Auch Bäume haben eine Lebenserwartung und die der Stadtkastanie liegt laut Frederich bei 50 bis 60 Jahren. „Die vorm Rathaus dürften aber eher an die 70 Jahre alt sein“, so der stellvertretende Leiter der Stadtgärtnerei. Das ist den Bäumen anzumerken – seit rund zehn Jahren setze sich der schleichende Verfall immer weiter fort.

„Verschiedene Pilzkrankheiten machen den Kastanien zu schaffen.“ Diese schreiten immer weiter voran. Jeder Rückschnitt berge deshalb die Gefahr, dass weitere Pilze (siehe Infokasten) eindringen. „Das ist wie bei uns Menschen, wenn sich Wunden nicht mehr richtig schließen.“ Den Bäumen fehle es mittlerweile schlicht an Vitalität.

Bei den regelmäßigen Pflegemaßnahmen, wie auch in den zurückliegenden Wochen geschehen, werde das Nötigste gemacht, auch, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. „Der Platz ist belebt, da gehen viele Passanten vorbei.“ Ganz so akkurat sähen die Bäume aber eben nicht mehr aus.

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Frederich schätzt, dass die Bäume vielleicht noch fünf Jahre erhalten bleiben können. „Wir tun alles dafür, die Kastanien zu erhalten. Aber nichts ist für die Ewigkeit.“ Der Gemeinderat müsse entscheiden, was danach geschehen und welche Sorte stattdessen gepflanzt werden könnte. „Das ist immer schwierig, denn Stadtbäume müssen einiges aushalten.“

Das gilt auch für die Kastanien: Als sie gepflanzt wurden, war der Rathausvorplatz noch ein sandiger Festplatz. Mit dem Bau des Rathauses wurden die Wurzeln der Bäume wohl schon verletzt. „Das Wurzelwerk reicht unter der Erde viel weiter, als man denkt“, so Frederich. Was das ausmacht, könne man im Kastanienrund gut erkennen: Der Baum, der Richtung Spielplatz steht und von einem Grünstreifen umgeben ist, sei in einem besseren Zustand als die übrigen Bäume.

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Jedoch gehöre die Kastanie generell nicht zu den resistenteren Bäumen, sei anfällig für Schädlinge und komme mit Klimaextremen nicht gut klar. Welcher Baum könnte aber die Kastanie vor dem Rathaus langfristig ersetzen? Vielleicht Platanen, wie sie vor der Christuskirche wachsen. „Doch auch die müssten geschnitten und gepflegt werden, was Aufwand und Kosten bedeutet.“ Das gilt auch für eine Neubepflanzung. Siegfried von Au, Leiter der Technischen Dienste, schätzt, dass für einen Jungbaum zwischen 600 und 800 Euro investiert werden müsste.