Die Situation der Landwirtschaft und das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf waren die vorherrschenden Themen beim Besuch des FDP-Bundestagkandidaten Daniel Poznanski (45) am Montagabend auf dem Hof der Familie Schleicher in Bergalingen. Poznanski hatte vorher zusammen mit dem FDP-Stadtverband Bad Säckingen-Wehr mittelständische Unternehmen besichtigt. Dabei hatte er unter anderem einen Abbau der Bürokratie gefordert – Bürokratie, „von der auch die Landwirtschaft überfrachtet wird“, so sein Eindruck in Bergalingen.

Im Beisein von FDP-Kreisrat Klaus Denzinger, Johannes Schneider (FDP-Kreistagskandidat von 2014) sowie von Roland Schleicher (Herrischried) legte Poznanski den Fokus auf die Landwirtschaft, insbesondere auf die bislang ausgebliebenen Subventionszahlungen an die bäuerlichen Betriebe. „Das brennt uns unter den Nägeln“, berichtete Bernhard Schleicher, einer der letzten zwei Haupterwerbslandwirte in der Gemeinde Rickenbach. Wegen Softwareproblemen sind die in der Regel zwischen Dezember und Januar geflossenen Subventionen des Landes nicht angekommen – Geld, das die Landwirte etwa wegen der fälligen Versicherungsprämien jetzt benötigen, aber voraussichtlich erst ab April erhalten werden. Davon ist auch Bernhard Schleicher betroffen. In der vom schwachen Markt gebeutelten Landwirtschaft wird ohnehin mit jedem Euro gerechnet. Dass jetzt eine wichtige Stütze zum Überleben der Höfe ausbleibt, war für Daniel Poznanski nicht hinnehmbar, ebenso der niedrige Milchpreis. „Wie wenig würde es uns wehtun, wenn der Liter Milch zehn Cent mehr kosten würde“, rechnete er vor.

Bernhard Schleicher, auf dessen Hof 76 Tiere, davon 30 Milchkühe, leben, hat noch an anderer Front zu kämpfen. Im Zuge des geplanten Pumpspeicherwerks Atdorf soll er 37 Flurstücke auf den von ihm bewirtschafteten 75 Hektar Land als Ausgleichsflächen und für Technikmaßnahmen hergeben. „Flächen, auf der Technik drauf steht, kann ich nur beschränkt bewirtschaften“, erklärt er. Vorrangiges Problem ist aber, dass die Ausgleichsflächen dauerhaft in FFH-Schutzgebiete umgewandelt werden. Die betroffenen Landwirte dürfen die betroffenen Flächen dann zwar noch bewirtschaften, aber das Düngen wird ihnen untersagt. Was Höfe mit Viehwirtschaft in die Zwickmühle bringt, denn wohin sollen sie den Dung abführen?

„FFH würgt uns Landwirte an den Boden“, bemerkte Bernhard Schleicher. Und: „Durch die Kompensation stehen wir schlechter da als jetzt. Uns wird die wirtschaftliche Grundlage entzogen.“ Schleicher weiter: „Ich bin knallhart betroffen, mir geht es an die Existenz.“ Daniel Poznanski sagte dazu: „Mich erschüttert das.“ Sollte Atdorf gebaut werden, dürfte kein Landwirt schlechter als davor gestellt werden. Poznanski erachtete derartige, wie von Schleicher beschriebenen Eingriffe in die Eigentumsrechte als „skandalös“.

Zur Person

Daniel Poznanski wurde 1971 in München geboren. Er lebte lange Zeit in Bayern und Nordrhein-Westfalen und studierte Jura in Bochum. 1989 trat er der FDP bei und war später in verschiedenen Ämtern, etwa als Kreisvorsitzender in Herne, tätig. Seit Juli 2015 ist Poznanski Geschäftsführer des Kolleg St. Blasien. Der 45-jährige Jurist ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Bonndorf. Als politische Schwerpunktthemen nennt er Bildung, Bürokratieabbau und Integration.