Auf die Berichterstattung über die Kindergartenbedarfsplanung hat Tagesmutter Sabrina Schulze verärgert reagiert und suchte das Gespräch mit der Zeitung. Es gibt fünf Tagesmütter in Schwörstadt, davon drei in Niederdossenbach und zwei in Dossenbach. Eine sechste Tagesmutter hat aufgehört. Die fünf Tagesmütter stehen im regelmäßigen Austausch miteinander und die anderen Tagesmütter teilten ihre Meinung, sagte Schulze.

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Als Selbstständige stünden die Tagesmütter in der Pflicht mit Qualifikationen und jährlichen Fortbildungen, und tragen noch dazu das finanzielle Risiko eines Gehaltsausfalls, da sie oft nur als Lückenbüßer herhalten, bis ein Kindergartenplatz frei geworden ist. Angesichts des vermeintlichen Bedarfs in der Gemeinde wunderte sich Schulze, dass sie derzeit zwei freie Plätze hat und bei den anderen Tagesmüttern ebenso Plätze unbelegt sind.

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Schulze verstand nicht, dass in der Kindergartenbedarfsplanung die Tagespflege nur mit zehn Plätzen für Kinder unter drei Jahren (U3) aufgeführt wird, da die fünf Tagesmütter insgesamt 25 Kinder betreuen können. Auf Anfrage teilte Jacqueline Dumont, Fachbereichsleiterin Personal und Finanzen, mit, dass für die Bedarfsplanung die Anzahl der vorhandenen U3-Kinder erhoben wird. Zum Stichtag waren das zehn Kinder. Für die Erhebung ist wichtig, dass für die U3-Kinder mit dem Familienzentrum Rheinfelden das Schwörstädter Modell vereinbart wurde. Die Betreuung von Kindern über drei Jahren (Ü3) in der Tagespflege wird nicht berücksichtigt. „Die Betreuung der Kinder Ü3 in der Tagespflege ist nicht Bestandteil der Kooperation mit dem Familienzentrum und kann daher in der Bedarfsplanung nicht aufgenommen werden“, erklärte Dumont.

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„Da aktuell nur zehn Kinder unter drei Jahren betreut werden, ist davon auszugehen, dass es derzeit keinen weiteren Bedarf gibt“, meinte Dumont. „Wenn dieser steigt, kann aber von den freien Pflegeplätzen Gebrauch gemacht werden.“ Laut Vereinbarung mit dem Familienzentrum könnten bis zu 15 U3-Kinder durch Tagesmütter betreut werden. Seit Oktober 2019 wird jede Betreuungsstunde bis maximal 27,5 Stunden pro Woche von der Kommune mit 2 Euro für ein Kleinkind aus Schwörstadt bezuschusst. Auch die Hälfte der Sozialversicherungskosten für die Betreuung der U3-Kinder übernimmt die Gemeinde. Mit der Vereinbarung soll erreicht werden, dass die Tagespflegekosten für die Eltern nicht über den Kosten der Krippe der Gemeinde liegen. Das Familienzentrum ist für die Qualifizierung der Tagesmütter sowie für Vermittlung, Beratung und Betreuung der Pflegeverträge zuständig.

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Das Schwörstädter Modell führte auch Schulze lobend an, allerdings würden kaum Kinder über das Familienzentrum vermittelt werden. Die meisten Eltern finden die Tagesmütter über das Internet. Die Kinder kommen aus Wehr, Schopfheim und Waldshut, nur selten aus dem Dorf. In ihrer sechsjährigen Tätigkeit hatte Schulze nur zwei Kinder aus Schwörstadt. Bei den anderen Tagesmüttern sieht es ähnlich aus. Aktuell scheint es keinen erhöhten Bedarf an U3-Plätzen zu geben, hieß es seitens der Gemeinde. Auf Nachfrage erklärte Birgitt Kiefer, Geschäftsführerin des Familienzentrums, dass die Eltern nach ihren Wünschen bezüglich der Betreuungszeiten, Fahrwege, Wohn- und Arbeitsstätte befragt werden und eine Tagesmütter mit passendem Angebot vermittelt wird. „Es kann aber passieren, dass es freie Plätze und Kinder auf der Warteliste gibt, weil es nicht zusammen passt“, so Kiefer.

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„Unsere Aufgabe ist, alle Kinder zu vermitteln und bei den Tagesmüttern so viele Zeiten wie möglich zu belegen.“ Schulze wünschte sich, dass die Gemeinde engeren Kontakt mit den Tagesmüttern halte. Nach dem Treffen im Vorjahr hieß es, dass jährlich Treffen stattfinden sollen. „Wir hatten schon für Anfang 2020 einen runden Tisch mit den Tagesmüttern angedacht, wurden aber wegen Corona in diesem Jahr ausgebremst. An diesem runden Tisch wären alle diese Themen bestimmt aufgekommen“, sagte Dumont. Die Gemeinde stehe Wünschen der Tagesmütter offen gegenüber. „In der Verwaltung haben wir für die Tagesmütter ein großes Herz, da wir meinen, dass die Betreuung von Kleinkindern bei einer Tagesmutter eine sehr gute Alternative zu der Kinderkrippe darstellt“, sagte Dumont.