Herrischried und Rickenbach 28 000 Euro tragen – jede Gemeinde 14 000 Euro bei halber Inanspruchnahme.

Gemeinderätin Martina Lütte war dies zu viel. Sie sei erstaunt, dass für rund 500 Schulkinder (240 in Herrischried, 250 in Rickenbach) eine Vollzeitstelle benötigt wird. „Ich finde 100 Prozent für unsere Schule überzogen“, sagte sie, „70 Prozent würden reichen, das ist schon luxuriös“.

Bürgermeister befürwortet Einrichtung

Bürgermeister Dietmar Zäpernick und Andreas Vogt sprachen hingegen von „gut investiertem Geld“. Ähnlich Ehrfried Mutter: „Wir brauchen die Sozialarbeit, das ist eine nachhaltige Investition“. Es sei nicht so, dass im ländlichen Raum die idyllische Erziehung stattfindet, sagte er. Eigentlich von den Eltern zu erfüllende Erziehungspflichten würden vermehrt an die Schulen abgegeben. Aber: „Ein Lehrer kann nicht 28 Kinder erziehen“, so Mutter.

Matthias Vogt wollte „zuerst testen, wie es läuft“. Peter Kermisch fand, dass mit einer Halbtagsstelle begonnen werden soll, „dann kann man immer noch ausbauen“. Worauf Ehrfried Mutter entgegnete: „Wir sparen am falschen Ort. Die Vollzeitstelle wird ausgelastet sein.“ Nächsten Montag liegt der Ball beim Herrischrieder Gemeinderat. Auch er wird sich mit dem Thema beschäftigen.