Im Krabbelchor der Rheinfelder Paulusgemeinde singen die Zwei- bis Fünfjährigen über Bienen und Häschen. Pfarrerin Beatrix Firsching möchte so für Gesangsnachwuchs sorgen und nebenbei ein Eltern-Kind-Café etablieren. Diese Zeitung hat eine Schnupperprobe besucht.

Die kleine Charlotte läuft den Stuhlkreis ab. An jedem Platz stoppt sie, greift in ihren Handkorb und überreicht jedem Kind einen münzgroßen Magnet. „Versteckt die Magnete in euren Händen“, sagt Pfarrerin Beatrix Firsching. Dabei legt sie ihren in die flache Hand und ballt die Faust. Dann fängt die ganze Gruppe an zu singen: „Mein Magnet ist verschwunden, ich hab keinen Magneten mehr, ei, da ist der Magnet wieder, tralala lalalala.“

Beatrix Firsching inmitten ihrer kleinen Gesangstalente.
Beatrix Firsching inmitten ihrer kleinen Gesangstalente. | Bild: Stefan Mertlik

Beatrix Firsching leitet den Krabbelchor der evangelischen Paulusgemeinde in Rheinfelden. Jeden Dienstag treffen sich die Zwei- bis Fünfjährigen und ihre Eltern, um gemeinsam zu singen. Oder um sich gemeinsam auszutoben, denn mit einer herkömmlichen Chorprobe hat das Treiben im Paulussaal wenig zu tun. „Summ, summ, summ, Bienchen flieg‘ herum“, singen die 19 Kinder, bevor sie von ihren Stühlen aufspringen, die Arme ausstrecken und selbst wie kleine Bienchen durch den Raum flitzen.

„Die Idee hinter dem Krabbelchor ist, dass Eltern nachmittags vorbeikommen können, wenn sie etwas mit ihren Kindern erleben möchten“, sagt Firsching. Für die ganz Kleinen gebe es in Rheinfelden nur wenige Angebote. Die Pfarrerin der evangelischen Paulusgemeinde möchte ein Eltern-Kind-Café im Paulussaal etablieren – unabhängig von Konfessionen und Zugehörigkeiten. Heute – bei einer Schnupperprobe im Rahmen der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ – macht sie den Anfang dafür: mit Waffeln.

Bevor es Süßigkeiten gibt, müssen die Kinder aber erst Stimmeinsatz zeigen. Die meisten Lieder handeln von Tieren. „Ich wollte ein Thema nehmen, das immer geht“, sagt Firsching. Und so kündigt die Pfarrerin das Lied „Häschen in der Grube“ an, während sie ein Liedbuch in der Hand hält, dem die vielen bereits stattgefundenen Chorproben anzusehen sind. „Kenn ich, Frau Firsching“, ruft der kleine Justus. „Ich auch“, ein anderer. Die Lieder funktionieren für die Kinder, weil sie einfache Worte enthalten, die sich wiederholen. Zudem wählt Beatrix Firsching Lieder aus, die auch in den Kindergärten gesungen werden.

Mira Faltlhauser, Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Chorjugend, hebt die Vorteile von Singkreisen wie dem Krabbelchor hervor: „Neben den zahlreichen wissenschaftlich bewiesenen positiven Wirkungen von Singen sehen wir von der Deutschen Chorjugend vor allem das gemeinschaftliche Singen als gesellschaftlich relevant an.“ Es lasse Kinder Erfahrungen wie Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Mitgestaltung als Grundwerte einer solidarischen Gesellschaft erleben. „Jedes Kind sollte schon in jungen Jahren die Möglichkeit bekommen, die Kraft der Gemeinschaft, der Musik und der Freude zu erfahren“, teilt Faltlhauser auf Nachfrage mit.

„Alle meine Täubchen gurren auf dem Dach“, singt der Krabbelchor zur Melodie von „Alle meine Entchen“. „Fliegt eins in die Lüfte, fliegen alle nach.“ Die kleine Smilla liegt unbeeindruckt auf dem Schoß ihrer Mutter. Dorothee hüpft derweil um ihren Stuhl herum. Nach einer halben Stunde endet die Probe. „Jetzt gibt‘s Waffeln in der Küche“, sagt Firsching. Und noch bevor sie den Satz beenden kann, stürmen die kleinen Nachfolger von Pavarotti und Caballé aus dem Raum.