In einer Serie stellen wir die Kirchen vor. In Degerfelden steht keine Pfarrkirche, da der Ort immer zur Hertener Gemeinde zählte. Dafür gibt es die St. Ubald-Kapelle, die wohl im 13. oder 14. Jahrhundert entstand.

  • Die Baugeschichte: Erstmals urkundlich erwähnt wird die St. Ubald-Kapelle im Jahr 1493. Alt-Pfarrer Albin Blümel meint aber: „Vermutlich gab es die Kapelle schon früher.“ Gertrud Heggenberger vom Pfarrgemeinderat führt an, dass Fresken an der Altarwand aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Leider waren diese nicht mehr zu restaurieren. Die katholische Gemeinde in Degerfelden wird schon um 1270 erstmals erwähnt. In der St. Ubald-Kapelle ist der Absatz einer Erweiterung aus dem 17. Jahrhundert deutlich erkennbar. Die Kapelle galt schon im 19. Jahrhundert als baufällig, ein Abriss wurde diskutiert. In den 1960ern nahm die Gemeinde zunächst eine Erneuerung der Innenausstattung vor. Nachdem im Winter 1974/75 Wasser in die Kapelle eindrang, begann die Außenrenovierung der Kapelle mit neuem Dachstuhl und Turmverkleidung, die bis ins Jahr 1987 dauerte.
  • Der Architekt ist nicht bekannt: Albin Blümel sagt, dass über den Architekten der Kapelle nichts bekannt sei. Er vermutet, dass beim Bau der Kapelle viele Bürger mitgearbeitet haben, wie auch bei der späteren Erweiterung und der Renovierung im 20. Jahrhundert. Degerfelden war schon immer eng mit dem Nachbarort Herten verbunden. Degerfelden besaß nie einen eigenen Friedhof oder eine Pfarrkirche. Blümel meint, dass eine zweite Kapelle vermutlich im Kapellenweg stand. Im 18. Jahrhundert war eine barocke Innenausstattung eingerichtet worden. Die Glocke des Lörracher Gießers Andreas Roost stammt aus dem Jahr 1764. 1866 gab es einen neuen barocken Hochaltar, der in den 1960er Jahren durch den heutigen Altar des Künstlers Leonhard Eder ersetzt wurde, der auch Ambo und Tabernakel neu schuf.
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  • Der Name: Der Patron der St. Ubald-Kapelle ist der Heilige Ubald von Gubbio, der im 12. Jahrhundert Bischof von Gubbio in Italien war. Das Patronat ist ebenfalls urkundlich seit 1493 gesichert. Aus der Frühzeit der Kapelle sind aber nur wenige Informationen erhalten. In den Akten vor 1800 wird sie noch als Kapelle Sancti Theobaldi geführt, sagt Gertrud Heggenberger. Später wird dann der Name Ubald verwendet. Dabei könnte es sich allerdings um ein- und denselben Heiligen handeln. Der französische Theobald entspricht dem deutschen Ubald, erklärt Alt-Pfarrer Blümel.

Es könnte sich aber auch um eine Verwechslung handeln und ursprünglich der im Elsass verehrte Eremitenheilige Theobald von Thann gemeint sein. Weshalb die Kapelle unter dem Patronat Ubalds steht, ist heute nicht mehr bekannt, führt Heggenberger an. Der Heilige Ubald aber gilt als Patron der Kinder und der Nervenleiden.

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  • Die Besonderheiten: Ein Christus ohne Arme hängt seit 1976 in der St. Ubald-Kapelle. Dieser wurde bei der Innenrenovierung auf dem Dachboden aufgefunden. Albin Blümel meint, dass der Christus zuvor draußen an dem Sandsteinkreuz von 1763 gehangen hatte. Aufgrund der Verwitterung seien offenbar die Arme abgebrochen, die Figur sei ersetzt worden. In der Kapelle hat auch eine Madonna mit Kind einen neuen Standort gefunden, die zuvor in der kleinen Wegkapelle nahe des Roten Weges gestanden hatte. Diese Kapelle war in den 1970er Jahren bei einem Unfall zerstört worden und wurde erst viele Jahre später auf Initiative von Degerfelder Bürgern wieder aufgebaut, berichtet Blümel. Seit 1987 ziert eine Sonnenuhr von Julius Birlin die Außenwand der St. Ubald-Kapelle. Die Sonnenuhr ist verziert mit dem Spruch: „Eine wird deine letzte sein.“ In einer Nische an der Außenwand steht eine Urban-Figur von Leonhard Eder, die eine ältere, gestohlene Statue ersetzte.
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  • Die Nutzung: In der St. Ubald-Kapelle finden knapp 60 Personen Platz. Ein- bis zweimal im Monat finden religiöse Feiern statt, auch private Totengebete oder Rosenkranzgebete, aber keine großen kirchlichen Feste. Die Kapelle wird für Taufen und Hochzeiten genutzt. Während Blümels Amtszeit nutzte auch die evangelische Gemeinde das Gotteshaus, auch Besichtigungen mit Kindern aus dem nahe gelegenen St. Katharina-Kindergarten fanden statt. In der Kapelle steht neben anderen Heiligenfiguren auch eine Figur der Heiligen Katharina, Namensgeberin des Kindergartens.