In der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht ist die Holzlarve heute weit verbreitet, während sie in den vergangenen Jahrhunderten eher auf wenige Orte beschränkt war.

„Den Siegeszug hat diese Vermummungsart erst im 20. Jahrhundert angetreten, besonders durch die vielen Neugründungen von Narrenvereinen und -zünften“, sagt Kulturwissenschaftler Michael Fuchs, der das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein bei Orsingen-Nenzingen am Bodensee leitet.

Rhyfelder Wildsäu.
Rhyfelder Wildsäu. | Bild: Horatio Gollin

„Eine große Welle haben beispielsweise Hexengruppen ausgelöst, die mittlerweile in unzähligen Varianten über das ganze Land verbreitet sind. Die Hexengruppen zählen sicherlich zu den am weitesten verbreiteten Fastnachtsgestalten.“ Auch der Teufel war schon im christlichen Mittelalter eine typische Figur der Fasnacht.

Füürgeischter Karsau.
Füürgeischter Karsau. | Bild: Horatio Gollin

In Rheinfelden und Karsau finden sich zahlreiche Cliquen, die mythische Figuren verkörpern. Zu den ältesten Cliquen gehört das Narrennest Höllhooge Bruet von 1952, deren Mitglieder sich als Hexen und Teufel verkleiden. Auch die Rebhexen Herten, die Flyburg Hexen Nollingen, die Berggeister Nollingen, die Dinkelberg Schrate Rheinfelden, die Klingentalwichtel Degerfelden, die Füürgeischter Karsau, die Rhy-Bieschter Karsau oder die Teufelsfürsten Karsau verkörpern in ihrem Häs und ihrer Larve mythische Figuren.

Klingentalwichtel Degerfelden.
Klingentalwichtel Degerfelden. | Bild: Horatio Gollin

„Belege für Tierfiguren finden sich bereits im Spätmittelalter. Im Ursprung waren das nicht zufällige Verkleidungen, sondern sie waren mit Bedeutung aufgeladen“, sagt Fuchs. Etwa ein Esel symbolisierte die Torheit.

Überall in der Fastnacht finden sich Tiere. Bären, Katzen, Fledermäuse, Böcke, Rössle, Schweine oder Vögel sind schon seit langer Zeit Teil der Fasnacht und in ganz Europa verbreitet. „Im Zuge der vielen Neugründungen im 20. Jahrhundert sind der Fantasie kaum noch Grenzen gesetzt: Frösche, Störche, Fische, Schnecken, Rehe, Füchse und Eidechsen bevölkern die Narrenumzüge“, erklärt Fuchs.

Froschen-Clique Minseln.
Froschen-Clique Minseln. | Bild: Horatio Gollin

Mit dem Narrennest Degerfelden wurden schon 1958 zwei Tierfiguren ins Leben gerufen und die Narren verkleiden sich als Eule oder Mecki (Igel). Auch die Froschen-Clique Minseln mit dem Gründungsjahr 1960 und die Grabbe-Clique Herten mit dem Gründungsjahr 1964 können schon auf eine lange Geschichte zurückblicken. Beeindruckend sind Häs und Larve der Rhyfelder Wildsäu und d‘Wölf vom Dinkelberg.

D‘Wölf vom Dinkelberg Adelhausen.
D‘Wölf vom Dinkelberg Adelhausen. | Bild: Horatio Gollin