Ob das Restaurant „Piazzetta“ beim Rathaus Rheinfelden, der Kiosk im Freibad oder auch das Wirtshaus am Rhein in Grenzach-Wyhlen – all diese Gastrobetriebe haben etwas gemeinsam. Die Gebäude, in denen sich die Restaurants und Imbisse niedergelassen haben, befinden sich in kommunaler Hand.

Das Wirtshaus am Rhein ist die einzige Immobilie in Grenzach-Wyhlen, die direkt von der Gemeinde an einen Gastronomiebetrieb verpachtet wird. Im Gespräch mit der Zeitung erklärt Hauptamtsleiter Stephan Schmidt, dass die Gemeinde dadurch sicherstellen will, dass es am Freibad ein kulinarisches Angebot gibt.

Qualitätsbaustein für Kommune

Dieses Argument führt auch Daniel Ohl an. Der Geschäftsführer Kommunikation beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg sagt: „Ein Gastronomiebetrieb kann ein Qualitätsbaustein – beispielsweise für den örtlichen Tourismus – sein. Wenn eine Kommune eine Gastronomieimmobilie besitzt, kann sie aus eigener Kraft das Angebot vor Ort beeinflussen.“ Und diesen Einfluss hat sich die Gemeinde Grenzach-Wyhlen in den vergangenen Monaten ordentlich etwas kosten lassen. Denn das Gebäude musste modernisiert werden.

Hohe Investitionen

80.000 Euro hat die Kommune im Jahr 2021 in die Sanierung der Küche im Wirtshaus am Rhein investiert. Ein Fettabscheider wurde in diesem Zuge in dem Gebäude installiert und technische Mängel im Bereich der Elektroinstallation behoben. Für das laufende Haushaltsjahr hält die Doppelgemeinde nochmals 255.000 Euro für Bau- und Renovierungsarbeiten bereit.

Das könnte Sie auch interessieren

Am 1. Mai sind mit Marga und Giovannino Di Nardo neue Pächter in das Restaurant gezogen, die italienische Küche anbieten. Der monatliche Pachtzins für das erste Jahr beträgt 1800 Euro. Nach dem ersten Betriebsjahr soll neu verhandelt werden, wie es im Pachtvertrag heißt. Als Kaution für das Gebäude sind 3600 Euro festgelegt.

So offen wie Grenzach-Wyhlen gehen allerdings nicht alle Kommunen mit ihren verpachteten Gebäuden um. „Für die Gebäude erhebt die Stadt einen marktüblichen Pachtzins, die Kaution richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben“, erklärt Werner Wohner, Amtsleiter für Gebäudemanagement der Stadt Rheinfelden.

Grundlegend bestehen laut Ohl keine wesentlichen Unterschiede, ob eine Gastroimmobilie von einer Kommune oder privater Hand an einen Wirt verpachtet wird. Praktisch hat Ohl aus seiner Erfahrung aber vor allem während der Corona-Krise einen Vorteil bei der Verpachtung durch Kommunen festgestellt: „Viele Kommunen sind sehr bewusst mit der Notsituation der Gastronomen umgegangen und haben sich während der Krise sehr umsichtig gezeigt, was die Pacht angeht. Das konnten viele Private nicht in diesem Umfang.“

Kommunale und private Pächter

Ohl betont, dass es keine Unterschiede bei den Pächtern gebe, dass aber kommunale und private Pächter einen anderen Blick hätten. „Ein privater Eigentümer hat enger gefasste finanzielle Interessen. Eine Kommune hingegen handelt zum Wohle der Allgemeinheit.“ So ist auch die Stadt Rheinfelden den Pächtern des Restaurants Piazzetta und des Kiosks im Freibad finanziell entgegengekommen, damit diese nicht noch mehr unter der Corona-Krise leiden müssen – konkrete Zahlen nennt Wohner allerdings auch hierbei nicht.

Ein Phänomen

Was die Investitionsbereitschaft anbelangt, kann Ohl keinen Unterschied zwischen kommunalen und privaten Pächtern feststellen. Einzig ein Phänomen begegne ihm gelegentlich: Bei gastronomischen Räumen in Stadthallen komme es immer wieder vor, dass Wege, Räume und die technische Ausstattung nicht optimal auf einen Gastronomiebetrieb geplant wurden. „Wenn Sie mit einem Gast-Blick eine Gastronomie planen, gehen Sie pleite. Sie müssen das mit einem Back-Office-Blick angehen.“ Bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt, empfiehlt Ohl deshalb, den Pachtvertrag vorab von der Dehoga prüfen zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren