Der Tutti-Kiesi-Park wird zum Schauplatz eines besonderen Theaterspiels unter freiem Himmel. Das Jugendtheater Rheinfelden von Tempus Fugit führt unter Regie von Karin Maßen am 28. und 29. Juli eine eigene Inszenierung unter dem Titel „Das kalte Herz des Jedermann – das kalte Herz der Jederfrau“ als Stationentheater auf. Bespielt wird das gesamte Gelände. Start und Ende der Freilicht-Aufführungen ist der Vacono-Dome.

Theaterleiterin Karin Maßen zeigt sich beim Pressegespräch froh und erleichtert, dass dank der Lockerungen der Corona-Regeln und der finanziellen Unterstützung durch das Förderprogramm „Kultur Sommer 2020“ der Landesregierung diese außergewöhnliche Theaterproduktion möglich geworden ist.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Rheinfelden kann Maßen mit ihrem jungen Ensemble auf dem Tutti-Kiesi-Areal vier Mal an zwei Tagen dieses Stück zeigen, das von berühmten Vorlagen inspiriert ist: zum einen von dem Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, zum anderen vom „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal.

Karin Maßen, Leiterin des Theaters Tempus Fugit
Karin Maßen, Leiterin des Theaters Tempus Fugit | Bild: Roswitha Frey

Ursprünglich war, wie Karin Maßen erzählt, eine Großproduktion mit Klassen der Hans-Thoma-Schule Warmbach und der Musikschule Rheinfelden geplant, für die schon im Herbst 2019 die Proben begonnen hatten, doch dies ließ sich wegen der Corona-Pandemie nicht realisieren. So hat sich die Theaterpädagogin mit ihrem Jugendtheater nun diese kleinere Version ausgedacht, die unter den bestehenden Abstandsregeln im Park ablaufen kann.

Nach dem Lockdown, so berichtet Maßen, wurde zunächst mit kleiner Besetzung auf digitalem Wege weiter geprobt, so gut es ging. Seit dem 25. Juni kann Maßen mit ihren jungen Akteuren vor Ort im Tutti-Kiesi-Park proben, unter strenger Beachtung der Abstands- und Hygiene-Regeln. Zehn Mitspielerinnen und Mitspieler im Alter von 15 bis 20 Jahren, die auch schon bei früheren Stücken des Jugendtheaters Rheinfelden mitgemacht haben, sind bei dieser Aufführung dabei.

Die jungen Theaterspieler haben sich den Märchenstoff „Das kalte Herz“ als Vorlage genommen, um eine eigene Interpretation dieser Geschichte zu erarbeiten. Die Parabel um den armen Schwarzwälder Köhler, der von Macht und Reichtum träumt und sein Herz an den dämonischen Holländer-Michel verkauft, und sich daraufhin in einen vermögenden, aber gefühllosen Mann verwandelt, wird in Grundzügen erzählt, aber nicht Szene für Szene nachgespielt. Vielmehr bringen die Akteure ihre eigene Sicht auf das Stück ein, haben sich Fragen und Geschichten überlegt, eigene Texte verfasst und die Themen Reichtum, Macht, Herzlosigkeit und Werte im Leben auf die moderne Zeit übertragen. Auch Fragen der Geschlechterrollen spielen hinein. Die Ideen fließen in diese Inszenierung ein, in der von den Darstellern selbst gebaute Objekte aus Holzlatten wie ein Rad oder ein Sieb verwendet werden.

Die Szenen, die aus der Auseinandersetzung mit dem „Kalten Herzen“ entstehen, werden verknüpft mit der Geschichte des „Jedermann“, jenes reichen Mannes, der im Angesicht des Todes, der ihn holen will, um Aufschub bittet und sein Leben ändern will. In den „Jedermann“-Szenen sind die professionellen Schauspieler Till Lang, auch bildender Künstler, und Elias Füchsle, der als Darsteller und Theaterpädagoge fest beim Theater Tempus fugit engagiert ist, zu erleben. Der Saxophonist Johann Olsson begleitet die Stationen musikalisch.

Schutzkonzept erarbeitet

Zusammen mit der künftigen Kulturamtsleiterin Henrike Fuder hat Karin Maßen ein spezielles Schutzkonzept erarbeitet: Das Stationentheater beginnt und endet im Vacono-Dome, wo Stühle im Abstand von 1,50 Meter für maximal 40 Besucher aufgestellt sind. Kleine, nach Farben eingeteilte Gruppen von je fünf Zuschauern wandern dann mit den Darstellern über das Gelände zu insgesamt 18 Stationen, wo jeweils drei Minuten verweilt wird. „Alle Gruppen sehen alle Stationen, nur in anderer Abfolge“, erklärt Karin Maßen den Ablauf des Stationentheaters. Das ganze Gelände wird bespielt, die Zuschauer und Darsteller sind viel in Bewegung. Die Schluss-Szenen, in denen der „Jedermann“ dazu kommt, finden wieder unter dem Kuppeldach des Vacono-Domes statt.

Karin Maßen freut sich, dass durch die Kooperation mit dem Kulturamt die Reihe der Open-Air-Produktionen des Jugendtheaters Rheinfelden auch unter diesen schwierigen Bedingungen fortgesetzt werden kann. Die sommerliche Freilicht-Aufführung soll ein hoffnungsvolles Zeichen setzen, dass das Theater weiter lebt.