Den 30. Geburtstag feierte die Chrischona-Gemeinde am Sonntag mit einem Gottesdienst in ihrem fünf Jahre alten Gemeindezentrum Lichtblick. Die Predigt hielt der 60-jährige Gründer Jos Tromp, gebürtiger Holländer, der auf Chrischona zum Pastor ordiniert worden war und mit seiner Frau Ilse im Fécampring lebte. Er leitete die wachsende Gemeinde bis 1997 und unterstützt seither als Regionalleiter für Süddeutschland die eigenständigen Chrischona-Gemeinden, die unter dem Dachverband des Chrischona-Gemeinschaftswerks verbunden sind.

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Renate Lohmer verbindet mit der Rheinfelder Chrischona-Gemeinde viel: die Menschen, mit denen sie zusammen an Jesus Christus glaube, die ihre Sorgen und Nöte, ihr Leben teilten. Sie habe sich immer getragen und geborgen gefühlt, besonders, als ihr Sohn krank gewesen sei und die Gemeinschaftsmitglieder für ihn gebetet hätten. Sie wünsche sich weiterhin, dass die Gemeinde an Gottes Wort festhalte, ohne es liberal zu interpretieren. Ihr Mann Klaus ist froh, dass er trotz seiner Krankheit einen Platz gefunden habe, wo er dienen könne: Er kümmert sich um die Fahrradwerkstatt und war in der Begegnung mit iranischen Flüchtlingen aktiv. Lohmers gehören seit 1994 der evangelikal geprägten Chrischona-Gemeinde in Rheinfelden an, die sich erstmals am 9. Juni 1991 in einem der Fécamp-Hochhäuser zum Hausgebet traf.

Neue Kommunikationsmittel

Als entscheidende Entwicklung in diesen 30 Jahren nannte Tromp das Handy beziehungsweise Smartphone. Er hält die neuen Kommunikationsmittel für ähnlich revolutionär wie die europäische Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert für die Reformation. Er forderte die Rheinfelder Chrischona-Gemeinde zum Mut auf, ihren Glauben nach außen zu tragen: „Das Christsein besteht nicht in der Gemeinde; das ist nur Training – sondern in der Welt.“ Er warnte allerdings auch davor, nur Gespräche mit Menschen zu suchen, denen es schlecht gehe: „Keiner mag die Konfrontation mit seinen Defiziten.“ Vielmehr solle die frohe Botschaft Gottes und Jesu in allen ihren Facetten andere Menschen begeistern. Im Gespräch nach dem Gottesdienst präzisiert Tromp eingedenk der negativen Konnotation des Wortes Mission für viele Menschen, dass es nicht darum gehe, anderen den Glauben „überzustülpen“. „Wir wollen, dass unser Leben eine Predigt ist“, sagt Michael Koch, einer der drei Gemeindeältesten.

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Die Chrischona-Gemeinde Rheinfelden hat 56 Mitglieder und weitere 100 Sympathisanten, wobei Pastor Markus Obländer betont, dass die Mitgliedschaft nur der letzte Schritt sei. Obländer ist seit Januar 2018 der sechste Gemeindepastor; er stammt aus der Pfalz bei Neustadt an der Weinstraße und kam mit seiner Frau Rahel direkt von seinem siebenjährigen Wirken in Namibia nach Rheinfelden.

Häufig Domizil gewechselt

Ebenfalls sechsmal – allerdings unabhängig von den Pastoren – wechselte die Rheinfelder Gemeinde ihr Domizil. Unter anderem war sie schon in der Realschule, im Christlichen Zentrum an der Güterstraße und in einem Geschäftshaus in der Josefstraße untergebracht. Vor rund fünf Jahren erlaubten es Kreditzinsen und Grundstückspreise der Gemeinde dann, ein eigenes Gemeindezentrum in der Peter-Krauseneck-Straße zu bauen. Laut Kock kamen für den Grundstückskauf 90.000 Euro an Spenden zusammen; trotzdem stecken noch rund 15.000 Eigenleistung in dem Gebäude.

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Obländer und Kock beschreiben das Verhältnis zu den christlichen Kirchen in Rheinfelden als vertrauensvoll; engeren Kontakt halte Oberländer zu Pfarrer Joachim Kruse von der Evangelischen Landeskirche. Die Chrischona-Gemeinschaft bringt sich mit einem Nähkurs in der Flüchtlingsarbeit ein; durch ein langjähriges Mitglied aus dem Iran ergaben sich besondere Beziehungen zu den Iranern in der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft. Außerdem ist die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge seither im neuen Gemeindezentrum untergebracht. Wenn Corona es zulässt, soll außerdem das Café Lichtblick wieder einmal im Monat öffnen und der integrative Spieleabend mit behinderten Menschen stattfinden.