Auf dem Weg zum schnellen Internet ist Rickenbach einen Schritt weiter. Am Dienstag beschloss der Gemeinderat die Masterplanung für das Ortsnetz der Breitbandverkabelung der Gemeinde. Außerdem beschloss er die Antragstellung für das Glasfasernetz und beauftragte die Verwaltung, den entsprechenden Antrag für die Bundesförderung zu stellen. Die Planungskosten werden bei interkommunaler Zusammenarbeit – Rickenbach plant zusammen mit Herrischried, erfüllt also diese Voraussetzung – mit bis zu 90 Prozent bezuschusst.

1,2 Millionen Euro Kosten bei 90 Prozent Förderung

Den Beschlüssen vorausgegangen war eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, durch das die Experten Gerhard Albicker und Max Arzner führten. Dabei ging es auch darum, welche Ortsteile Rickenbachs als „weißer Fleck“, also mit geringen Datenübertragungsraten, gelten und welche gut da stehen. Zu Letzteren gehören der Hauptort Rickenbach sowie Teile von Bergalingen und Altenschwand.

Übertragungsrate von mindestens 30 MB/s

Die Deutsche Telekom meldet nach Angaben von Albicker den Ausbau von 790 Haushalten alleine in Rickenbach. Ein Teil davon sei bereits ausgebaut, so Albicker, der restliche Ausbau soll in den nächsten drei Jahren erfolgen. Auch die Firma RST Datentechnik (Albbruck) meldet versorgte Gemeindegebiete mit einer Übertragungsrate von mindestens 30 Megabyte pro Sekunde (MB/s). Was laut Albicker zur Folge haben kann, dass nicht alle Rickenbacher Bewohner auf das neue Breitbandangebot von Landkreis Waldshut und den Gemeinden umsteigen werden. „Wir rechnen mit einer Anschlussquote von 70 Prozent“, sagte Albicker.

„Wir rechnen mit einer Anschlussquote von 70 Prozent“, erklärte Gerhard Albicker (links, mit Max Arzner) in der Gemeinderatssitzung in Rickenbach.
„Wir rechnen mit einer Anschlussquote von 70 Prozent“, erklärte Gerhard Albicker (links, mit Max Arzner) in der Gemeinderatssitzung in Rickenbach. | Bild: Peter Schütz

Bürgermeister will 100 Prozent Anschlussgrad

Dennoch: Bürgermeister Dietmar Zäpernick gab als Ziel aus, alle Haushalten in der Gemeinde anzuschließen, auch die abgelegenen Häuser. Die Gemeinde Rickenbach hat 1128 Häuser. Bei einer Förderung von rund 90 Prozent blieben an der Gemeinde Rickenbach rund 1,2 Millionen Euro hängen, so Zäpernick. „Es gibt Ortsteile, die voll gefördert werden, dafür sollten jetzt die Anträge gestellt werden“, erklärte der Rathauschef. Dass Rickenbach erst jetzt an die Fördertöpfe ran will, kann Vorteile haben, lag die Förderquote zu Beginn der Breitbandplanungen bei „nur“ 50 Prozent. „Wir müssen länger warten, kriegen aber mehr Förderung“, so Dietmar Zäpernick.

Wie schnell die Tiefbauarbeiten zum Einbau der Rohre und Kabel vonstattengehen werden, machten die Experten am Beispiel Hottingen fest: Dort müssten 250 Haushalte angeschlossen werden, was, je nach Tiefbauer, ein halbes bis ein ganzes Jahr dauern könnte.

Breitband und Förderung

Das lokale Glasfasernetz soll die Verbindung zwischen dem vom Landkreis Waldshut erstellten Backbone (Rückgrat, die hauptverbindung) und den einzelnen Häusern ermöglichen. Am Ende soll ein Net z für beide Gemeinden Rickenbach und Herrischried vorliegen. Dazu sollen je Wohnung zwei und je Geschäft oder Firma vier Glasfasern zugeführt werden.

Der Landkreis Waldshut wird den Backbone den Gemeinden mit je zwei abgestimmten Übergabepunkten zur Verfügung stellen. Dadurch legt der Landkreis durch die Backbone-Planung den Grundstein dafür, dass für die Städte und Gemeinden des Kreises die Grundlage geschaffen wird, über zukunftsgerichtete Breibanddienste verfügen zu können. Für die Gemeinde Rickenbach ist die Übergabe der Backbone-Punkte für das Jahr 2021 vorgesehen.

Die Backbone-Trasse soll von Bad Säckingen via Egg, Rickenbach und Herrischried nach Todtmoos führen. Neben der Erstellung eines Masterplanes mit Kostenschätzung inklusive Refinanzierung, Strategieplanung und Marktanalyse beinhaltet die Planung folgende Punkte: Planung der Zentralen in Rickenbach und Herrischried, Planung der Rohranlagen von den Zentralen (Übergabepunkte des Backbones) in die Ortsteile des Gemeindegebietes, Planung der Rohranlagen in den Hauptorten und in den Ortsteilen, Festlegung der Fasern pro Gebäude, Berücksichtigung von Reservefasern pro Quartier für zukünftige Erweiterungen sowie Bestimmung der notwendigen Faserzahl (Kabelgröße) zwischen den Hauptorten und den Ortsteilen.

Der Fördersatz beträgt grundsätzlich 50 Prozent (Basisfördersatz) der zuwendungsfähigen Ausgaben. Eine Ko-Finanzierung kann aus Landesmitteln bis 40 Prozent betragen (wie in Baden-Württemberg). Die Gemeinde muss aber mindestens 10 Prozent der Kosten selbst tragen.