Der Gemeinderat Rickenbach hat in seiner jüngsten Sitzung definitiv grünes Licht für die Einrichtung einer Schulsozialarbeiterstelle an der Grundschule in Rickenbach gegeben. Damit zog er mit dem Gemeinderat aus Herrischried gleich, der denselben Beschluss bereits im Mai gefasst hatte. Wie die Stelle besetzt wird, ist noch offen. Möglich wären zwei Einzelstellen zu je 50 Prozent oder eine 100-Prozent-Stelle.

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Was im Gemeinderat anfänglich für Verwunderung sorgte, war der Umstand, dass der Caritasverband Hochrhein die Betriebsführung übernehmen und wird, mit dem ein entsprechender Vertrag abgeschlossen werden soll. „Ich halte die Einrichtung dieser Stelle für absolut notwendig“, sagte Gemeinderat Andreas Vogt, „bin aber überrascht, dass Caritas jetzt im Boot sein soll.“ Denn eigentlich, so Vogt, sei es die „Kernkompetenz einer Verwaltung, Personal einzustellen“. Bürgermeister Dietmar Zäpernicks Erklärung: „In Herrischried hat der Gemeinderat beschlossen, dies über den Caritasverband zu machen.“ Und: „Wenn wir das über Caritas machen würden, wäre es deutlich erfolgsversprechender“, zeigte sich Zäpernick überzeugt.

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Mittlerweile habe die Verwaltung Landesförderung beantragt, auch vom Landkreis Waldshut sei Förderung möglich. Die Personalkosten bezifferte Zäpernick mit rund 60 000 Euro im Jahr, mit Betriebs- und Verwaltungsaufwand 70 000 Euro, die von beiden Gemeinden je zur Hälfte getragen würden. Abzüglich der zu erwartenden Fördermittel sei für Rickenbach mit Kosten von 17 000 Euro jährlich zu rechnen, so Zäpernick. „Das ist so kalkuliert, wie wir auch kalkulieren würden“, sagte er.

Bernd Mugrauer, Rektor der Grundschule Rickenbach.
Bernd Mugrauer, Rektor der Grundschule Rickenbach. | Bild: Peter Schütz

Bernd Mugrauer, Rektor der Grundschule in Rickenbach, appellierte an den Gemeinderat: „Für uns ist wichtig, dass Sie da einsteigen, um möglichst schnell jemand Kompetenten für unsere Schule zu finden.“ Der Bedarf sei vorhanden. Mugrauer sagte: „Wir haben zunehmend unterschiedliche familiäre Situationen – Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Trennungssituationen, Kinder mit Fluchthintergrund und Arbeitsmigration. Das schaffen wir im Kollegium nicht.“ Zudem seien ür Kinder in Krisensituationen die Wege nach Bad Säckingen oder Waldshut zu lang.

Hilfe direkt vor Ort

Die Schulsozialarbeit wäre ein „Angebot vor Ort, unterstützend und präventiv“, so Mugrauer. Und: „Bei 242 Schulkindern sehe ich die 50-Prozent-Stelle als eine wichtige Sache“, sagte er. Unterstützung erhielt er von Gemeinderätin Margrit Eckert-Schneider: „Wir sitzen da und haben keine Ahnung, was in der Schule abgeht. Da muss ein Schulsozialarbeiter her, um zu helfen.“ Laut Caritas-Fachbereichsleiter Michael Koubik hat die Schulsozialarbeit „eine beratende Funktion“. Zudem habe die Gemeinde „kein Risiko mit dem Personal“. Dass die Stelle auf zwei Jahre befristet werden soll, erklärte er so: „Das ist heute üblich und es könnte ja sein, dass es nicht funktioniert.“

Aufgaben und Hintergrund

  • Die Schulsozialarbeit: Mögliche Arbeitsfelder eines Schulsozialarbeiters an den beiden Schulen in Rickenbach und Herrischried sind: Einzelhilfe in individuellen Problemlagen wie Integration in die Klasse sowie wohnortnahe Beratung der Eltern, die mit den Erziehungsaufgaben stark gefordert oder überfordert sind; sozialpädagogische Gruppenarbeit, Arbeit mit Schulklassen und Durchführung von Projekten (Soziales Lernen, Sucht- und Mobbingprävention); Unterstützung der Kooperation von Schule und außerschulischen Partnern im sozialen Bereich. Die Beratung im Rahmen der Schulsozialarbeit ist verschwiegen und vertraulich.
  • Der Antrag: Der Rickenbacher Gemeinderat hatte bereits im Mai, wie der Herrischrieder Gemeinderat, die Einrichtung einer Schulsozialarbeiterstelle mehrheitlich beschlossen, den Zeitanteil damals aber offen gelassen. Vorausgegangen war ein Antrag auf Unterstützung bei der Einrichtung einer solchen Stelle von der Grundschule Rickenbach und der Gemeinschaftsschule Hotzenwald Herrischried. Darin hieß es, dass im Hotzenwald wegen der langen Anfahrtswege Unterstützungsangebote des Landkreises, des Landes oder privater Träger bei Erziehungsfragen und -problemen wenig genutzt werden – „was aber nicht bedeutet, dass der Bedarf nicht da ist“, hatten die Rektoren Marianne Husemann (Herrischried) und Bernd Mugrauer (Rickenbach) betont. Ein Schulsozialarbeiter könnte eine Lücke schließen, hielten sie fest. Es könnte eine Brücke gebaut werden, um sich an die Stellen wenden zu können, die tatsächlich helfen könnten. „Einfachere Fragestellungen könnten vor Ort gelöst werden“, so Husemann und Mugrauer, „zudem wäre ein Sozialarbeiter in der Lage, mit allen Beteiligten präventiv zu arbeiten.“