Die neueste Verordnung des Landes, derzufolge nur noch mit bestätigter Corona-Impfung oder mit einem aktuellen negativen Corona-Test ein Friseurtermin möglich ist, nehmen einige Friseure in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen zum Anlass, selbst zu testen. Ein Friseur in Rheinfelden bietet sogar Tests für alle Bürger an, die Stadt erweitert derweil die Kapazitäten im Testzentrum nicht.

Hohe Nachfrage im Testzentrum

Die Nachfrage im kommunalen Testzentrum im Gemeindesaal St. Josef sei „konstant hoch“, sagt Bürgermeisterin Diana Stöcker auf Nachfrage. An Montagen kämen zwischen 60 und 75 Bürgerinnen und Bürger, an Donnerstagen zwischen 85 und 100. „Nur an Gründonnerstag waren es mehr“, so Stöcker. Dafür reichten die Kapazitäten aus, die die Stadt zusammen mit der Sozialstation aufgebaut hat.

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„Wir bekommen aber die Rückmeldung, dass sich gerade Berufstätige auch einen Abendtermin wünschen“, sagt Stöcker. Der Montagstermin werde daher ab dem 3. Mai nach hinten verschoben, auf 16 bis 18 Uhr. Im Gegensatz zu Grenzach-Wyhlen sei in Rheinfelden aber kein Testangebot fürs Wochenende geplant: „Wir sehen bisher den Bedarf nicht.“

Friseursalon wird zweites Testzentrum

Sehr wohl bekomme sie aber die Rückmeldung von den beiden testenden Apotheken, dass es dort viel Andrang gebe – vor allem seit man beim Friseurbesuch einen negativen Test vorweisen muss. Während die Stadt bei den zwei Nachmittagen im Testzentrum bleibt, eröffnet daher Heike Brombacher in ihrem Friseursalon ein zweites Testzentrum. An Dienstagen und Donnerstagen schneidet Brombacher nun keine Haare, sondern testet auf Corona, zusammen mit ihrem Sohn.

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Derzeit kämen deutlich weniger Friseurkunden, sagt Brombacher, „die Leute haben Angst und halten sich an die Anweisung, zuhause zu bleiben“. Daher will sie den Platz und die Zeit nutzen, um allen Rheinfeldern ein Testangebot zu machen. Sie habe sowohl bei der Handwerkskammer als auch bei der Herstellerfirma der Tests eine Schulung absolviert und sei bei der Kassenärztlichen Vereinigung angemeldet, sodass sie die Tests als kostenlose Bürgertests abrechnen könne.

„Alles ist besser als rumstehen“

Neben den Kosten für die Tests bekomme sie eine kleine Aufwandsentschädigung, aber groß verdienen werde sie an den Tests nicht. Ihr gehe es mehr darum, überhaupt etwas tun zu können: „Vielleicht mache ich ein bisschen Gewinn – aber alles ist besser als rumstehen.“ In ihrem Friseursalon habe sie genügend Platz für die Wartenden, sowohl vor als auch nach dem Test, außerdem einen gesonderten Raum zum Testen und ein Einbahnstraßensystem mit Ein- und Ausgang.

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Angesichts der neuen Test-Regelung werden aber auch andere Friseure kreativ. Anna Passaro etwa vom Friseur Anna-Lucia Haarkultur in Rheinfelden hat beim Deutschen Roten Kreuz eine Unterweisung bekommen, um ihre Kunden testen zu können. „Viele Kunden haben Termine abgesagt, weil sie keine Möglichkeit zum Testen hatten“, sagt Passaro.

Sie hätten immerhin das Glück, dass sie einen Garten haben, wo sie die Kunden testen können. Die Tests müssten die Kunden selbst bezahlen, alles andere drumherum – Handschuhe, Schutzkittel – stelle der Friseurbetrieb. „Wir verdienen nicht daran, wir machen weniger Umsatz mit mehr Aufwand.“ Aber einfach den Kopf in den Sand stecken, das komme für sie nicht in Frage.

Extremer Mehraufwand

Ähnlich proaktiv ist Francesco Voria von Voria & Voria Friseure in Grenzach. Eigentlich, findet Voria, wäre die Gemeinde in der Pflicht, den Bürgern genügend Testmöglichkeiten anzubieten, damit die Friseure arbeiten können. Aber auf die Erweiterung des Testzentrums wollte er nicht warten, also habe er sich von einem Apotheker schulen lassen. Nun können sich die Kunden vor Ort selbst testen, Voria prüft, ob sie den Test richtig durchführen. Dies hätten ihm Handwerkskammer und Gesundheitsamt bescheinigt – nach einem ganz schönen Hin und Her zwischen Amt, Gemeinde und Friseur. Schließlich, mit der Erlaubnis, hätten sie den Hintereingang zum Testzentrum umfunktioniert, sodass die Kunden sich im Freien testen können. „Es ist schon ein extremer Mehraufwand“, sagt Voria, schließlich müsse man die Wartezeit auf das Ergebnis mit einrechnen. Die Kunden könnten entweder den Test selbst mitbringen oder direkt beim Friseur kaufen. „Wir können das nicht als Bürgertests abrechnen, weil nicht alle unsere Kunden aus Grenzach-Wyhlen kommen“, erklärt Voria. Aber immerhin gebe es jetzt die Möglichkeit zum Testen direkt vor dem Friseurtermin.