Herr Wild, geht in den Sportvereinen gerade noch irgendetwas oder ist alles verboten?

Es ist eigentlich alles verboten. Das einzige, was zulässig ist: Tagsüber zu zweit spazieren gehen. Es gibt Online-Angebote, da sind die Vereine unterschiedlich erfinderisch, Fitness-Videos oder der Skibasar als Online-Börse. Aber das geht nicht in allen Bereichen.

Im Newsletter des Stadtsportausschusses hieß es, unter den Vereinen gebe es nicht nur Verständnis für die Corona-Einschränkungen.

Der Vereinssport in Rheinfelden ist vielfältig. Wir haben den Boxclub, die können auch mit Punchingball im Keller boxen. Beim Mannschaftssport wird es schwieriger. Und wir haben viele Vereine mit Sportstätten – auch mit Gastronomie, die Fußballvereine Degerfelden, Karsau, Herten zum Beispiel. Gerade Karsau, die gerade erst ein neues Gebäude gebaut haben, die leben auch von den Einnahmen ihrer Gastronomie. Der TuS Adelhausen ringt in einer Liga, in der Geld eingenommen werden muss, um den Sport zu finanzieren. Da ist das Verständnis etwas eingeschränkter als bei einem reinen Breitensportverein, der sich meist nur aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Haben Sie selbst Verständnis?

Ich habe großes Verständnis, weil die Zahlen zeigen, dass etwas gemacht werden muss. Vielleicht hat man zu lange gewartet mit dem Lockdown. Die Volksgesundheit ist enorm wichtig. Wenngleich natürlich bei vielen die Bewegung fehlt. Und ich sehe auch die wirtschaftliche Komponente. Das betrifft ja nicht nur die Vereine, sondern zum Beispiel auch die Fitnessclubs. Ich glaube schon, dass da viele ihre Mitgliedschaft kündigen.

Wie schlimm sind denn die wirtschaftlichen Folgen für die Vereine?

Die Vereine, die Gebäude haben, merken natürlich, dass sie keine Einnahmen generieren. Ich kann das nicht auf den Euro beziffern, aber ich höre schon, dass die Kosten sie auffressen. Fortlaufende Kosten sind ja trotzdem da, die Gebäude müssen unterhalten werden.

Erinnerungen an Vor-Corona-Zeiten: Grümpelturnier beim Sommerfest des SV Herten 2019. Zurzeit liegt der Vereinssport brach.
Erinnerungen an Vor-Corona-Zeiten: Grümpelturnier beim Sommerfest des SV Herten 2019. Zurzeit liegt der Vereinssport brach. | Bild: Martin Eckert

Drohen Vereine einzugehen?

Das mag ich nicht beurteilen. Ich hoffe nicht! Aber so einfach ist es ja nicht, eine Existenz aufzugeben. Der Tennisclub zum Beispiel lebt auch von seiner Tennishalle. Aber jetzt kommt das nächste Problem: Wir mussten im Haushalt der Stadt Einschränkungen hinnehmen – auch bei der Sportförderung. Es gibt Vereine, die gerne baulich investieren würden. Ich rede nicht vom FSV, die sind ja dran. Ein Verein wollte die sanitären Anlagen sanieren, der Tischtennisverein wollte endlich neue Platten kaufen. Die hoffen natürlich auf die Sportförderung – aber da ist gegenwärtig kein Geld da.

Der Stadtsportausschuss hat schon im Juni 2020 beschlossen, im Jahr 2021 keinen Mitgliedsbeitrag zu erheben.

Ja. Man kann natürlich sagen, das sind nur 30 Euro – aber es war auch ein Signal an die Vereine: Wir erkennen die Problematik. Wir sind als Stadtsportausschuss auch sehr zurückhaltend bei eigenen Veranstaltungen. Deshalb haben wir jetzt schon die Sportlerehrung im Jahr 2021 abgesagt.

Das Rheinschwimmen soll 2021 aber stattfinden.

Das würden wir jetzt mal planen, weil das nicht so ein großer Aufwand für uns ist. Das ist dann auch relativ schnell – was ich nicht hoffe – wieder abgesagt.

Sprechen wir doch mal über das Vereinsleben: Wie wichtig ist es, dass man sich persönlich trifft?

In der Kinder- und Jugendarbeit ist es maßgeblich wichtig, dass die sich zu gemeinsamen Anlässen treffen. Und wo gibt es das mehr als in einem Verein? Nicht nur im Sportverein, auch in der Feuerwehr, bei der DLRG, im Musikverein… Das ist ein großer Bestandteil der sozialen Entwicklung. Jetzt sind die sozialen Kontakte ja auch in der Schule eingeschränkt. Das fehlt den Kindern und Jugendlichen enorm.

Und wie ist es andersherum? Wie wichtig ist die soziale Komponente für den Fortbestand eines Vereins?

Ein Verein lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Trainer und Betreuer. Die wollen ihren Sport weitergeben, etwas vermitteln, den Kindern etwas Gutes tun. Das fehlt natürlich auch.

Gibt es schon Nachwuchsprobleme?

Das muss man abwarten. Wenn das noch länger geht, glaube ich schon, dass sich Leute von Vereinen verabschieden. Ob das zielführend ist, wenn wir nur noch am Computer hocken und uns kaum noch bewegen, sei dahingestellt.

Was würden Sie Mitgliedern denn sagen, die einen Austritt erwägen?

Eine schwierige Geschichte. Sport ist wichtig, Bewegung ist wichtig, soziale Kontakte sind wichtig. Auf der anderen Seite: Ich bin Polizeibeamter, mein Lohn kommt jeden Monat. Viele Haushalte haben wirtschaftliche Probleme, wo Kurzarbeit angemeldet ist oder der Lohn wegbricht. Da kann ich es verstehen, wenn die auch Mitgliedschaften kündigen. Sie können ja wieder eintreten, wenn es wieder besser läuft. Aber für die Vereine ist das ein Problem. Ich würde sagen: Es ist wichtig, den Vereinen die Stange zu halten.