In den Wintermonaten tummeln sich zahlreiche Fische im Quellaustritt des Brödelbachs. Dabei handelt es sich um Döbel. Fischereiaufseher Michael Strittmatter erklärt, warum die Fische sich dort ihr Winterquartier suchen.

Der Döbel zählt zu den in Baden-Württemberg am meisten verbreiteten Süßwasserfischen – zum Verzehr eignet er sich aber nur bedingt, denn er hat viele Gräten.
Der Döbel zählt zu den in Baden-Württemberg am meisten verbreiteten Süßwasserfischen – zum Verzehr eignet er sich aber nur bedingt, denn er hat viele Gräten. | Bild: Horatio Gollin

Nahe der Unterführung östlich des Bahnhofs Schwörstadt tritt der Brödelbach aus einer Doline zutage und füllt zunächst ein Becken, bevor er die rund 150 Meter lange Strecke zum Rhein zurücklegt. In der kalten Jahreshälfte wimmelt es in dem etwa acht auf drei Meter großem Becken vor dunklen Fischen, die den Brödelbach als ihr Winterquartier auserkoren haben. Dicht gedrängt schwimmen hunderte Fische im Quellaustritt des Brödelbachs. Bei den Tieren handelt es sich um Döbel, erklärt Michael Strittmatter, Fischereiaufseher im Landkreis Lörrach für das Regierungspräsidium Freiburg. Seit 20 Jahren ist er Fischereiaufseher und ebenso lange kennt er dieses jährlich wiederkehrende Phänomen. Er schätzt, dass es sich bei den zehn bis 35 Zentimeter langen Exemplaren um ein- bis dreijährige Tiere handelt.

Mit dem Messgerät kann Strittmatter noch bei der Mündung der Brödel in den Rhein eine Temperatur von 10,2 Grad Celsius messen. Die Döbel werden durch das warme Wasser im Mündungsbereich angelockt. Beim Quellaustritt könnte die Temperatur sogar noch etwas höher liegen. Der Rhein dürfte zu dieser Jahreszeit nur eine Temperatur von 6,5 bis 7 Grad haben, meint Strittmatter. Zwischen Dezember und Februar fällt die Temperatur im Rhein sogar auf nur vier bis fünf Grad, während der Brödelbach ganzjährig eine gleichbleibende Temperatur hat, da er so nah seiner Mündung in den Rhein aus dem Dinkelberg austritt. „Das ist ein richtiger Unterschied“, meint Strittmatter.

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Die Fische suchen sich aufgrund der höheren Temperatur und der niedrigen Fließgeschwindigkeit im Quellaustritt des Brödelbachs ihr Winterquartier. Da die Mobilität bei wechselwarmen Fischen im Winter sinkt, suchen sie sich auch in Seen oder Flüssen Stellen, wo die Fließgeschwindigkeit niedriger ist, etwa bei Felsen oder in Auskolkungen am Grund, über die das schnellere Wasser hinweg schießt. In solchen ruhigen Löchern versammeln sich die Fische, die eng gedrängt zusammen stehen. Das kann problematisch werden. Strittmatter erkennt, dass einzelnen Döbel Schuppen fehlen. Sie stoßen sich an Steinen, wenn sie sich erschrecken. Wenn Fische eng zusammen stehen, kann es auch zu Verpilzungen kommen, oder sie werden von Fischegeln befallen, da sie im Winter nicht so mobil sind.

Gewässer ist durchgängig

Der Quellaustritt der Brödel ist insgesamt gut als Winterquartier geeignet. Strittmatter meint, dass der Bach selbst für die große Anzahl Döbel ausreichend Sauerstoff führt. Da es sich nicht um einen betonierten Kanal handelt, dürften auch Kleinstlebewesen zur Ernährung vorhanden sein. „Das A und O ist die Durchgängigkeit des Gewässers“, erklärt Strittmatter. Die Fische können von der Mündung bis zum Quellaustritt schwimmen, ohne auf Hindernisse zu stoßen. Es ist auch möglich, dass einige Fische ganzjährig den Brödelbach bewohnen. „Die meisten werden wieder in den Rhein schwimmen, wenn dort die Temperatur wieder hochgeht“, sagt Strittmatter.