Obgleich das Landratsamt Lörrach kein Erdaushub-Zwischenlager genehmigt hat, wird an der Römerstraße Aushub abgeladen. Für zwölf Monate ist das genehmigungsfrei möglich. Die Siedlergemeinschaft befürchtet nun, dass so dauerhaft ein genehmigungsfreies Lager realisiert wird. Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, seien bezüglich des Lagers mehrere Anfragen auch ans Landratsamt gegangen, die derzeit abgearbeitet würden.

Die Idee, ein Erdaushub-Zwischenlager an der Römerstraße einzurichten, reicht schon ein paar Jahre zurück. Auftakt dazu war die Planung für das zentrale Feuerwehrhaus ab Ende 2016. Anfangs war kein Zwischenlager geplant, sondern zunächst kam die Idee auf, den städtischen Bauhof dorthin zu verlagern. Im Rahmen des Architektenwettbewerbs für das zentrale Feuerwehrgerätehaus Ende 2018 war erstmals von einem Zwischenlager die Rede.

Auf dem Gelände sollten acht Lagerboxen entstehen, die jeweils 400 Tonnen Aushub fassen können. Fünf Boxen sollten unbelastetes Material, drei Boxen belastetes Material aufnehmen. Die Jahresumschlagmengen sollten auf 16.000 Tonnen unbelastetes und 9600 Tonnen belastetes Material begrenzt werden. Doch im Januar dieses Jahres wurde dem Erdaushub-Zwischenlager seitens des Landratsamtes Lörrach ein Riegel vorgeschoben.

Die Siedlergemeinschaft Rheinfelden, der 340 Mitgliedsfamilien angeschlossen sind, sprach sich gegen das Zwischenlager aus, welches nur knapp 100 Meter von der Wohnbebauung entfernt hätte entstehen sollen. Sorge bereiteten die Staubverwehungen von möglicherweise mit Dioxin belastetem Material.

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Dass das Landratsamt das Lager nicht genehmigt hat, beruhigt die Siedler nicht. „Das Verfahren wurde nicht eingestellt“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Ellen Haubrichs. Das Zwischenlager wurde nur aus dem ursprünglichen Bebauungsplan herausgenommen. „Wir legen Wert auf die Feststellung, dass wir nicht gegen den Standort des Feuerwehrgerätehauses sind“, sagt der Vorsitzende Andreas Wiesmann. Dies werde der Siedlergemeinschaft aufgrund ihres Widerspruchs gegen den ursprünglichen Bebauungsplan vorgehalten.

Die Siedler stören sich daran, dass dort Erdaushub im großen Stil abgelagert wird. „Im Sommer haben wir aufgedeckt, dass diese Erdaushub-Geschichte ja schon umgesetzt wird, obwohl im Januar die Genehmigung nicht erteilt wurde“, sagt Haubrichs. In der Folge musste die Stadt das Lager an der Römerstraße auflösen. Allerdings sei das Material daraufhin rund 50 Meter weiter nach oben verlagert worden, sagt Beisitzer Andreas Martin. „Seitens des Landratsamtes hieß es, das wäre genehmigungsfrei, weil es baustellennah ist“, sagt Haubrichs.

Sorge um Geschichte ohne Ende

Baustellennah dürfe man Erdaushub für zwölf Monate genehmigungsfrei lagern. Die Siedler befürchten, dass mit dieser Argumentation dauerhaft ein genehmigungsfreies Lager eingerichtet werden kann, wenn immer wieder baustellennahes Material für längstens zwölf Monate abgelagert wird. „Mit einem Endlager könnte ich eher leben, weil dann kommt das Zeug in den Boden und irgendwann ist es zu. Ein Zwischenlager ist eine Never-Ending-Story“, meint Wiesmann.

Landwirtschaftliche Flächen

Bekannt ist, dass in Rheinfelden der Boden oftmals als belastet gilt und geprüft werden muss. „Dioxin ist zwar nicht wasserlöslich, aber es schwirrt dann in der Luft herum und man atmet es ein. Hier entlang der Römerstraße ist das zugigste Revier in der Stadt“, meint Wiesmann.

Unweit des Lagerplatzes liegen landwirtschaftliche Flächen und das potentielle Neubaugebiet Cranach-Ost, die den Verwehungen ausgesetzt sind. Verdächtiges Material muss abgedeckt gelagert und wegen der Staubentwicklung befeuchtet werden. Das, so die Siedler, sei an der Römerstraße lange nicht gemacht worden. Martin verweist darauf, dass dann plötzlich Erdhaufen abgedeckt wurden. Haubrichs zieht daraus den Schluss, dass dieses Material als belastet eingeschätzt wird.

Das Lager liege mitten in einem Naherholungsgebiet, in dem Menschen spazieren gingen und ihre Hunde ausführten. Die Einfahrten zu dem Lagerplatz sind rund um die Uhr offen und keine Schilder weisen auf die Nutzung hin, kritisiert Martin. „Im Sommer war da eine Frau mit Kindern, die haben auf den Haufen gespielt. Die Frau ist aus allen Wolken gefallen, als ich sie darauf hingewiesen habe, dass das belastetes Material sein könnte“, sagt Haubrichs.