„Die Segelfliegerei, so wie sie heute ist, ist kaum noch mit den 60er Jahren zu vergleichen“, fasst Eckehard Neubronner die Entwicklung in diesem Sport zusammen. Er hatte damals schon seinen Pilotenschein und erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung an jene Zeiten der Fliegerei in den 60er Jahren.

Flieger werden geschoben

Auf dem Segelflugplatz in Hütten ist gerade nicht viel los. Ein Flugzeug wird mit einem Traktor zum Ausgangspunkt gezogen, ein Motorflieger zieht den Segler anschließend in die Lüfte. „Damals mussten wir die Flugzeuge noch zum Startpunkt schieben“, erzählt Neubronner. Ein Motorflugzeug wäre seinerzeit viel zu teuer gewesen. „Die Winde war das, was man sich leisten konnte“, erklärt Neubronner.

Winde wird selber gebaut

Damals hat die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald ihre Winde im Verein selber gebaut. Neubronner weiß auch noch genau, wie man das damals gemacht hat: Bei einem Auto wurde der Reifen abmontiert und das Seil dann auf die Felge gezogen. Heute ist die Winde ein eigenständiges großes und PS-starkes Gefährt. Was sich in der Zwischenzeit noch verändert hat: Das Schleppseil war damals ein Stahlseil, heute ist es ein Kunststoffseil.

Ein Riesenfortschritt

Dabei waren die Flugzeuge damals noch leichter als heute. Die Materialien, die dafür verwendet wurden: Sperrholz, Leinwand und Stahl. Heutzutage sei ein Segelflugzeug aus Kunststoff und schwerer, aber wenn man es am Boden schieben muss, sei es wendiger. „Das war ein Riesenfortschritt“, berichtet Neubronner.

Eckhart Neubronner berichtet von der Fliegerei in den 60er Jahren.
Eckhart Neubronner berichtet von der Fliegerei in den 60er Jahren. | Bild: Gabriele Rasenberger

Während Neubronner aus den 60er Jahren erzählt, ist ein junger Segelflieger bei seinen wiederholten Starts zu sehen. Bei der Luftsportgemeinschaft kann man schon ab 14 Jahren alleine zu fliegen. Die Voraussetzung dafür: Mehrere Stunden Erfahrung mit einem Fluglehrer, der hinten im Flugzeug sitzt und anschließend nur Fliegen in Sichtweite des Flugplatzes in Hütten. Den Pilotenschein kann man dann im Alter von 16 Jahren machen. Hierfür gibt es eine theoretische Prüfung und als praktische Prüfung einen Überlandflug von 50 Kilometern Länge.

Elo Umlauf, der 1964 den Pilotenschein gemacht hat.
Elo Umlauf, der 1964 den Pilotenschein gemacht hat. | Bild: Gabriele Rasenberger

Elo Umlauf, der zufällig dazukommt und 1964 den Segelflugschein gemacht hat, weiß, wie leicht es im Gegensatz zu heute damals war: Es gab drei Übungsflüge und den Prüfungsflug, das war alles. Und etwas langsamer war es damals insgesamt. Neubronner erzählt, dass die Gleitzahl, gemessen an der Gleitzahl, 1:38 betrug. Dies bedeutet: Auf einen Kilometer Höhe konnte man 38 Kilometer gleiten. Heute beträgt diese Zahl bei guten Segelfliegern 1:60. Das beste Segelflugzeug ist zurzeit Nimbus mit einer Spannweite von 27 Metern. Nimbus ist das „Nonplusultra von den Segelfliegern“, wie Neubronner betont.

Der Wandersegelflug

Und während wegen des Wetters kein Segler starten möchte und alle Flieger in der Halle stehen, wird vom früheren Wandersegelflug erzählt. So, wie andere Leute über mehrere Tage zum Wandern gehen, kann man diese längeren Touren ebenfalls mit dem Segelflieger absolvieren. Anhand einer Flugkarte hat man seinerzeit geschaut, wo es hingehen soll und gehofft, das Ziel auch zu erkennen. Man muss sich dies vorstellen: Kein Mobiltelefon, kein Handy. „Das war immer a bisserl aufregend“, sagt Neubronner und erzählt, dass es nicht nur einmal vorgekommen ist, dass er eben nicht am Flugplatz gelandet ist. Er erinnert sich noch daran, dass er einmal in einer Herde von ungefähr 250 Kühen gelandet ist.

GPS und Internet helfen enorm

Dank der Ortung mit GPS ist dies heutzutage nicht mehr so leicht der Fall wie früher. Der Flugplatz wird normalerweise gefunden. Auch das Internet sei als großer Fortschritt zu loben, da dort jeder seinen Flug bei OLC einstellt. Hier können andere viel von diesen Flügen lernen.

Ersatz für verbotene Fliegerei

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg durften die Deutschen keine Motorfliegerei betreiben. Deshalb begann die Segelfliegerei. Offiziell genehmigt wurde es 1952. Der Flugplatz Hütten ist seit 1950 in Betrieb. Doch auch vor dem Krieg wurde von hier geflogen. Ungefähr 1956/1958 wurde die Halle gebaut. Die Flugzeuge, die hier stehen, gehören den Vereinen und dürfen von allen geflogen werden. Wichtig ist jedoch, dass man sich auf alle Fälle im Verein mit einbringt. Wenn nicht geflogen wird, sind die meisten Segler abgebaut, sodass sie auch als Anhänger transportiert werden können. Gute Flüge werden im Internet bei OLC veröffentlicht.