Adrenalinrausch in der Achterbahn, Eintauchen in eine Welt voller Überraschungen – Freizeitparkfans fehlt das in der Corona-Pandemie. Der 20-jährige Mike Vormann aus Rheinfelden hat daher seine Version des Europa-Parks in Rust gebaut: Eine virtuelle Tour durch die Attraktionen, die bequem vom heimischen Bildschirm aus durchzuklicken ist.

Der 20-jährige Europa-Park-Fan Mike Vormann.
Der 20-jährige Europa-Park-Fan Mike Vormann. | Bild: Dora Schöls

16 oder 17 Mal im Jahr habe er vor der Corona-Pandemie den Park besucht, berichtet der junge Mann mit den wachen Augen, der trotz seiner ruhigen Art vor Begeisterung nur so sprüht. Schon als Kind habe er die Ausflüge in den Europa-Park geliebt, damals allerdings seien seine Eltern nur ein oder zweimal im Jahr mit ihm und seinem Bruder nach Rust gefahren. „Ich habe vorher am Computer nachgeschaut, wie lange wir dahin brauchen und wann wir losfahren müssen. So aufgeregt war ich“, sagt Vormann. Irgendwann gab es zu Weihnachten die Jahreskarte, „ab dann waren wir ziemlich oft da“, berichtet er. Noch häufiger war dies möglich, seit er seinen Führerschein hat.

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Er tauchte ein in die Fanwelt, mit 17 Jahren startete er bei den Sozialen Medien den Kanal „EP-Lounge“. Inzwischen folgen ihm bei Twitter, Instagram, Facebook und Youtube mehr als 3000 Nutzer. Anfangs täglich, seit der Corona-Pandemie alle zwei Tage, postet Vormann, heute 20 Jahre alt, Zahlen, Fakten und Fotos rund um den Europa-Park. Was ihn am Park so begeistert? „Man kann abschalten vom Alltag, in eine andere Welt eintauchen und alles drumherum vergessen.“

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Nur: Dann kam die Corona-Pandemie, der Park startete 2020 verspätet in die Saison. Nur ein einziges Mal sei er im vergangenen Jahr dort gewesen, sagt Vormann. Hat er Entzugserscheinungen? Er denkt nur kurz nach und sagt: „Ja, schon.“ So kam er im März auf die Idee, einen virtuellen Park nachzubauen. „Es ist ein kleiner Versuch, die Atmosphäre nach Hause zu bringen.“ Aber, hakt er gleich ein, es fehlen trotzdem die Gerüche, die Geräusche, der echte Park eben.

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Auf der Internetseite des „Virtual-EP“ landet der Besucher zunächst bei einem Video der Zufahrtsstraße. „Ich wollte es so gestalten, wie man auch durch den Park geht“, erklärt er. So geht es denn auch als nächstes zur Gepäckkontrolle – nur wird nicht das Gepäck kontrolliert, sondern die verschiedenen Funktionen der Seite erklärt. Und dann geht es los: Man klickt sich durch die Themenbereiche, Deutschland, Italien, Frankreich, England, wie im echten Park. Auch die Reihenfolge entspricht den Abzweigungen in der Realität.

Fotos von anderen Besuchern

In den einzelnen Bereichen kann man dann Attraktionen anklicken und es öffnen sich Videos. Diese wie auch die Fotos hat Vormann von anderen Fanclubmitgliedern bekommen. „Das ist das Schöne an der Fan-Community, dass viele mitmachen, wenn einer was startet.“ Wenn Attraktionen in den vergangenen Jahren um- oder neu gebaut wurden, gibt es unter dem Button „Ich möchte zeitreisen“ auch alte Videos anzuschauen.

Die Attraktionen

Mit dabei sind die ganz großen Attraktionen Silver Star, Blue Fire und Piraten in Batavia. Es gibt sogar den EP-Express mit den echten Haltestellen. Zwölf Themenbereiche deckt die Seite ab, es fehlen vier, sie kommen aber vielleicht noch. Spätestens wenn der Park wieder aufhat, möchte Vormann selbst Fotos machen und die Tour ergänzen. Allzu aufwendig sei das Ganze nicht gewesen, sagt Vormann, der bei Wetzel in Grenzach-Wyhlen Mediengestaltung gelernt hat. Nun besucht er in Freiburg das Berufskolleg mit dem Schwerpunkt Gestaltung.

Die Resonanz

Von der Idee zur fertigen Seite dauerte es nur wenige Wochen, am 2. April ging der „Virtual-EP“ online. Knapp 2000 Besucher habe er schon gehabt, sagt Vormann, „allein in den ersten 48 Stunden waren es mehr als 1000 Leute“. Damit habe er nicht gerechnet, sagt der 20-Jährige. Vor allem bei Twitter gab es viel Lob für das kostenlose Fanprojekt: „Eindeutig erstklassige Unterhaltung“, schreibt jemand, „wahnsinnig schön“ oder: „Nicht nur jetzt zu Corona-Zeiten eine schöne Möglichkeit, aufkommende Parksehnsucht zu befriedigen.“ Auch Nachrichten habe er viele bekommen, das habe ihn besonders gefreut: „Eigentlich ist das ja sehr einseitig, ich stelle die Seite halt ins Netz und man kann sich das angucken.“ Dank des Feedbacks gab es aber auch Kontakte.

Die Familie

In Minseln, wo Vormann mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder lebt, gefällt es ihm. „Nur ein Freizeitpark in Rheinfelden wäre gut“, sagt er grinsend. Seine Familie könne die Begeisterung nachempfinden, auch der gehandicapte Bruder komme mit in den Park. „Wobei ich mein Zimmer nicht vollplakatiert habe, ich bin also noch im gesunden Maß.“

Andere Projekte

Und er mache auch andere Medienprojekte. Beim digitalen No-Festival im April 2020 in Rheinfelden zum Beispiel habe er sich beteiligt. Als Mediengestalter blicke er aber auch auf den Europa-Park durch die Fachbrille. Dort habe sich viel getan: „Vor 15 Jahren gab es halt ein paar Maskottchen, inzwischen ist das eine schöne, einheitliche Markenkommunikation.“ Er könne sich auch gut vorstellen, einmal im Europa-Park zu arbeiten. „Mehr sein Hobby zum Beruf machen, geht nicht.“

Zum virtuellen Europa-Park geht es hier.