Ein emsiges Gewusel war auf der Wiese im Tutti-Kiesi-Park zu erleben. Kinder, Jugendliche und Schauspieler des Spielzeitteams führten die zweiteilige Großproduktion „Komm, wir bauen eine Stadt!“ des Theaters Tempus fugit zum Rheinfelder Stadtjubiläum auf. Das gesamte Areal wurde unter der Regie von Karin Maßen an drei Tagen bespielt. Die zahlreichen Zuschauer wanderten dort mit Stühlen von Spielort zu Spielort mit.

Das weitläufige Geschehen war so choreografiert, dass die Besucher quasi von „Baustelle“ zu „Baustelle“ den Akteuren folgen und hautnah mitkriegen konnten, wie eine Stadtgemeinschaft entsteht. Am ersten Platz sah man Jungen und Mädchen, die sich darüber unterhalten, wie super organisiert ein Ameisen-Haufen ist und selber eine „Ameisen-Klasse“ werden möchten. Plötzlich taucht eine Aufsichtsperson auf, die mit herrischem Ton behauptet, hier sei Sand im Getriebe und alles sei durcheinander geraten. Die Kinder bildeten mit ihren Körpern Baumaschinen nach, die es zu erraten galt.

Am nächsten Standort führten die Darsteller mittels Körpersprache vor, wie gegraben, geschaufelt und gebaut wird – gedrillt von einer unerbittlichen Person, die äußerste Perfektion einfordert. Die Akteure lassen sich nicht unterkriegen: „Wir halten zusammen, so soll unsere Stadt sein, niemand ist allein.“ Mit kleinen Szenen, Rollenspielen, Pantomimen, Körpertheater und tänzerisch-dynamischer Bewegung führen die Viertklässler der Hans-Thoma-Schule Warmbach, die Rheinfelder Kindertheatergruppe, in der auch Kinder von der Gemeinschaftsunterkunft mitwirken, Jugendliche der Gewerbeschule und die Darsteller vom Theater Tempus fugit vor, wie der Bau einer Stadt vor sich geht.

Spannend ist die Choreografie mit Objekten, die fast schon artistisch ins Spiel integriert werden. Wie das Innenleben einer Stadt aussieht, wird sehr lebhaft dargestellt. Im Kreis sitzen die Mitspieler auf der Wiese. Ein Schauspieler tritt in die Mitte, führt mit lauter Stimme das große Wort und will als Bürgermeister bestimmen, wo es lang geht. Doch das gefällt den Kindern nicht.

Nacheinander treten die jungen Akteure vor und erzählen, was sie werden möchten und wie sie sich ihre Stadt vorstellen. Schule, Krankenhaus, Kino, Supermarkt wollen die einen. Eine Stadt, in der Eisdielen Tag und Nacht geöffnet haben, wo Alt und Jung sich kennenlernen, Groß und Klein mit Roller und Fahrrad Vorfahrt haben, eine Stadt ohne Lärm und Gestank, mit Sand am Rhein und Spaß am Strand, eine Stadt, in der jeder einen Garten hat, die Miete günstig ist, Tiere und Pflanzen geachtet werden, Kinder auf der Straße Verstecken spielen und Häuser auf Bäumen sitzen: Solche Utopien und kindgerechte Wunschstädte werfen die Mitwirkenden in die Runde, geben damit den Zuschauern Anstöße und Impulse zum Nachdenken.

„Vielleicht braucht es gar kein TikTok mehr“, meint ein Schauspieler und wünscht sich mehr solcher Geschichten, Ideen, Visionen und Kinderträume. Und zum Schluss fangen alle gemeinsam an, ihre neue Wunsch-Stadt zu bauen.

Als zweites Stück zum Thema Stadtjubiläum inszenierte Maßen mit dem Jugendtheater Rheinfelden und dem Spielzeitteam im Vacono-Dome eine eigene Bearbeitung des Stücks „Unsere kleine Stadt“ von Thornton Wilder. Mit Charakteren aus diesem Stück lassen die jungen Schauspieler ein Kleinstadtleben entstehen, das auf die Gründung und Stadterhebung Rheinfeldens anspielt. Zwei Familien stehen im Mittelpunkt des Stücks, das in Rheinfelden spielt und zeigt, wie sich Menschen und Alltag über Generationen verändern.

Ohne Kulissen, nur mit wenigen Requisiten, werden die Bewohner dargestellt. Sie erzählen, wie es damals war und heute ist. Mit ihren Körpern bilden die jungen Darsteller den Rhein und die Rheinbrücke. Und es wird überlegt, wie Rheinfelden in Zukunft sein könnte. Ein sehr dichtes, starkes Theaterstück, das ganz auf das Stadtjubiläum zugeschnitten war.