Herr Lützelberger, was war der schönste Tag in Ihrem Leben?

Als ich in München meine jetzige, zweite Ehefrau kennenlernte. Ich war seit drei Jahren verwitwet, meine erste Frau ist an Krebs gestorben.

Wann hatten Sie richtig Glück?

Im Prinzip, als ich das Licht der Welt erblickte. Meine Mutter war bei meiner Geburt so weitblickend, dass sie nach Coburg in die Frauenklinik zur Entbindung ging, wodurch ich gebürtiger Bayer bin. Aufgewachsen bin ich in der thüringischen Weltspielwarenstadt Sonneberg. Einen Tag nach dem Abitur, das war 1951, habe ich mich „entostet“, das heißt: Ich ging schwarz über die Grenze, heim nach Bayern, wo ich in Würzburg studierte. Ich konvertierte für einen Tag zum Katholiken und der damalige Bischof von Würzburg verschaffte mir einen Job als Werkstudent in den Schweinfurter Kugellagerfabriken. Essen und Trinken verdiente ich mit Musikspielen in der Dorfwirtschaft.

Wie bewerten Sie die Entscheidung, Zahnarzt zu sein?

Es war die Richtige und es waren 41 sehr gute Berufsjahre. 1955 habe ich approbiert und promoviert, ich war damals mit 23 Jahren einer der jüngsten Zahnärzte Deutschlands. Und ich habe mich weitergebildet, seit 1995 bin ich qualifiziertes Mitglied der GZN (Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin). Ich habe großes Glück, dass mich meine jetzige Ehefrau Irmgard bei der Ausbildung zum „ganzheitlichen Zahnarzt“ zu allen Kursen begleitet hat. Sie war der Motor, dass die medizinische Spezialisierung „Homöopathie“ hinzugenommen ist. Das kam so: Wir nahmen gemeinsam am Ärztekongress in Davos teil und hörten da einen Fachvortrag über die ganzheitliche Zahnmedizin. Wir waren sofort überzeugt davon und längst sind wir zwei Homöopathen.

Welches Motto begleitet Sie?

Pensionist ist ein wunderschöner Beruf – wenn nur die Ausbildungszeit nicht so lang wäre. Nein, Scherz beiseite. Ich und meine Frau haben den Ruhestand immer genossen. Früher fehlte die Zeit zum Reisen, das holten wir intensiv nach Wilhelm Buschs Rat nach: Darum Mensch sei zeitig weise! Höchste Zeit ist‘s! Reise! Wir waren in der ganzen Welt unterwegs. Jetzt bin ich schlecht zu Fuß. Alles hat seine Zeit.

Wie geht es Ihnen mit 90 Jahren?

Ich habe mich nach einem Herzinfarkt erholt und dabei ist mir meine Frau als Homöopathin sehr behilflich. Wir unternehmen täglich einen kleinen Spaziergang durchs Quartier.