„Und das ist vegan?“, fragt ein älterer Mann, bevor er sich ein kleines herzhaftes Gebäckstück in den Mund steckt. Er kaut, schluckt runter, fällt sein Urteil: „Italienische Tomate“ schmecke ihm besser als die „Helle Sauce“. Alissa Nönninger, die den Probierstand vor einem Supermarkt in der Rheinfelder Innenstadt betreut, bleibt geduldig: „Die Geschmäcker sind eben verschieden.“

Nönninger hat zusammen mit ihrem Lebensgefährten Dominik Kübler Veprosa gegründet. Das Unternehmen produziert vegane Saucen, mit denen sich Risotto, Pizza oder Nudeln verfeinern lassen. Eine regionale Supermarktkette hat die Produkte bereits im Sortiment. „Wir haben Veprosa aus einer Leidenschaft heraus gegründet, wollen mit dem Start-up aber auch erfolgreich sein“, sagt Kübler. Er ist Sport- und Gymnastiklehrer, sie Ernährungsberaterin. Seit 2019 sind sie Veganer.

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„Der gesundheitliche Aspekt war der primäre Gedanke dahinter“, sagt Kübler. Aber auch Tierwohl habe eine Rolle gespielt. Dass Veganer automatisch etwas für den Klimaschutz leisten, freue ihn. „Mittlerweile gibt es tolle vegane Produkte, sodass man die Freude und den Genuss am Essen haben kann und trotzdem etwas für das Klima tut.“

Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wissenschaft Berlin, sieht in der Ernährung eine einfache Möglichkeit für den Klimaschutz: „Vegan sein, kostet mich nichts, das ist für jeden zu machen.“ Laut Bundesumweltministerium erzeugt die Ernährung pro Kopf 15 Prozent der Treibhausgasemissionen. Spitzenreiter ist die Energieversorgung.

Dominik Kübler und Alissa Nönninger von Veprosa.
Dominik Kübler und Alissa Nönninger von Veprosa. | Bild: Veprosa

Bei der Lebensmittelproduktion tragen indirekte Effekte – wie der Benzinverbrauch eines Traktors – und direkte Effekte zum CO2-Ausstoß bei. So erzeugt eine Kuh laut Quaschning pro Jahr so viel CO2 wie ein mit Diesel betriebenes Auto, das 18.000 Kilometer zurücklegt. Um den Effekt einzudämmen, reicht Vegetarismus nicht. „Für Milch und Butter brauchen wir auch Kühe, deshalb wäre die Antwort eigentlich, dass wir insgesamt weniger tierische Nahrungsmittel essen.“

Umstellung in der Ernährung

An den Geschmack von Steaks kann sich Dominik Kübler von Veprosa vermutlich gut erinnern: „Wir haben früher sehr viel Fleisch gegessen, weil wir aus dem Sportbereich kommen.“ Nach der Umstellung auf vegane Ernährung hätten beide bemerkt, dass sie Muskelmasse abbauen.

„Wir haben uns keine Gedanken gemacht, wie wir unseren Proteinbedarf decken können.“ Statt süße Milchshakes, die oft als Eiweißquelle für Sportler dienen, haben sie dann auf eine herzhafte Variante in Form ihrer eigenen Saucen mit viel Protein gesetzt. „So konnten wir komplett auf Zuckerzusätze sowie Süß- und Farbstoffe, die in Milchshakes sind, verzichten.“

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Doch nicht nur das fertige Produkt steht bei Veprosa auf dem Prüfstand. „Wir schauen uns auch unsere Lieferanten und Rohstoffe an“, sagt Kübler. Statt auf Soja setzt Veprosa auf regional angebaute Lupine als Proteinquelle. Ökologische Verpackungen seien für das Unternehmen ebenfalls wichtig, verrät Kübler. „Viele Kunden denken, Plastik wäre schlechter als Glas oder Pappbeutel, das stimmt oftmals nicht.“ Wichtig sei es, Materialien nicht zu mischen. So bestehe ihre Verpackung durchgängig aus Polyethylen – also auch Verschluss, Boden und Innenbeschichtung. „Das kann dann zu 100 Prozent recycelt werden.“ Gläser mit Etiketten und Plastikdeckeln seien schwerer wiederverwertbar.

Stefan Pauliuk, Juniorprofessor an der Fakultät Umwelt und natürliche Ressourcen an der Universität Freiburg, wünscht sich im Supermarkt größere Unterstützung durch den Gesetzgeber. „Wir brauchen als Konsumenten mehr Informationen.“ Wer die Ernährung auf vegan umstellt, könne versehentlich ein Lebensmittel wählen, das krasse Umweltauswirkungen hat. „Das sieht man im Supermarkt nicht, das ist eine Verantwortung, die auf den Konsumenten abgewälzt wird.“ Als Extrembeispiele nennt er Avocados, Palmöl oder Mandeln, die „zerstörerische Anbaubedingungen“ hätten. „Die Idee, man könne alles richtig machen, ist ein bisschen idealistisch“, sagt Pauliuk. „Man braucht einen gesunden Mix aus individueller Verantwortung und dem Rahmen, den Märkte und Staat setzen.“ Lieferkettengesetze, die den Import von hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten aus Regionen mit Wasserknappheit verbieten, oder verbindliche Siegel wären eine Lösung.

Blick in die Statistik

1,3 Millionen Deutsche, also rund 1,6 Prozent der Bevölkerung, ernähren sich laut einer Befragung des Marktforschungsinstituts Skopos Research rein pflanzlich. Der interessierte Mann, der sich in der Rheinfelder Innenstadt einmal durch die Produktpalette von Veprosa probiert hat, hat nicht zu seinem Geldbeutel gegriffen. Aber er hat sich immerhin ernsthaft mit einer klimaschonenden Ernährungsweise auseinandergesetzt.