Zwei umfangreiche Bände zur Stadtgeschichte bringt der Verein Haus Salmegg als Beiträge zum Jubiläum „100 Jahre Stadt Rheinfelden“, das im Jahr 2022 gefeiert wird, heraus. Im Bildband „Wie Rheinfelden entstand in alten Bildern“ dokumentieren historische Fotografien die Entstehung der Stadt. Der Text- und Bildband „Innovation und Integration“ beleuchtet die Anfänge und die Entwicklung der Stadt von 1922 bis heute.

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Seit Anfang 2017 erarbeitet der Arbeitskreis Geschichte unter der Leitung von Wolfgang Bocks die beiden Bände, die im Verlag Isele erscheinen. „Das braucht eine lange Vorlaufzeit“, sagt der Historiker Bocks, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Der Fotoband sei bereits beim Verlag, erzählt Bocks. Für den Text- und Bildband habe er fast alle Aufsätze auf dem PC. Bis Juni sollen die Beiträge komplett vorliegen und nochmals genau durchgesehen werden, bevor sie an den Verlag gehen. Danach stehen das Lektorieren und die Durchsicht der Druckfahnen an.

Historische Fotografien

Von der Fotografin Lia Isele-Riecke habe der Verein Haus Salmegg historische Fotografien erhalten, die aus dem Fundus ihres Vaters stammen. So sei im Arbeitskreis Geschichte die Idee entstanden, die Vorgeschichte der Stadterhebung 1922 in alten Bildern darzustellen, so Bocks. Die rund 110 ausgewählten Fotografien aus der Sammlung Iseles aus der Zeit von 1890 bis 1925 veranschaulichen, wie eine Stadt entsteht.

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Es beginnt mit alten Dorfbildern aus Nollingen, Warmbach und Karsau um 1900. Weiter gibt es alte Ansichten des Kraftwerks, der Brücken und der Industrie. Fotografien von Gebäuden, Kirchen, Geschäften und Wirtshäusern führen vor Augen, wie Rheinfelden sukzessive gewachsen ist, wie Straßen und Plätze angelegt wurden, Handel und Gewerbe sich ansiedelten. „Rheinfelden ist praktisch ohne Bebauungsplan entstanden, eine Stadt auf der grünen Wiese um den Industriekomplex herum, und später wurde der Stadt so etwas wie Struktur gegeben“, beschreibt es Bocks. Eine sechsköpfige Gruppe des Arbeitskreises hat die Bilder gesichtet, ausgesucht und gegliedert. Jedes Bildkapitel hat einen Einleitungstext. „Der Band wird bildschön“, freut sich Bocks. Viele der Fotografien seien noch nie veröffentlicht worden.

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Der Textband „Innovation und Integration“ soll 240 Seiten umfassen und mit 130 bis 140 historischen und aktuellen Fotografien illustriert werden. In diesem Band wird der Zeitraum von 1922 bis 2022 beleuchtet: 100 Jahre Stadt Rheinfelden im Rückblick und, wo möglich, auch im Ausblick. Der Band soll, so Bocks, „das Besondere von Rheinfelden“ herausstellen, das, was für die Stadt typisch ist und sie von anderen Städten unterscheidet, etwa im Bereich Industrie und bürgerschaftliches Engagement. 28 Autorinnen und Autoren, davon sieben aus dem Arbeitskreis Geschichte, sind mit Beiträgen vertreten. „Wir hätten das alleine gar nicht geschafft“, sagt Bocks, der ausgewiesene Fachleute für die jeweiligen Themengebiete gewinnen konnte. „Die Autorinnen und Autorinnen bilden einen Querschnitt durch die Bevölkerung.“

Verschiedene Themen

Wolfgang Bocks thematisiert die Gründung des Kraftwerks, der Industrie und der Stadt. In Porträts wird die Leistung der Strompioniere Emil Rathenau, Michael Dolivo-Dobrovolski, Charles Brown und Agostino Nizzola gewürdigt. Denn Rheinfelden habe Weltgeschichte in der Elektrotechnik geschrieben. Dargestellt wird, wie die Doppelgemeinde Nollingen-Badisch Rheinfelden zur Stadt wurde. In einem Beitrag rekonstruiert Bocks das von Umbrüchen geprägte Jahr 1922 vor dem europäischen Hintergrund. Oberbürgermeister Klaus Eberhardt beschäftigt sich mit der Stadtentwicklung ab den 1960er Jahren, schreibt über die Perspektiven und Aufgaben der Kommune in den nächsten Jahren und geht auch auf die neuere Industrieentwicklung ein.

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Wie die Siedlungs- und Stadtplanung bis zum Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat, schildert der ehemalige Bauamtsleiter Hans Krusche. Die Städtische Wohnbau ist Thema von Dieter Burger. Der Bereich Wirtschaft, Industrie und Gewerbe nimmt ein weiteres Kapitel ein, wobei Bocks sogar Aktuelles wie den Verkauf der Aluminium thematisieren kann. Unter dem Aspekt Umweltfragen war es ihm wichtig, auch die Schattenseiten der Industrie darzustellen. Dazu gehören Berufskrankheiten, der sogenannte „Fluorkrieg“, die Emissionen, die Dioxinproblematik, auf die speziell Heiner Lohmann eingehen wird, aber auch die Lehren, die daraus gezogen wurden hin zur Umweltvorsorge bei Stadt und Industrie.

Ein großes Kapitel gilt den enormen Leistungen der Bürgerschaft, der Integration der vielen Zugezogenen, und wie sich Rheinfelden als soziale, engagierte und familienfreundliche Stadt präsentiert. Bemerkenswerte Frauen und Pionierinnen werden ebenfalls gewürdigt. Gerlinde Schonhardt schildert die Schicksale und die Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen der Nachkriegszeit. Berichtet wird auch über das Gesundheitswesen und die Krankenhäuser. Das Kulturleben, Kunst und Kunstwerke, die städtische Kulturarbeit, die Bildungslandschaft, die Schulen sind weitere Bereiche.

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Stadtarchivarin Sabine Diezinger widmet sich den Partnerstädten, Alt-Oberbürgermeister Eberhard Niethammer der grenzüberschreitenden Beziehung mit dem schweizerischen Rheinfelden. Neben einer Chronik der Ehrenbürger findet sich auch eine Analyse und ein systematischer Überblick über die Wahlergebnisse von 1922 bis 2021. Wolfgang Bocks hofft, dass durch diese in der Reihe der Rheinfelder Geschichtsblätter erscheinenden Jubiläumsbände das „Wir-Bewusstsein“ in Rheinfelden gestärkt wird und „die Einwohner ihre Stadt mit etwas anderen Augen ansehen“.