Im Luzerner Kunstmuseum ging am 10. September 1985 eine große Ausstellung zu Ende. Sie war dem deutschen Expressionisten August Babberger gewidmet, zu seinem „100. Geburtstag und 50.Todesjahr“, wie die Plakate vermeldeten. Diese Ausstellung war nicht von ungefähr in Luzern, stammt doch die Frau des Künstlers, Anna Maria Toblerin, ebenfalls eine Malerin, aus Luzern. Schweizer Künstler und Kunstgeschichtler zählen August Babberger zu den Ihrigen, und doch – in seinen Adern floss Hotzenwälder Blut. Denn seine Mutter stammte aus Strittmatt.

Großer Alpenmaler der Neuzeit

Babbergers Heimat ist dem gebürtigen Wiesentäler der ganze alemannische Raum bis hin zu den Alpen. Ja gerade diese haben ihn nicht mehr losgelassen, und so gilt er als ein großer Alpenmaler der Neuzeit. Seine großflächigen Kompositionen hingen in der Luzerner Ausstellung neben jenen von Hodler und Kirchner. Der künstlerisch progressive August Babberger hat in verschiedenen Techniken Bleibendes geschaffen: Wandbilder-Zyklen, Mosaik- und Majolikabilder, Glasfenster und Wandfliesen, Holzschnitte und Radierungen und immer wieder die großformatigen Gemälde, in deren Mittelpunkt Menschen und Natur stehen.

Schwarze Wolken am Künstlerhimmel

Kein Geringerer als Hans Thoma hat die zeichnerische Begabung des nach manchen Irrwegen mittellosen jungen Mannes erkannt und ihm seine Förderung angedeihen und ein Stipendium vermitteln lassen. 1920 erhielt Babberger einen Ruf als Professor an der Landeskunstschule Karlsruhe, deren Direktor er dann von 1923 bis 1930 wurde. Mit dem Dritten Reich zogen für ihn schwarze Wolken am Künstlerhimmel auf. 1933 wurde Babberger als „entarteter Künstler“ seines Lehramtes enthoben und aus Karlsruhe verjagt.
Intarsienarbeiten an der Spielbank in Baden-Baden waren sein letztes Werk für ein öffentliches Gebäude in Deutschland.

Künstler stirbt im Alter von 51 Jahren

Dann floh der Künstler mit seiner Frau in die Schweiz, wo er besonders die bizarren Formen der Hochgebirgslandschaft auf die Leinwand bannte. Nicht mehr lange, denn schon am 3. September 1936 starb August Babberger an den Folgen einer Halsoperation in Altdorf (Kanton Uri), wo er auch begraben ist. Im Luzerner Ausstellungskatalog hieß es in der Biographie des Künstlers unter anderem: „Seit 1922 Aufenthalte in der Künstlersiedlung Höll bei Urberg im Wiesental bei Rudolf Gudden und Robert Hoffmann“.
Nun, anstelle Wiesental muss es natürlich Albtal heißen. Elmar Zimmermann aus Stühlingen gebührt der Verdienst, in seiner 1979 veröffentlichen Dokumentation „Eine Künstlersiedlung in unserer Heimat“ die Geschichte der drei genannten außergewöhnlichen Maler aufgezeichnet zu haben. Dabei vermerkte er, dass Babberger auch nach seiner Emigration in die Schweiz immer wieder bis zu seinem frühen Tod in die „Höll“ bei Urberg gekommen ist, um zusammen mit seinen zwei Malerfreunden in diesem „verlorenen“ Winkel des Hotzenwaldes, wo er in der einstigen Nagelschmiede ein Stück Heimat fand, zu malen.

Die Heimat des Malers

Im Dezember 1985 wurde in Hausen im Wiesental auf Anregung des Landesvereins „Badische Heimat“ eine Gedenktafel an jenem Haus angebracht, in dem der berühmte Expressionist und langjährige Direktor der Landeskunstschule Karlsruhe am 8. Dezember 1885 als Sohn des aus Auggen stammenden Zimmermanns August Babberger geboren wurde. Und seine Mutter? Diese kam mitten aus dem Hotzenwald. Apollonia Matt erblickte am 25. Juli 1857 in Strittmatt das Licht der Welt. Ihr Vater hieß Bruno Matt, er wohnte im Oberdorf; „’s Brunos“ hieß das Hotzenhaus, bis es in der Nacht am 31. März 1965 niederbrannte. Das Gebäude der Schluchseewerk AG steht heute etwas vorgezogen auf dem Platz. Wie viele junge Menschen jener Jahre, die die heimische Scholle nicht mehr ernähren konnte, zog Apollonia Matt ins Wiesental, wo die aufkommenden Fabriken immer mehr Arbeitskräfte anlockten. In Hausen schenkte sie ihrem später berühmt gewordenen Sohn das Leben. Nachdem schon aus Strittmatt der Vater des genialen Brückenbauers Blasius Baldischwielers stammt, gereicht es dem kleinen Hotzenwalddorf zur Ehre, dass in seinen Mauern unter einem Strohdach auch die Mutter eines bekannten Künstlers zur Welt kam.