Dem Einzelhandel in Deutschland soll es trotz Corona wieder besser gehen. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 1. Juli liest.

Demnach ist der Einzelhandelsumsatz im Mai real um 3,8 Prozent höher als im gleichen Vorjahresmonat. Wir haben in Rheinfelden nachgefragt, ob die örtlichen Geschäfte diese Erfolge nachvollziehen können.

In die positive Meldung des statistischen Bundesamts sind alle Bereiche des Einzelhandels eingerechnet, auch Betriebe, die Online-Vertriebswege nutzen Im Internet- und Versandhandel wurde im Mai ein Plus von 28,7 Prozent zum Vorjahresmonat festgestellt, im stationären Einzelhandel bei Textilien, Bekleidung und Schuhen, wird ein Umsatzminus von 22,6 Prozent vermeldet.

Schweizer Kunden kaufen vornehmlich Lebensmittel

Frank Sattler, der Vorsitzende des Leistungsverbunds im Rheinfelder Gewerbeverein, kann die Ergebnisse des statistischen Bundesamts nicht nachvollziehen.

„Von Euphorie oder einem riesigen Umsatzplus kann in Rheinfelden keine Rede sein“, sagt er. Einzig im Lebensmittelhandel sieht er eine deutlich positive Entwicklung, was vornehmlich dadurch entstehe, dass die Schweizer wieder zum Einkaufen kommen können.

„Sie sind wieder da. Gott sei dank.“ Allerdings würden Schweizer Kunden aktuell vornehmlich Lebensmittel einkaufen. Die Kaufkraft aus dem Nachbarland würde nur in geringem Maß in die weiteren Einzelhandelsgeschäfte der Stadt fließen. Die Lust am Shoppen sei bei Eidgenossen wie bei Deutschen aktuell niedrig, was zum einen mit den nötigen Vorgaben bezüglich Abstand, Hygiene und Maskenpflicht zu tun habe, aber auch daran liege, dass niemand sicher sein könne, ob sein Job langfristig sicher sei.

Eine Kundin schaut sich die Ware eines Kleidungsgeschäfts an. Die Bekleidungsbranche hat starke Einbußen hinnehmen müssen wegen Corona.
Eine Kundin schaut sich die Ware eines Kleidungsgeschäfts an. Die Bekleidungsbranche hat starke Einbußen hinnehmen müssen wegen Corona. | Bild: Elena Borchers

Mehrwertsteuersenkung wohl nur geringen Einfluss

Dass die gestern in Kraft getretene Reduktion der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent daran viel ändern könnte, bezweifelt Sattler. „Ich finde, die Senkung ist für alle fair, aber bei den Endverbrauchern hört man, dass die meinen, es hilft merklich nur den Autokäufern.“

Die meisten Einzelhändler würden die Einsparung an der Kasse automatisiert den Kunden nachlassen. In der Vorstandssitzung vom Dienstag hatte man noch einmal alle Mitglieder des Gewerbevereins gebeten, die Mehrwertsteuerreduzierung an die Kunden weiterzugeben.

„Den Gürtel enger schnallen“

Sattler ist sicher, dass der Einzelhandel bis auf weiteres den Gürtel enger schnallen muss. Bisher gab es coronabedingt keine Betriebsschließungen, „aber wir sind erst am Anfang. Es fließen noch keine Milch und Honig.“ Dazu komme, dass Rheinfelden mit den vielen Baustellen inklusive der in der Fußgängerzone es den Einzelhändlern nicht einfacher mache.